Das geht aus einer Forschungsarbeit des Juristen Enrico Brissa hervor, die die Bundeszentrale für politische Bildung anlässlich des 100. Geburtstags von Strauß am Sonntag veröffentlichte. Neu entdeckte Akten des einstigen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR sowie des Bundesnachrichtendienstes enthalten demnach "bislang unbekannte Hinweise auf eine mögliche nachrichtendienstliche Verbindung von Strauß zu den USA".
Die besten Zitate von Franz Josef Strauß
"Everybody's darling is everybody's Depp". So ließ sich Strauß über nach Aufmerksamkeit heischende Politiker aus.
"Man muss einfach reden, aber kompliziert denken - nicht umgekehrt." So beschrieb Strauß seine Ansichten zu einer gelungenen Rede.
"Es ist reizvoller, in Alaska eine Ananasfarm zu errichten, als Bundeskanzler zu werden." Das waren Strauß' Gedanken zu einer Kandidatur.
"Wenn's schon kein Hirn haben, dann halten Sie's Maul wenigstens. Dieses dämliche Gequatsche eines politisierenden Beatles. Sie Pilzkopf!" Mit Zwischenrufern bei seinen Reden und Wahlkampfveranstaltungen ging Strauß nie zimperlich um.
"Ich will lieber ein kalter Krieger sein als ein warmer Bruder." Mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften hatte Strauß so seine Probleme.
"Helmut Schmidt und ich kennen uns sehr gut. Wenn er mich anredet 'Alter Gauner' und ich sage 'Alter Lump', so ist das durchaus eine von gegenseitiger Wertschätzung und realistischer Kennzeichnung getragene Formulierung." Mit dem Altbundeskanzler Helmut Schmidt hatte Strauß stets ein gutes Verhältnis...
"Der wird nie Kanzler werden. Der ist total unfähig; ihm fehlen alle charakterlichen, geistigen und politischen Voraussetzungen. Ihm fehlt alles." ... mit Altkanzler Helmut Kohl dagegen weniger.
"Solange die Liberalsozialisten an der Regierung sind, kann ich nur sagen: Eher legt sich ein Hund einen Salamivorrat an, als dass die eine einmal eingeführte Steuer wieder abschaffen." Spitzen gegen die rot-gelbe Koalition unter Helmut Schmidt ließ sich Strauß selten nehmen.
"Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören - in ihre Löcher." Gegen Kommunisten und deren Sympathisanten wurde er noch deutlicher.
"Er schreibt, was ich denke, und ich denke, was er schreibt." Franz Josef Strauß war Herausgeber des "Bayernkurier". Chefredakteur Wilfried Scharnagl war da, wenn man Strauß' Zitat wörtlich nimmt, nur Beiwerk.
"In Bayern gehen die Uhren anders. Wenn in Bayern die Uhren wirklich anders gehen, dann haben wir, soweit die Politik es vermag, diesen Beitrag zur geistigen Führung unseres Landes geleistet, damit in Bayern die Uhren richtig gehen und nicht nach Zeitgeist jeweils verschieden eingestellt werden." Und die Liebe zu seiner Heimat Bayern drückte Franz Josef Strauß oft auf seine sehr eigene Art aus.
Im Archiv des BND und beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen stieß Brissa nach eigenen Angaben auf Dokumente, in denen behauptet wird, Strauß habe im Oktober 1944 geheime Unterlagen zur Luftverteidigung süddeutscher Städte, darunter Würzburg, an US-Agenten übergeben. Das Treffen von Strauß mit den Kontaktmännern des Office of Strategic Services (OSS) soll demnach im Schweizer Grenzort St. Margarethen stattgefunden haben. "Wäre dies zutreffend, müssten wichtige Kapitel der deutschen Zeitgeschichte überdacht werden", heißt es in dem Text.
Hinweise auf Spionagetätigkeit von Strauß
Die Hinweise auf eine Spionagetätigkeit von Strauß lassen sich laut Brissa letztlich zwar weder beweisen noch widerlegen. Der Präsident der Bundeszentrale, Thomas Krüger, hält die Dokumentation des Berliner Juristen, der bisher zu militärhistorischen Fragen geforscht hat, trotzdem für einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag. "Wir haben uns nach genauer Prüfung zur Veröffentlichung entschlossen, weil dem Bild einer zeitgeschichtlich wichtigen Person hier ein völlig neuer, bisher unbekannter Aspekt hinzu gefügt wird", sagte Krüger der "Welt am Sonntag". Brissas Dokumentation werde "Freunde und Gegner von Strauß gleichermaßen überraschen und beschäftigen".
Franz Josef Strauß wurde 6. September 1915 in München geboren. Von 1961 bis zu seinem Tod 1988 war er Vorsitzender der CSU. Strauß hatte diverse Ministerämter in der Bundesregierung inne und war von 1978 bis zu seinem Tod bayerischer Ministerpräsident. afp/AZ