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Interview

22.03.2018

Erol Sander - vom Messdiener zum TV-Kommissar

Erol Sander ermittelt in der ARD-Serie "Mordkommission Istanbul".
Bild: ARD/Degeto Gülnur Kılıç (dpa)

Schauspieler Erol Sander ist in Istanbul geboren, lebt aber in München. Josef Karg hat mit ihm über seinen Glauben, seine Kindheit, seine Heimat gesprochen.

Herr Sander, in "Mordkommission Istanbul“ nehmen Sie es als Kommissar Özakin mit Intrigen, Korruption und Mord in der Türkei auf. Ist diese Rolle für Sie etwas Besonderes?

Erol Sander: Ja, es ist tatsächlich etwas Besonderes. Also nach zehn Jahren ist das schon unglaublich. Ich habe ja meine Ursprünge, das Land, aus dem meine Mutter und mein Vater stammen, nicht gekannt. So habe ich die Türkei erst durch die Filme entdeckt, denn eigentlich bin ich ja Münchner.

Im heutigen Teil geht es um den Tod eines Top-Managers und der Verdächtige ist ein Bau-Tycoon und bis in höchste Kreise gut vernetzt. Das klingt ziemlich realistisch, oder?

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Sander: Das ist aber nicht nur in der Türkei realistisch, sondern in fast jedem Land. Denn es gibt gerade in der Immobilienbranche immer wieder schwarze Schafe. Denken Sie an die USA, als dort die Immobilienblase platzte. Aber es ist ein interessantes Thema.

Sie haben Politik studiert. Die Türkei ist wegen Ihres Staatschefs Erdogan politisch umstritten. Wie schätzen Sie die Lage am Bosporus ein?

Sander: Also, ich maße mir nicht an, über die Politik in der Türkei zu urteilen. Ich bin ja Schauspieler und für Unterhaltung zuständig.

Haben Sie angesichts der Terrorgefahr keine Angst beim Drehen in der Türkei?

Sander: Nein. Ich habe da keine Angst. Der Terror ist ja auf der ganzen Welt hochaktuell, auch in London, Paris oder Berlin. Ein Attentat kann nicht nur in Istanbul passieren. Und wir sollten uns von so radikalen Menschen nicht einschüchtern lassen.

Sie sind in Istanbul geboren, leben aber in München. Wo fühlen Sie sich daheim?

Sander: Zu Hause ist für mich Minga. Da bin ich aufgewachsen, hier fühle ich mich daheim. In der Türkei liegen meine Ursprünge, da kommen meine Mutter und mein Vater her. Ich kriege auch immer wieder Gänsehaut, wenn ich in der Türkei bin und das Land erlebe.

Sie sind mit fünf Jahren nach Deutschland gekommen. Welche Erinnerungen haben Sie an die erste Zeit in der Türkei?

Sander: Ach, ich habe da ganz gute Erinnerungen. Da waren der Onkel, die Omas, die Cousinen. Das war, so schätze ich, schon eine schöne Zeit. Aber da erinnere ich mich halt nur noch an die Lichtblicke.

Was sprechen Sie eigentlich besser: Türkisch oder Bayerisch?

Sander: Ich würde sagen: Bayerisch.

Sie waren auf einer Klosterschule am Chiemsee. Wie darf man sich das vorstellen?

Sander: Meine Mutter war alleinstehend, stand Vollzeit im Berufsleben und musste zwei Kinder durchbringen. Da war es naheliegend, Hilfe zu suchen. Sie wollte mich aber nur an jemand geben, zu dem sie auch Vertrauen hat. Und Klosterschwestern kann man vertrauen. Da war ich dann für zwei Jahre auf der Schule.

Sie waren zwei Jahre Ministrant.

Sander: Nein, nur ein Jahr. Und ich habe es auch nicht jede Woche gemacht. Wir waren damals abwechselnd an der Reihe. Die Schwester Paula, die sich um mich gekümmert hat, sagte mir damals: Du musst die gleichen Aufgaben übernehmen wie die anderen Kinder auch. So war ich plötzlich Messdiener. Ich habe das ausprobiert und es war schön.

Glauben Sie denn an Gott?

Sander: Ich glaube an keine Religion. Aber ich glaube, dass es einen Gott gibt, der das Gute für uns alle will. Es gibt ungezählte Theologen, die den Glauben an Gott auslegen. Denen möchte ich mich aber nicht anschließen. Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der über allen Religionen steht.

Wie gut kennen Sie sich eigentlich wirklich in Istanbul aus?

Sander: Heute kenne ich mich zumindest besser aus als vor elf Jahren (er lacht). In zehn Jahren Dreh für das Erste Deutsche Fernsehen in der Türkei kommt man auch in Gegenden, die man ansonsten nie gesehen oder erlebt hätte. Man kriegt diese ganzen kleinen Ecken und Kanten dieser Stadt mit ihren fast 18 Millionen Einwohnern mit. Da gibt es viel zu entdecken.

Was dürfen denn Touristen in Istanbul keinesfalls verpassen?

Sander: Natürlich die Hagia Sophia, das ist ganz wichtig. Und natürlich am Taksimplatz ein bisserl herumstreunen. Dann am Bosporus ein Schiff nehmen, mal richtig türkisch essen gehen. Einen Original-Döner, der hier Iskender heißt, beispielsweise. Der Erfinder davon hat hier ein Restaurant. Dann die Blaue Moschee, der Basar, ja, Istanbul ist eine wunderschöne orientalische Stadt, die man auch an einem Wochenende im Kurzurlaub erleben kann.

Und was sind Ihre Lieblingsplätze in München?

Sander: Der Englische Garten natürlich, die Altstadt. Ich liebe es, über den Marienplatz zu laufen. Im Sommer bin ich sehr gerne an der Isar. Dort ist es einzigartig. Da kann man mit dem Fahrrad in Richtung Berge fahren, und es ist herrlich zu sehen, wie das Wasser immer klarer wird.

Es heißt, Sie seien ein sehr sportlicher Mensch. Wahr oder nicht?

Sander: Ich war einer. Ich bin ja schon fast 50 und Sport mache ich auch noch. Aber nichts Besonderes. Die sieben Jahre in Bad Segeberg darf man nicht vergessen, als ich bei den Karl-May-Festspielen alle Stunts selber gemacht habe. Ich bin ruhiger geworden, aber es ist noch was da.

Sie waren Model und wurden lange Zeit auf ihr Äußeres reduziert. Passiert das immer noch?

Sander: Klar, beim Modeln geht es ja darum. Nach all den Jahren Schauspielerei glaube ich, nicht mehr auf das Äußere reduziert zu werden.

Erol Sander ist lediglich ein Künstlername. Eigentlich heißt der 1968 in Istanbul geborene Schauspieler Urçun Salihoglu. Im Januar wurde Sander wegen Drogenbesitzes zu einer Geldstrafe verurteilt. Ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt wurde eingestellt.

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