Eigentlich wollte die bekannte Dressurreiterin Ulla Salzgeber nichts mehr mit ihrem Anwesen in Bad Wörishofen zu tun haben – um Nebenkosten, Grundsteuer und Versicherung sollten sich deshalb auch die Mieter kümmern, die im Dezember 2011 einzogen. Fast zweieinhalb Jahre später muss die zweifache Mannschafts-Olympiasiegerin nun genau wegen dieses Hauses vor Gericht als Zeugin aussagen. Denn in ihrem Anwesen im Unterallgäu haben zwei Männer im Mai vergangenen Jahres, wie berichtet, einen Brand gelegt und wurden gestern dafür verurteilt. Sie hatten einen Auftrag. Im Verdacht, diesen erteilt zu haben, stehen die Mieter des Anwesens: eine Heilerin sowie deren Mann und Sohn.
Vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Memmingen wurde gestern deutlich, wie lange es schon zwischen der Vermieterin und ihren Mietern knirscht. Eigentlich hatte die Familie der Heilerin in dem Anwesen „probewohnen“ wollen, um es gegebenenfalls später zu kaufen, sagte Ulla Salzgeber. „Plötzlich drehte sich das in eine andere Richtung.“ Bereits im ersten Jahr hätten die Heilerin und ihre Familie die Miete nicht mehr vollständig bezahlt – wegen angeblicher Mängel. Die Mieter hatten die Summe wohl eigenständig gesplittet: 1400 Euro für die im Anbau liegende Praxis hätten sie immer bezahlt, so Salzgeber. Anders sah es ihrer Aussage zufolge es bei den restlichen 1100 Euro für das Wohngebäude aus.
Zutritt zu den Rämuen verwehrt
Wie die Dressurreiterin schilderte, hätten ihr die Heilerin und ihre Familie sogar den Zutritt zu einigen Räumen verwehrt. Die Tür sei zu gewesen, sagte Salzgeber, „weil ich ein schlechtes Karma habe“. Ihren Worten zufolge laufen noch immer drei Prozesse gegen die Familie.
Brisant an Salzgebers Aussage war vor allem die Beschreibung einer Wohnungsbesichtigung mit Interessenten im Mai 2013 – also nur kurze Zeit vor dem Brand am Ende des Monats. Es sei schon sehr schwierig gewesen, einen Termin mit den Mietern zu bekommen. Als sie aber zahlreiche Umzugskartons im ganzen Anwesen herumstehen sah, dachte Salzgeber, die Familie würde von selbst gehen. „Es sah so aus, als wollten die raus.“ Sie habe die Heilerin aber nicht auf die Kartons angesprochen. „Ich habe irgendwann beschlossen, nicht mehr mit der Familie zu reden.“ Diese hat einen Brandschaden von rund 100000 Euro geltend gemacht.
Die drei Angeklagten entschuldigten sich bei der Dressurreiterin für ihre Tat. „Ich nehme das zur Kenntnis“, lautete die knappe Antwort Salzgebers. Der Verteidiger des Jüngsten überreichte ihr einen Scheck in Höhe von 47059 Euro – der Summe, die laut dem Sachverständigen der Versicherung zur Wiederherstellung nötig sei.
Heilerin unter Verdacht
Auch die Heilerin selbst, ihr Mann und ihr Sohn erschienen am Freitag vor Gericht. Weil aber gegen sie ein Verfahren läuft, in dem sie verdächtigt werden, den Auftrag zur Brandstiftung erteilt zu haben, machten sie von ihrem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch, um sich nicht selbst zu belasten. Dass sie bereits seit Sommer als Beschuldigte geführt wird, quittierte die 51-jährige Heilerin mit einem Schulterzucken. Auf Nachfragen von Richterin Brigitte Grenzstein beschrieb die Frau mit leiser Stimme ihren Lebenslauf von der gelernten Konditorin bis zur Heilerin. Ein Wahrsager habe ihr einst ihr Können prophezeit. „Ich habe keine Ausbildung“, so die Heilerin. „Das ist eine Gabe von oben.“ Sie habe ihrem Mann zunächst bei Schulterproblemen die Hände aufgelegt und immer häufiger im Bekanntenkreis geheilt, bis sie schließlich eine Praxis eröffnet habe: „Dann habe ich gewusst, dass ich das wirklich kann, dass es keine Zufälle sind.“
Ihr 65-jähriger Ehemann, ein gelernter Heizungsbauer, bezeichnete sich selbst ebenfalls als Heiler. Schon als Kind habe er den Drang zum Helfen gehabt, „das hat sich immer weiterentwickelt“. Seine Kinder seien deshalb gehänselt und angespuckt worden, sagte er. Es sei kein leichter Weg gewesen.
Leichter dürfte es für die Familie auch in Zukunft nicht werden. Zwar machten die Brandstifter, die die Polizei der Rockergruppe „Black Jackets“ zuordnet, keine Angaben über ihre Auftraggeber. Dennoch hat die Staatsanwaltschaft die Mieter in Verdacht. Die beiden Angeklagten, die das Feuer gelegt haben, wurden zu drei Jahren und sechs Monaten sowie zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Der Dritte, der Schmiere stand und die beiden bei der Explosion schwer verletzten Angeklagten zum Autohof gebracht hat, bekam ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung.