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Allgäu: Warum mitten in den Bergen jetzt eine riesige Holzbank steht

Allgäu

Warum mitten in den Bergen jetzt eine riesige Holzbank steht

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    Mitten in den Bergen grüßt den Wanderer im Allgäu nun eine riesige Holzbank.
    Mitten in den Bergen grüßt den Wanderer im Allgäu nun eine riesige Holzbank. Foto: Ralf Lienert

    Sind die Allgäuer jetzt größenwahnsinnig geworden? Dieser Gedanke könnte manchem Urlauber beim Anblick des bräunlich-grünen Mordsdrums in Oy-Mittelberg (Oberallgäu) durch den Kopf schießen. Bernhard Joachim von der Allgäu GmbH wäre es natürlich lieber, Gäste würden mit der überdimensionalen Fichtenbank jene Botschaft verbinden, die Tourismus-Profis aussenden wollen: Wandern im Allgäu ist eine Riesensache.

    Begehen darf die Bank in der Wanderregion Allgäu niemand

    Die Maße der Bank, die ab heute auf einem rund 1000 Meter hohen Plateau am Mittelberger Panoramaweg thront, sind in der Tat riesig: Zwölf Meter breit, sechs Meter hoch und 15 Tonnen schwer ist die XXL-Konstruktion, die im Normalmaß tausendfach entlang Bergpfaden und Wanderwegen zu finden ist. Wie ihr Vorbild hat die Riesenbank eine Lehne und an der Seite Armstützen – nur begehen darf sie aus Sicherheitsgründen niemand.

    Doch wozu dieser gigantische Gimmick? „Das Allgäu ist die größte und schönste Wanderregion Deutschlands“, sagt Dirk Schoppmann selbstbewusst. „Diesen Anspruch wollen wir mit der Bank auf originelle Weise verdeutlichen.“ Schoppmann, Chef des 80 Häuser umfassenden Verbundes Allgäu-Top- & Land-Hotels, hat die Idee zu der ungewöhnlichen Marketing-Maßnahme ausgebrütet.

    Über Posts in den sozialen Netzwerken hofft er auf zigtausendfache „Mundpropaganda“. „Ein Selfie für Tante Heidi vor den Niagarafällen ist cool – ein Schnappschuss vor der Wanderbank ist es genauso“, ist Schoppmann überzeugt. Und auf die erste Bank in Oy sollen weitere folgen.

    Ein Selfie vor einem Panorama mit Zugspitze und Säntis

    Der Tourismusverein Mittelberg hat schon mal 20 Meter neben der Bank mit einem Herz im Boden den idealen Selfie-Standort markiert. Wer sich vor der Bank ablichtet, fängt mit etwas Wetterglück gleichzeitig Bergpanorama vom Feinsten ein: Von dem Mittelberger Höhenrücken aus schweift der Blick von der Zugspitze bis zum Säntis.

    „Der Standort ist traumhaft“, schwärmt neben Dirk Schoppmann auch Sigrid Eckstein vom Verkehrsverein Mittelberg, der im Rennen um den Bank-Standort vor einem Dutzend anderer Allgäuer Orte die Nase vorn hatte. „Das Ganze ist für uns im wahrsten Sinne eine Riesensache“, sagt sie. Der Aufwand wird sich lohnen, ist Eckstein überzeugt: „Die Bank wird uns ganz sicher ein großes Urlauber-Echo bringen.“

    "Wandern ist eine der Hauptattraktionen im Allgäu"

    Davon geht auch Tourismus-Profi Joachim von der Allgäu GmbH aus, ohne dafür exakte Zahlen zu nennen. Eines jedoch sei sicher: „Das Wandern ist neben dem Radeln die Hauptattraktion des Allgäus.“ Ein Großteil der etwa 2,5 Millionen Sommergäste pro Jahr sei auf Schusters Rappen unterwegs – und diese Zahl wolle man ausbauen.

    Dabei genügt es laut Joachim nicht, nur mit attraktiver Landschaft aufzuwarten. Deshalb rief man zur Vermarktung des 850 Kilometer langen Wegenetzes vor einem Jahr die „Allgäuer Wandertrilogie“ ins Leben. Die Region wurde in drei Erlebnisräume aufgeteilt – jenseits von Landkreisgrenzen nur anhand Topografie und Höhenlagen.

    Die riesige Bank muss viel Schnee tragen können

    Derlei Strategien hatte Schreiner Mathias Freudig aus Schöllang (Oberallgäu) nicht im Kopf, als er sich an die maßstabgetreue Umsetzung der XXL-Bank aus kesselimprägniertem Fichten-Leimholz machte. „Das Ding ist eine echte Herausforderung. So starke Balken verwenden wir normalerweise nicht einmal für den Dachstuhl einer großen Halle.“ Damit der Riese nicht ins Wanken gerät, wurde auch ein Statiker eingebunden – schließlich muss die Konstruktion im Winter bis zu 440 Kilo Schnee pro Quadratmeter verkraften.

    Wandern im Allgäu

    Die Wandertrilogie Allgäu will seit 2014 den Tourismus in der Region ankurbeln. Der Einstieg ist an jeder Stelle des Wandernetzes möglich.

    Initiator: Allgäu GmbH (Zusammenschluss von Politik, Wirtschaft und Tourismus im Allgäu)

    Wegenetz: 876 Kilometer

    Teilnehmer: 33 Kommunen

    Projektkosten: 3,2 Millionen Euro, davon 1,8 Millionen von den Kommunen und 1,4 Millionen Euro aus europäischen Fördertöpfen.

    Gästezahlen: Das Allgäu zählte 2014 etwa 17 Millionen Übernachtungen – davon zehn Millionen im Sommer, was einer Gästezahl von 2,5 Millionen entspricht.

    Dieser Aufwand und der große Materialbedarf erklärt laut Schoppmann auch die Kosten von 40000 Euro pro Bank – Geld, das die Top-Hotels gemeinsam mit mehreren Förderern aufbringen. Für die nächste Bank läuft bereits das Ringen um den markantesten Standort – ein heißer Kandidat ist der 1600 Meter hohe Imberg bei Oberstaufen. Dort würde die Bank allerdings noch mehr Geld kosten – allein schon wegen des Helikopter-Einsatzes beim Aufbau.

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