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Gartentipp
06.10.2021

Warum Laub im Garten so wertvoll ist

Auf Rasenflächen sollte Laub tatsächlich entfernt werden. Doch gerade zwischen Pflanzen bildet es einen wertvollen Schutz.
Foto: Jens Schierenbeck, dpa

Viele Hobbygärtner stöhnen im Laufe des Herbstes über das viele Laub. Eine Expertin von der Bayerischen Gartenakademie hat Tipps, was man mit den Blättern tun kann.

Scheint die Sonne, ist die Farbenpracht fantastisch – Blätter verwandeln sich jetzt in bunte Meisterwerke, die jedem Spaziergang, jeder Wanderung, ja überhaupt jedem Aufenthalt im Freien einen besonderen Glanz geben. Doch manch Hobbygärtnerin und Hobbygärtner beginnt im Laufe des Herbstes auch über die Laubfülle zu klagen. Viele rechen dann einfach alles fein säuberlich zusammen und fahren es in den Wertstoffhof. Dabei gibt es viel sinnvollere Methoden, sagt Marianne Scheu-Helgert von der Bayerischen Gartenakademie, denn Laub ist kein lästiger Abfall, sondern ein echter Wertstoff für den eigenen Garten. Hier ihre Tipps:

Gartenlaub dient als Winterquartier für Igel

Winterquartier: Wer ein Plätzchen in seinem Garten hat, an dem nichts wächst, sollte einen Laubhaufen dort liegen lassen, damit Igel ein Winterquartier haben. Geeignet dafür findet Scheu-Helgert beispielsweise den Platz nahe eines Komposts oder hinter einem Gerätehaus. „Auch auf dem Teil des Gemüsebeets, das im Frühjahr nicht als erstes bearbeitet wird, kann man einen Laubhaufen liegen lassen.“ Der bayerische Landesbund für Vogelschutz rät dazu, den Laubhaufen für Igel mit ein paar Ästen gegen den Wind zu sichern. Und nicht nur Igel sind auf Ruhequartiere unter Blättern angewiesen, auch Insekten wie beispielsweise Marienkäfer oder Schlupfwespen überwintern dort.


So schützen auch die Experten auf der Insel Mainau die Rosen: Sie umgeben sie mit etwas Laub.
Foto: Marianne Scheu-Helgert/Bayerische Gartenakademie

Schutz: Laub hat auch eine sehr gute Schutzwirkung für empfindliche Pflanzen in den kälteren Monaten, betont die Expertin: Ob zwischen Rosen, Stauden oder Artischocken – eine etwa fünf Zentimeter hohe Laubschicht tut den Pflanzen gut. „Nur mehr sollte es zwischen den Pflanzen auch nicht sein“, sagt die Expertin, die auch zwischen Himbeer-, Johannisbeer- und Brombeersträuchern beispielsweise fünf Zentimeter Laub gibt. Gerade Pflanzen, deren natürlicher Lebensraum am Waldrand ist, fühlen sich mit einer Laubschicht wohl und gedeihten um so prächtiger. „Manche übertreiben es allerdings auch mit dem Laub“, warnt die Fachfrau, „es sollte kein Waldboden mit über zehn Zentimetern Blättern entstehen.“ Das ziehe Mäuse an, die sich in diesem Jahr ohnehin stark vermehrten. Im Übrigen schützt Laub auch noch vor etwas anderem: „Wo etwas Laub bewusst hingegeben wird, wächst kein Unkraut.“

Gartenlaub ist ein Nährstoffträger

Nährstoffe: Wer Laub einfach in Säcke füllt und in den nächsten Wertstoffhof fährt, dürfe nicht vergessen, dass er wichtige Nährstoffe aus seinem Garten davon fährt: „Laub ist ein Nährstoffträger“, erklärt Scheu-Helgert. „In der Natur gibt es keinen offenen Boden.“ Irgendetwas wächst dort immer, „ein kahler Boden ist ein unnatürlicher Zustand“. Und an Stellen, an denen Laub bewusst liegen gelassen wird, zersetzen sich die Blätter und reichern den Boden mit Humus an.

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Vogelfutter: „Zugespitzt könnte man sagen: Laub ist Vogelfutter“, so die Fachfrau. Denn der Zersetzungsprozess der Blätter findet mit Hilfe unzähliger Kleinstlebewesen statt, darunter auch Springschwänze, Milben und Zweiflüglerlarven. Das wiederum freut viele Vögel wie etwa das Rotkehlchen, aber auch Amseln. Man kann oft beobachten, wie Vögel einzelne Blätter mit dem Schnabel umdrehen, um darunter Käfer oder Würmer zu finden.

Laubkompost: In großen Gärten mit vielen Bäumen passt nicht alles Laub zwischen Pflanzen und auf den normalen Kompost. In diesem Fall empfiehlt Scheu-Helgert einen eigenen Laubspeicher anzulegen: Mit einem Maschendrahtzaun, der leicht verbunden ist, lässt sich rasch ein Behältnis bauen, in dem zusammengerechtes Laub gesammelt werden kann. Zwischen die Laubschichten sollte Rasenschnitt oder anderes Häckselgut kommen, das für die Belüftung der welken Blätter sorgt. Auf diese Art und Weise entstehe bester Laubkompost.

Unordnung im Garten als Naturschutz-Beitrag

Rechen: Rasenliebhaber und natürlich auch Liebhaberinnen sollten darauf achten, dass auf ihrem gepflegten Grün keine Blätter liegen: „Gras ist lichtbedürftig“, erklärt die Gartenbauingenieurin. „Man sieht beispielsweise, wenn ein Zelt auf den Rasen gestellt wird, wie schnell das Gras gelb wird und abstirbt.“

Sicherheit: So schön es ist, durch raschelndes Laub zu laufen, Hausbesitzer müssen dafür Sorge tragen, dass auf ihrem Weg beispielsweise vor dem Haus kein Laub liegt, erinnert Scheu-Helgert. Gerade nasses Laub birgt Rutschgefahr.

Genuss: Naturliebende Hobbygärtner und -gärtnerinnen sollten gerade auch im Herbst nicht alles aufräumen, sondern bewusst eine verwilderte Ecke, einen Totholzstapel oder abgestorbene Pflanzen liegen lassen. Also ruhig Schere, Säge und Spaten mit gutem Gewissen zur Seite legen und die Spätsommersonne genießen, wenn sie da ist. Schließlich ist eine gewisse Unordnung ein wertvoller Beitrag für den Naturschutz.

Hilfe: Das Gartentelefon der Bayerischen Gartenakademie ist Montag und Donnerstag, jeweils von 10 bis 12 sowie von 13 bis 16 Uhr unter 0931/ 9801 3333 zu erreichen oder per Mail: bay.gartenakademie@lwg.bayern.de.

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