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Geburtstag Berta Hummel: Harte Zeiten für eine heile Welt

Geburtstag Berta Hummel

Harte Zeiten für eine heile Welt

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    Die Hummel-Figuren aus Rödental sind wieder auf der Erfolgsspur.
    Die Hummel-Figuren aus Rödental sind wieder auf der Erfolgsspur.

    Augsburg/Massing Mit der heilen Welt wäre es vor ein paar Monaten fast vorbei gewesen. Knapp hundert Jahre, nachdem Berta Hummel im niederbayerischen Massing ihren ersten Atemzug tat, stellte die fränkische Firma Goebel die Produktion ein. Über Jahrzehnte hinweg waren von dort aus die Nippesfiguren in alle Welt verkauft worden, denen die begabte Klosterschwester mit ihren Zeichnungen eine Vorlage lieferte. Als die Firma im Oktober die Produktion stoppte, schien es, als wäre damit für immer Schluss.

    Besonders in den USA zieren ihre Werke die Kaminsimse

    Doch Anfang des Jahres, rechtzeitig vor den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Künstlerin, nahte Rettung. Zur Freude der rund 40 Fanklubs in Deutschland und von geschätzt 130 000 Sammlern in den USA übernahm die Porzellanmanufaktur Rödental die Produktion der traditionellen Hummel-Figuren.

    Jetzt werden sie wieder hergestellt, die pausbäckigen Buben und kecken Mädchen aus bunt bepinselter Keramik, Kinderfiguren mit Charakter, aber vor allem mit glücklichen Gesichtern. Millionenfach verkauften sich die Hummel-Figuren in den vergangenen Jahrzehnten. Hunderttausende Begeisterte dekorierten ihre Kaminsimse mit den "typisch deutschen" Porzellanfigürchen, sammelten zum Vergnügen, zum Tausch und zum Handeln.

    Ob die Schöpferin und Namensgeberin dieses Kultes, das "Hummel-Bertl", darüber so glücklich gewesen wäre, ist fraglich. Überredet, ja fast gezwungen hatte die junge Frau werden müssen, damit sie ihr Einverständnis zur Produktion der Figuren gab. Denn zu der Zeit, als ein Vertreter der Firma Goebel mit seinem Anliegen und den ersten Modellen an ihre Tür klopfte, hatte sie sich schon für ein Leben in Abgeschiedenheit entschieden - war ins oberschwäbische Franziskanerinnenkonvent Sießen bei Saulgau gezogen und hatte sich die bodenlange schwarze Nonnenkutte übergezogen.

    Dass die Kohlezeichnungen, die sie dort als Fleißbildlein an brave Schüler verteilte, vermarktet werden sollten, passte nicht so recht in ihr künstlerisches Selbstverständnis. Die Altargemälde und Entwürfe für Priestergewänder, das war es, worauf Maria Innocentia, so hieß Berta nun, ihr künstlerisches Augenmerk richtete. Die Mutter Oberin aber, die das Sagen über dieses neue Leben hatte, sprach ein Machtwort - und traf so eine Entscheidung, die dem Kloster im Lauf der Jahrzehnte zu einigem Wohlstand verhelfen sollte.

    1934 startete die Produktion der Hummel-Kinder, und schon 1935, auf der Leipziger Frühjahrsmesse, entdeckten Sammler in den USA die langwimprigen Püpplein. Das war der Beginn der Massenproduktion. Mittlerweile seien einige der Exemplare "unverschämt teuer", gibt sogar der Neffe der Künstlerin, Alfred Hummel, zu. Bis zu 20.000 Euro kosten die seltensten Exemplare - wenn etwa ein sonst rotes Schürzlein blau bemalt oder ein sonst brauner Sattel rot ist, sind diese Einzelstücke besonders begehrt.

    Mit 3.500 verschiedenen Figuren ist die Sammlung im Hummel-Museum in Massing die größte weltweit. Vor 15 Jahren haben Alfred Hummel und seine Frau das Museum im früheren Elternhaus der Tante geschaffen. Persönlich kennengelernt hat der 66-Jährige seine berühmte Verwandte nie. Als sie starb, war er noch Kleinkind, und nur Bilder, die sie in ihrem Klosterkämmerlein von Fotos abzeichnete, beweisen, dass sie von seiner Existenz wusste.

    Alfred Hummel legt viel Wert darauf, dass die Ausstellung sich vor allem auch den Werken widmet, die Berta Hummel selbst am wichtigsten waren. Neben den Porzellankindlein sind dort deshalb vor allem die Bilder der Künstlerin zu sehen: Häuser, mit strengen Strichen in die Landschaften hineingesetzt, leichthändig und farbenfroh gepinselte Blumenmotive, hintergründige Porträts oder eben streng religiöse Bibelbebilderungen.

    Ihren Humor, das wird an diesen Werken klar, hat Berta nie ganz verloren - nicht als Maria Innocentia, nicht in den harten Jahren vor und während des Krieges, und selbst während der schweren Tuberkulose-Erkrankung nicht, die sie im Alter von nur 37 Jahren schließlich das Leben kostete. In all diesen so harten Jahren erschuf sie noch Karikaturen. Eine der letzten, die wohl im Krankenbett entstand, zeigt durch ein geöffnetes Fenster den Himmel - und eine kleine Hummel, die sich auf den Weg dorthin macht.

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