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München

02.09.2020

Corona-Hilfe für Wirte: Weniger Parkplätze, mehr Dolce Vita

Die Gäste von Wirtin Petra Friedrich konnten es sich in den vergangenen Wochen im Schanigarten der Kneipe gemütlich machen.
Bild: Tanja Ferrari

Plus Um den Wirten zu helfen, hat die Stadt München hunderte Parkplätze gesperrt. Doch das Ende des Sommers ist nah – und die Sorgen der Gastronomen werden wieder größer.

Buchtenbars, Terazzini, Fress- und Saufpaletten, Parklett oder Schanigärten – die zusätzlichen Bewirtungsflächen, die derzeit an vielen Ecken in München entstehen, haben viele Namen. Holzpaletten, ein paar Blumen, Strohmatten – und schon ist aus einem Parkplatz eine kleine Oase geworden.

Es ist ein Konzept, das aus der Not heraus geboren wurde. Rund 950 Stellplätze hat die Stadt bis Ende September gestrichen, damit Gastronomen darauf einen Bewirtungsbereich aufbauen können. Die über 4000 zusätzlichen Sitzplätze verteilt in ganz München sollen ihnen dabei helfen, die Umsatzeinbußen in der Corona-Pandemie über die Sommermonate zu kompensieren. So der Plan. Doch wie kommen die bunten Gärten bei Anwohnern, Autofahrern und Gästen an?

 

Stefan Oelze vom Restaurant La Kaz im Münchner Stadtteil Schwanthalerhöhe ist stolz drauf, als einer der Ersten im Viertel seinen Schanigarten eröffnet zu haben. Als er von der Option erfuhr, zögerte er nicht lange.

Sie entstehen an allen Ecken in München: Schanigärten. Auch das Restaurant La Kaz hat einen aufgebaut.
Bild: Tanja Ferrari

Anfang Mai reichte der Wirt, der seit siebeneinhalb Jahren das Lokal betreibt, seinen Antrag ein. Drei Tage später fand eine Ortsbesichtigung statt. Die Genehmigung gab es prompt. Doch bevor er mit der Gestaltung loslegen konnte, musste Oelze Parkverbotsschilder aufstellen lassen.

Am Anfang war die Unsicherheit groß

Dabei war Geduld gefragt: "Immer wenn ein Auto weggefahren ist, habe ich die Chance genutzt und sofort etwas reingestellt", sagt der Chef. Dieses Vorgehen hatte ihm allerdings Ärger mit der örtlichen Polizei eingebracht. "Die Beamtin wusste noch gar nichts vom Beschluss und musste sich erst bei ihrem Chef rückversichern", erklärt er und lacht. Das Missverständnis war schnell aufgeklärt und die Polizei half ihm anschließend sogar den einzig übrig gebliebenen Autofahrer ausfindig zu machen.

 

Nur eine Kreuzung weiter hat Petra Friedrich, die Betreiberin der Westendmaus, einen neuen Sitzbereich eröffnet. Damit sich die Gäste so nahe an der Straße auch wohlfühlen, hat die Münchnerin bunte Blumenkästen an den Tischen angebracht. Nebenan schließt der Bereich von Tran Linh an. Der junge Mann, der 2016 den Burgerladen King Loui eröffnete, hatte seinen Restaurantbereich im Freien schon nach Pfingsten erweitert. Einen Namen hat die zusätzliche Fläche bei ihm nicht. Das Wort Schanigarten hört er zum ersten Mal: "So heißt das also", stellt er erstaunt fest. Aus Paletten hat der junge Chef ein Podest geschraubt. Die Seitenwände hat er mit Strohmatten und Blumen verziert.

 

Nicht nur bei den Gästen auch bei den Nachbarn seien die neuen Gastro-Inseln gerne gesehen. Beschwerden verzeichnete die Stadt nach den ersten Wochen kaum. Einzige wegfallenden Parkplätze mögen das ein oder andere Gemüt erhitzen. Beim Referat für Stadtplanung und Bauordnung fällt die Reaktion jedoch gelassen aus. Temporäre Einschränkungen, teilt das Amt mit, gebe es in einer Großstadt immer durch Baustellen oder Veranstaltungen. Die Parkplatzsuche durch Besucher sei durch Corona ohnehin zurückgegangen. Und auch die Nachfrage durch Anwohner sei in den Urlaubsmonaten geringer.

Gaststättenverband: Noch keine Entwarnung für Wirte 

Welche Konzepte sich tatsächlich über den Sommer hinaus beibehalten ließen, müssten Wirte erst noch in Erfahrung bringen, sagt Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. Kommunen sollten sich unbedingt austauschen. Das sei ein wichtiger Schritt auch in Bezug auf die öffentlichen Hotspots, wie beispielsweise in der Münchner Gärtnerstraße oder am Isarufer. Ein Alkoholverbot in der Stadt, wie es zuletzt beschlossen und am Dienstag vom bayerischen Verwaltungsgerichtshof aufgehoben wurde, sei keine Lösung. Stattdessen könnte die Wiedereröffnung von Schankwirtschaften mit angepassten Hygienekonzepten hilfreich sein. Die erwartete Pleitewelle sei bislang ausgeblieben, doch Entwarnung gibt es nicht: "Die Situation bleibt prekär, sobald die zusätzlichen Plätze wieder wetterbedingt wegfallen."

Wie es im Herbst weitergeht, fragt sich auch Daniel Richter, der den Salon Irkutsk im Bezirk Schwabing West betreibt. "Im Innenraum haben wir durch die Corona-Regeln nur fünf Tische", sagt er.

Vor der Pandemie war die Außenbestuhlung auf eine Fläche mit einer Breite von nur 63 Zentimeter beschränkt. Zu den ursprünglichen drei Tischen haben sich inzwischen jedoch sechs weitere dazugesellt. Bei den Anwohnern kommt die kleine Oase an der Straße gut an. Damit es keine Beschwerden hagelt, hatte Richter rechtzeitig per Aushang informiert und die Öffnungszeiten am Abend angepasst.

Auch beim Salon Irkutsk im Bezirk Schwabing West gibt es einen neuen Außenbereich.
Bild: Tanja Ferrari

Auf den neuen Bereich ist der Chef stolz. Kein Holzkonstrukt, sondern Stahl. Ein Hingucker sollte der kleine Garten in der Isabellastraße werden. "Die Kosten durften wir nicht ganz außer Acht lassen", sagt er. Da die Gastro-Inseln Ende September vermutlich wieder verschwinden müssen, soll das ohne großen Aufwand gehen.

Zwischen den türkisfarbenen Hochbeeten zur Straße haben sich zwei befreundete Paare über die Getränkekarte des Salons gebeugt. Als die Wahl getroffen ist, dreht sich das Gespräch schnell um die neue Außenfläche: "Mit den kleinen Gärten überall in der Stadt wird München noch zu Berlin", sagt eine der Frauen begeistert.

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