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Ausbau des Münchner Flughafens: Nach Stuttgart 21 jetzt Startbahn 3

Ausbau des Münchner Flughafens

Nach Stuttgart 21 jetzt Startbahn 3

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    Der Flughafen München mit der oben rechts eingezeichneten geplanten dritten Startbahn. Foto: Flughafen München dpa
    Der Flughafen München mit der oben rechts eingezeichneten geplanten dritten Startbahn. Foto: Flughafen München dpa

    München Die Fronten waren abgesteckt, die Entscheidung der Regierung von Oberbayern für die dritte Startbahn am Münchner Flughafen kam nicht überraschend. Doch dass Gegner wie Befürworter aus den Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 Rückschlüsse gezogen haben, wurde gestern schlagartig sichtbar: Während die Startbahngegner mit wütendem Protest reagierten, um ihrer Empörung Gehör zu verschaffen, vermieden staatliche Stellen und Vertreter der Wirtschaft allzu laute Jubeltöne und gaben sich betont moderat.

    Besonders scharf reagierte der Bund Naturschutz. „Die Regierung von Oberbayern hat sich zum Erfüllungsgehilfen von Lufthansa und Co. gemacht. Es gibt weniger denn je eine Notwendigkeit für die dritte Bahn“, kritisierte der Landesvorsitzende Hubert Weiger. Er warf der Regierung vor, „dass die guten Argumente der fast 84000 Bürger, Kommunen und Verbände gegen die dritte Bahn und für Menschen-, Natur- und Klimaschutz in unverantwortlicher und nicht neutraler Weise missachtet wurden“. Weiger kündigte an, die dritte Bahn werde „der zentrale Konfliktfall zwischen der Ökologiebewegung und der Landesregierung“ werden.

    Für die Grünen erklärte der Freisinger Abgeordnete Christian Magerl: „Wider besseres Wissen hat die Regierung von Oberbayern ein ein Milliarden Euro teures Projekt gebilligt, für das es keinerlei Bedarf gibt und das den Menschen im Flughafenumland weitere massive Nachteile bringen wird.“ Nach Ansicht Magerls fiel die Entscheidung für die dritte Bahn nur auf Basis von Prognosen der Münchner Flughafengesellschaft, „die längst von der Realität widerlegt worden sind“.

    Der Freisinger Freie-Wähler-Abgeordnete Manfred Pointner zeigte sich „sehr enttäuscht“ über die Entscheidung. Besonders bedauerlich sei es, „dass die Möglichkeiten, den Ausbau für die Anwohner erträglicher zu gestalten, kaum genutzt worden sind: Weder wurde ein Nachtflugverbot vorgesehen noch die Möglichkeit einer Verkürzung der Start-und-Lande-Bahn oder die ausschließliche Nutzung als Landebahn.“ Pointner: „Jetzt müssen die Gerichte entscheiden.“

    Im besonders stark betroffenen Freisinger Stadtteil Attaching kamen gestern Anwohner zusammen und machten ihrem Ärger Luft. „Es hat Tränen gegeben“, berichtete Hartmut Binner vom Aktionsbündnis „AufgeMUCkt“. Familien müssten die Häuser ihrer Großeltern verlassen, weil es mit der neuen Bahn zu laut werde. „Bei 70 Dezibel kann ich kein Kind großziehen.“ Auch sein Sohn wolle nicht bleiben, sagte der Pensionär Binner. Als Polizist habe er „ein Leben lang treu dem Staat“ gedient. „Heute stehe ich auf der anderen Seite.“ Der Widerstand formiere sich. Binner: „Wir werden uns artikulieren, aber nicht mehr so brav wie bisher.“

    Vertreter der Wirtschaft sowie der Regierungsparteien CSU und FDP zeigten sich mit der Entscheidung zufrieden, gaben sich aber betont sachlich. Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) versicherte, der Dialog mit den Anwohnern werde „unvermindert fortgesetzt“. Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte schon im Vorfeld der Entscheidung um Verständnis für die Anwohner geworben und an die Mitglieder seiner Partei appelliert, die Erfahrungen mit Stuttgart 21 ernst zu nehmen: „Ich bitte euch im Umgang mit der Bevölkerung von dem Grundsatz auszugehen: Wir üben keine Herrschaft aus, sondern wir sind Dienstleister für die Bürger.“ (mit dpa und dapd)

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