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Gesundheit: Offene Sprechstunden: Was die neue Regelung für Patienten bedeutet

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Offene Sprechstunden: Was die neue Regelung für Patienten bedeutet

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    Mitunter dauert es sehr lange, einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen. Eine neue Regelung soll das ändern.
    Mitunter dauert es sehr lange, einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen. Eine neue Regelung soll das ändern. Foto: Jens Wolf, dpa (Symbolbild)

    „Wegen Überfüllung geschlossen“ – dieses Schild muss Dr. Steffen Gass immer wieder an seine Praxistür hängen. Der Hautarzt bietet zusammen mit seiner Kollegin Dr. Erika Oblinger seit vielen Jahren Sprechzeiten ohne einen Termin an. Im zweiten Stock in einem Haus am Marktplatz in Günzburg ist seine Praxis. Dort erlebt er es immer wieder, dass sich an den Tagen, an denen er die offene Sprechstunde anbietet, eine Warteschlange bis hinunter zum Gehsteig bildet. „Da warten dann oft geschätzt 70 Leute. Das schaffen wir irgendwann nicht mehr. Wir müssen dann das Schild ,Wegen Überfüllung geschlossen‘ raushängen. Viele Patienten müssen wir dann leider auch wieder wegschicken.“

    Was Gass und seine Kollegin längst anbieten, wird für andere nun Pflicht: Viele Fachärzte wie Augen-, HNO-, Frauen- oder Hautärzte müssen ab September mindestens fünf offene Sprechstunden in der Woche für neue Patienten oder Patienten ohne Termin anbieten. Dies besagt ein Gesetz, das sich abgekürzt wie ein Sportverein anhört: das TSVG. Das Terminservice- und Versorgungsgesetz. Ziel ist es, Patienten beim nicht selten langen Warten auf einen Termin zu helfen.

    Gerade Facharzttermine sind zuweilen schwierig zu bekommen. Wie eine Befragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Frühjahr ergab, macht die Art der Versicherung keinen unerheblichen Unterschied bei der Wartezeit: 34 Prozent der Kassenpatienten mussten sich über drei Wochen gedulden, bis sie einen Facharzttermin bekamen, bei den Privatpatienten waren es nur 18 Prozent.

    Die Zeiten müssen veröffentlicht werden

    Künftig müssen nach Angaben von Martin Eulitz von der KVB, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, die Praxen die Zeiten veröffentlichen, in denen sie offene Sprechstunden anbieten. Auf dem Anrufbeantworter, am Praxisschild oder auf der Website. Auch auf der Internetseite www.kvb.de sollen die Zeiten aufgelistet sein.

    Fachärzte, die im Rahmen der offenen Sprechstunden neue Patienten behandeln, erhalten laut KVB eine Vergütung wie bisher, die aber nicht budgetiert werde. Haus- sowie Kinder- und Jugendärzte bekommen für eine erfolgreiche Vermittlung an einen Facharzt ab September rund zehn Euro extra.

    Für die Patienten begrüßt Gass die Neuerung: „Für sie sind offene Sprechstunden etwas Hervorragendes.“ Für die Ärzte allerdings nicht: „Das ist schon ein sehr starker Eingriff in die unternehmerische Freiheit.“ Zumal viele seiner Kollegen längst bis zum Anschlag arbeiteten. Neue Termine werden seiner Ansicht nach so nicht erzeugt. Die Terminkalender vieler seiner Hautarztkollegen seien bis Februar 2020 voll. „Oft wird anderen Patienten abgesagt werden müssen, um die offenen Sprechstunden anbieten zu können“, befürchtet Gass, der auch regionaler Vorstandsbeauftragter der KVB Schwaben ist. Zumal die Arbeit gerade der Hautärzte zuletzt stark zugenommen hat: So gebe es deutlich mehr Hautkrebserkrankungen und damit auch mehr Operationen.

    Aber auch die Ansprüche der Patienten sind nach Einschätzung von Gass deutlich gestiegen: „Viele Menschen wollen einfach sofort zum Facharzt, auch wenn die Beschwerden keineswegs bedrohlich sind.“ Mit dem Gebrauch von Google, wo viele Symptome sofort einen Verdacht auf Krebs ergeben, nehme dieser Trend noch zu.

    Für den erfahrenen Hausarzt Dr. Jakob Berger, der in Herbertshofen im Landkreis Augsburg praktiziert, gibt es für die Terminprobleme beim Facharzt nur eine Lösung: „Es sollte einen Koordinator geben und das sollte der Hausarzt sein.“ In der Realität laufen seiner Meinung nach viele Patienten einfach zu einem Facharzt und sind dann oft auch noch beim falschen, weil sie ihre Beschwerden gar nicht richtig einschätzen können. So würden Arztzeiten auch grundlos blockiert werden und unnötige Kosten entstehen.

    Neue Patienten sind aufwendig

    Auch Dr. Andreas Hellmann ist dafür, dass Haus- und Fachärzte eng kooperieren. „Die Zahl der Arzt-Patienten-Kontakte ist in Deutschland gigantisch.“ Der Internist und Lungenspezialist, der in einer Gemeinschaftspraxis am Augsburger Diakonissenkrankenhaus arbeitet, begrüßt aber das TSVG – „weil es endlich in die richtige Richtung geht“. Bei Notfällen, wie Brustschmerzen, Blut im Auswurf oder plötzlicher Atemnot kann schon immer jeder ohne Termin in die pneumologische Praxis kommen.

    Denn ihm ist wichtig, dass die Patienten, die schnell einen Arzt brauchen, auch sofort Hilfe erhalten. „Die jetzige Struktur halte ich für patientengefährdend.“ Denn seiner Einschätzung nach werden Patienten oft immer wieder einbestellt, neue Patienten mit akuten Beschwerden aber bekommen oft keinen Termin oder erst nach längerer Wartezeit.

    Hinzu komme, dass neue Patienten für behandelte Ärzte oft sehr aufwendig sind, die pauschalierte Vergütung für jeden Patienten aber gleich sei. Den Grund für das Terminproblem sieht Hellmann in der „dysfunktionalen“ Honorierung der Ärzte, will heißen: Nach Hellmanns Meinung müssten Ärzte für die Problemlösung eines Patienten honoriert werden und nicht nach der Menge irgendwelcher Leistungen, deren Menge auch noch gedeckelt sei.

    Auch die Quartalsintervalle bei der Abrechnung sind für Hellmann Unfug, weil sich die Behandlung von Krankheiten nicht in drei Monatsschritten fassen lässt. Die nun bessere Honorierung für verschiedene Patienten – also etwa für Hausarzt-Notfallpatienten oder Patienten in der offenen Sprechstunde – sei zwar „in der Tat ein kaum akzeptabler Eingriff in die Gestaltungshoheit eines Praxisinhabers“, den Ansatz aber findet Hellmann richtig.

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