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Artenschutz: Fischereihof: Eine Wasserwelt zum Erleben

Artenschutz

Fischereihof: Eine Wasserwelt zum Erleben

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    Fischereihof Schwaben. Bild: Ulrich Wagner
    Fischereihof Schwaben. Bild: Ulrich Wagner

    Beim Blick aus dem Fenster seines Büros im Schwäbischen Fischereihof Salgen (Unterallgäu) kam Dr. Oliver Born die Idee. Die Wiese davor sollte zu einer Wasserwelt mit Biotopteichen werden. Bald ist es so weit. Voraussichtlich im September findet die Einweihung im "Kompetenzzentrum Wasserschule" statt.

    Vier Teiche sind in den vergangenen Monaten geschaffen und gestaltet worden. Sie stellen die unterschiedlichen Gewässer-Lebensräume dar. Mit allem, was dazugehört: den Fischen und Kleinlebewesen im Wasser, den Wasserpflanzen, den Amphibien und den Libellen, die darüber schweben. Neben einem kalten klaren See gibt einen trüben warmen Karpfensee. Hier wachsen die Seerosen. In den Flachwasserzonen können Kinder bei der "Teich-Safari" ausgerüstet mit Gummistiefeln und Kescher die Tierwelt erkunden. Auch Floßfahrten zu einer Insel wird es geben. Das rote Seil ist schon gespannt.

    Voraussetzung, dass sich die Teiche wunschgemäß entwickeln, Wassertemperatur und Nährstoffgehalt stimmen, ist ein ziemlich kompliziertes Steuerungssystem. In der Anfangsphase werden Born und seine Mitarbeiter auch experimentieren müssen. Man kann die Teiche nicht sich selbst überlassen. Schließlich sind es Biotope aus zweiter Hand. "Bis sich die Lebensgemeinschaften eingestellt haben, wird es zwei Jahre dauern", schätzt Fischereibiologe Born. Aber schon heute quakt es auf dem Freigelände.

    Zur Wasserschule gehört künftig auch eine Beobachtungsröhre, wie es der Sonthofener Architekt Michael Borth nennt. Der Besucher begibt sich in eine Art Betontunnel. Durch Glasscheiben kann er die Unterwasserwelt in einem Teich mit acht Metern Durchmesser bestaunen: Große und kleine heimische Fische von der Seeforelle bis zum Karpfen schwimmen hier. Das Aquarium ermöglicht auch einen Blick auf eine kleine Fischtreppe. Das abfließende Wasser speist einen der Teiche.

    Durch das Gelände, das dem Bezirk Schwaben gehört, fließt der Weißbach. Er wurde vom Wasserwirtschaftsamt Kempten vor einem Jahr auf einer Länge von ein paar hundert Metern renaturiert. Jetzt fließt er nicht mehr schnurgerade, sondern darf sich in seinem Bett bewegen. Es gluckert und gluckst. Kleine Fische wuseln im flachen Wasser umher. Das Hochwasser im Juni hat gezeigt, was ein natürliches Fließgewässer leistet. Es schuf Kiesinseln, wichtige Laichplätze, lagerte Schlamm und Sand am flachen Ufer ab. Und der Bach flutete einen neu angelegten Graben, der als Wasserrückhalteraum dient. Born ist begeistert.

    Ein wesentlicher Anstoß für den Ausbau Wasserschule im Fischereihof war die Öffentlichkeitsarbeit, die auf breitere Beine gestellt werden sollte. "Dieses Zentrum für Fischerei ist in Deutschland einmalig", sagt Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert. Ihn begeistert, dass es ein Projekt zum Anfassen ist. Schüler aus ganz Schwaben, aber auch Erwachsene sollen hier für den Fischartenschutz sensibilisiert werden, denn hier liegt viel im Argen. Die meisten heimischen Fische sind vom Aussterben bedroht. Und es soll der Blick darauf gelenkt werden, dass der Lebensraum Gewässer dringend verbessert werden muss. Die Leute sollen staunen: So sieht ein natürliches Gewässer aus! Die meisten Menschen kennen das nicht, sagt Born. Denn in den vergangenen 100 Jahren sind die meisten Bäche und Flüsse verbaut und in ein enges Bett gepresst worden.

    Auch Bürgermeister sollen sich vor Ort ein Bild machen

    Der Unterallgäuer Landrat Hans Joachim Weirather, selbst ein Wasserbauer, regte an, Bürgermeister-Versammlungen in Salgen abzuhalten. Die Politiker sollen den revitalisierten Weißbach als Positivbeispiel erleben. Ein wichtiges Thema: Die Kommunen sind für den Unterhalt der Gewässer III. Ordnung zuständig. Vor Ort könnte den Bürgermeistern gezeigt werden, was im Sinne des Gewässerschutzes möglich ist und was solche Projekte kosten - nicht viel. Und dass die angrenzende Landwirtschaft nicht beeinträchtigt wird. Im Gegenteil. Sie bekommt kein Hochwasser mehr ab.

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