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Lokalrundfunktage

02.07.2019

BLM-Chef im Interview: „Ich halte Podcasts für eine Riesenchance“

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Der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Siegfried Schneider, findet: „Jeder neue Kanal, über den Radio verbreitet werden kann, ist eine Chance.“
Bild: Sven Hoppe, dpa

Die Radiolandschaft ist im Umbruch. Audio-Streamingdienste machen auch Lokalsendern harte Konkurrenz. Wie diese darauf reagieren sollten, weiß BLM-Präsident Siegfried Schneider.

Herr Schneider, leben wir in einem „goldenen Zeitalter von Audio“, wie das oft in der Branche zu hören ist?

Siegfried Schneider: In unserer digitalen Medienwelt haben neue Audio-Angebote wie Musikstreaming-Dienste, Podcasts und vor allem auch Smartspeaker einen Audio-Boom ausgelöst. Davon können und müssen auch die lokalen Anbieter profitieren.

Was stimmt Sie so zuversichtlich?

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Schneider: Unsere bayerischen Lokalradios bleiben im wachsenden Wettbewerbsumfeld digitaler Angebote Garant für hohe Tagesreichweiten und damit unverzichtbarer Bestandteil im modernen Media-Mix. Gleichzeitig machen die neuen Ergebnisse der Funkanalyse Bayern aber deutlich: Das lineare Radioprogramm darf nicht mehr allein im Zentrum der Bemühungen stehen. Es hat viele seiner Alleinstellungsmerkmale verloren. Die Digitalisierung fordert neue, qualitativ hochwertige Inhalte und neue, innovative Geschäftsmodelle. Eine Herausforderung, die aber auch viele Chancen bietet.

Zweifelsohne ist die Konkurrenz, die Radiosender haben, in den vergangenen Jahren gewachsen – Audio-Streamingdienste wie Spotify oder von Apple und Amazon haben stark zugelegt. Wie sollten Radiosender, gerade auch der Lokalfunk, dem am besten begegnen?

Schneider: Es stimmt, der Audio-Markt ist gewachsen – aber leider ist die Zeit, die die Menschen insgesamt für die Mediennutzung zur Verfügung haben, endlich. Die Kuchenstücke für jeden Einzelnen werden damit kleiner. Gute lokale Inhalte, Präsenz auf allen digitalen Kanälen und mehr Kooperation untereinander sind die wesentlichen Aufgaben der lokalen Sender, um hier gegenzusteuern.

Was halten Sie eigentlich vom aktuellen Podcast-Boom – ist er möglicherweise nur ein vorübergehendes Phänomen?

Schneider: Das glaube ich nicht. Ich halte Podcasts für eine Riesenchance, da sie qualitativ hochwertigen Content bieten – der auch das Markenzeichen erfolgreicher Lokalsender ist. Wer nur Musik abspielt, wird nicht gegen die Streaming-Dienste ankommen. Denn am Ende entscheiden sich die Zuschauer immer wegen der Inhalte, wegen des unverwechselbaren lokalen Angebots für ihren Lieblingssender.

Podcasts boomen gerade - ob das so bleibt?
Bild: Robert Günther, dpa

Wenn Sie Programmdirektor eines bayerischen Radiosenders wären – was wäre Ihre erste strategische Entscheidung, um ihm eine gute Zukunft zu sichern?

Schneider: Die Investition in gutes Personal und gute Ausbildung, das ist die Voraussetzung für den Erfolg. Auch die Bayerische Landeszentrale für neue Medien tut sehr viel dafür, Talente zu fördern: So bieten wir mehr als hundert Workshop-Tage pro Jahr für Volontäre und Redakteure in den lokalen Stationen an. Abseits der Workshops haben wir mit der Umstrukturierung der bayerischen Aus- und Fortbildungskanäle zur Mediaschool Bayern den veränderten Anforderungen journalistischen Arbeitens in der digitalen Welt Rechnung getragen: Das neue Ausbildungskonzept ist multimedial, vernetzt und modular und macht fit für die Medienwelt von morgen.

In der wird der 5G-Mobilfunk eine große Rolle spielen. Was versprechen Sie sich von dessen Ausbau? Ist er Chance oder Bedrohung für Radiosender?

Schneider: Jeder neue Kanal, über den Radio verbreitet werden kann, ist eine Chance. Es gibt aus meiner Sicht kein Entweder-oder, sondern nur ein Sowohl-als auch. Lokales Radio muss auf allen verfügbaren digitalen Kanälen und Plattformen vertreten sein, um alle potenziellen Hörerinnen und Hörer zu erreichen. Das heißt: Gefragt ist die Verbreitung von Rundfunkprogrammen über UKW, DAB+ und das Internet. Darüber hinaus müssen die Sender Special Interests der Nutzer über Webchannels ansprechen, Smartspeaker für Reichweite nutzen und Podcasts anbieten.

Sie setzen sich für das Digitalradio DAB+ ein – auch und gerade für die Nutzung im Auto. Mit 5G jedoch wäre auch dort Internetradio bestens möglich, und das dürfte für viele das attraktivere Angebot darstellen. Gerade für den Lokalfunk wäre das sicher höchst problematisch, oder?

Schneider: Wie schon gesagt – die digitale Audiolandschaft der Zukunft gedeiht am besten in einer gesunden Mischung aus terrestrischem Digitalradio und Online-Audio. Wer nicht beide digitalen Ausspielwege nutzt, wird Hörer, Marktanteile und damit Erlöse verlieren. Schließlich ergänzen sich die Vorteile von terrestrischem Digitalradio und Online-Audio auch optimal: Das Digitalradio DAB+ gestattet die Fortsetzung des klassischen Geschäftsmodells einer linearen Programmverbreitung und Werbevermarktung von privatem Radio in Deutschland. IP ermöglicht die Entwicklung differenzierter Vermarktungs-Strategien. Die positive Entwicklung von DAB+, nach der neuen Funkanalyse hat nun schon jeder Dritte ein Empfangsgerät, trägt gemeinsam mit anderen neuen und herkömmlichen Ausspielwegen dazu bei, dass Radio in Bayern auch in einer konvergenten Medienwelt einen festen Platz im Alltag der Menschen behält.

Kürzlich gab es große Aufregung um Sarah Connors Lied „Vincent“, das etwa „Antenne Bayern“ aus Jugendschutzgründen kürzte. Wegen der Textzeile „Vincent kriegt kein’ hoch, wenn er an Mädchen denkt“. Hätten Sie das Lied ungekürzt gesendet?

Schneider: Die Entscheidung, ob das Lied mit dieser Textzeile zum Sender passt oder nicht, ist allein Sache der Programmverantwortlichen.

Sarah Connor: Über ihr Lied „Vincent“ wurde heftig diskutiert.
Bild: Ralf Lienert

Was hat Ihnen die Debatte um den Song gezeigt?

Schneider: Themen rund um Sexualität in den Medien beschäftigen Eltern. Wir wissen aus zahlreichen Bürgerbeschwerden: Für viele Eltern ist es eine Herausforderung oder auch ein Ärgernis, wenn sie im Tagesprogramm – beispielsweise ihres Lieblingssenders – mit entsprechenden Inhalten unvermittelt und zusammen mit ihren Kindern konfrontiert werden. Daher ist es gut, wenn Sender mit solchen Inhalten sensibel umgehen.

Zur Person Siegfried Schneider ist seit Oktober 2011 Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, kurz BLM. Diese genehmigt und beaufsichtigt als eine von 14 Landesmedienanstalten in Deutschland die privaten Hörfunk- und Fernsehangebote in Bayern. Schneider wurde 1956 in Oberzell im oberbayerischen Landkreis Eichstätt geboren. Für die CSU war er zwischen 2005 und 2008 Bayerischer Staatsminister für Unterricht und Kultus und anschließend bis März 2011 Leiter der Bayerischen Staatskanzlei. Mit der Funkanalyse Bayern, einer umfangreichen Studie, werden einmal im Jahr die Reichweiten aller Hörfunk- und Fernsehveranstalter sowie die Internetnutzungszahlen erhoben. Sie wird am Dienstag, 2. Juli, in Nürnberg vorgestellt.

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