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Hochzeit: An diesen Orten geben sich Verliebte in Bayern das Jawort

Hochzeit

An diesen Orten geben sich Verliebte in Bayern das Jawort

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    Ein chinesisches Brautpaar posiert vor dem Schloss Neuschwanstein bei Hohenschwangau auf einer Pferdekutsche für die Fotografen.
    Ein chinesisches Brautpaar posiert vor dem Schloss Neuschwanstein bei Hohenschwangau auf einer Pferdekutsche für die Fotografen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

    Immer mehr Paare schließen in Bayern den Bund fürs Leben. Die Zahl der Hochzeiten stieg nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik in den vergangenen Jahren fast durchgehend an. Auf 1000 Einwohner gerechnet gaben sich 2011 noch 4,7 Paare das Ja-Wort - 2017 waren es 5,2 Paare. "Man sieht einen Aufwärtstrend", sagte eine Mitarbeiterin des Landesamtes. 

    Am meisten wird den Zahlen zufolge in Schwaben geheiratet. Dort waren es 5,5 Paare, gefolgt von der Oberpfalz mit 5,4 Paaren. Oberbayern, bei Auswärtigen beliebt wegen seiner vielen romantischen und ungewöhnlichen Orte für die Eheschließung, bildete dennoch das Schlusslicht: 5,0 Paare auf 1000 Einwohner. Zu den Hochzeitshochburgen zählt hier die Zugspitze. Aber auch der Tegernsee und der Königssee locken Hochzeitspaare auch aus anderen Regionen Deutschlands und anderen Ländern an.

    An diesen außergewöhnlichen Orten in Bayern geben sich Menschen das Jawort

    Es ist angeblich der schönste Tag im Leben. Manche finden auch, es ist der stressigste - und andere fragen sich, ob danach nichts Schöneres mehr kommt. Wie auch immer: Die Hochzeit ist ein besonderes Ereignis. Entsprechend außergewöhnlich soll für viele der Ort sein, an dem die Partner mit immerhin weitreichenden Konsequenzen Ja sagen.

    Auf dem höchsten Berg Deutschlands heiraten

    Auf Deutschlands höchstem Berg schnüren Paare schon mal die Bergstiefel, anstatt in Pumps oder Slipper zu schlüpfen. Einmal im Monat fährt ein Standesbeamter aus Garmisch-Partenkirchen hinauf auf die Zugspitze (2962 Meter), um einige Paare zu trauen. "In der Regel versuchen wir, das auf sechs Brautpaare zu beschränken", sagt Hermann Gerg, Leiter des Standesamtes Garmisch-Partenkirchen. Eine Zeitfrage: "Es muss ja einer rauffahren - und der ist dann den ganzen Tag unterwegs."

    Etwa 60 Paare, darunter auch gleichgeschlechtliche, heiraten jährlich in fast 3000 Meter Höhe. Sie kommen aus ganz Deutschland - nur Garmischer sind "die große Ausnahme". Frühestens sechs Monate im Voraus können Termine gebucht werden. "Oft sind sie schon am ersten Tag voll, wenn wir die Reservierung entgegennehmen." In den Wintermonaten sind die Chancen besser, dann ist der Andrang nicht ganz so groß. "Wir haben schon Leute oben gehabt, die im Skianzug heiraten - und danach zum Skifahren gehen."

    Nina Attinger und Johannes Hainzl posieren vor ihrer standesamtlichen Trauung auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze. Im Hintergrund ist die Kapelle auf dem Platt zu sehen.
    Nina Attinger und Johannes Hainzl posieren vor ihrer standesamtlichen Trauung auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze. Im Hintergrund ist die Kapelle auf dem Platt zu sehen. Foto: Frank Mächler, dpa

    Am Tegernsee wohnt, wer Geld und Namen hat - und Heiraten dort boomt. 375 Ehen wurden 2018 im Rathaus der Stadt Tegernsee geschlossen - fast vier Mal so viele wie noch acht bis zehn Jahre zuvor, wie der Geschäftsleiter der Stadt Tegernsee, Hans Staudacher sagt. Nur etwa ein Dutzend der Paare stamme tatsächlich aus dem Ort. Das Rathaus liegt malerisch am See, der Schiffsanlegesteg ist direkt am Haus - und von München ist man in einer knappen Stunde da. "Es hat sich herumgesprochen, dass es schön ist, hier zu heiraten." Wer sich dieses Jahr in Tegernsee trauen lassen will, muss sich sputen. "Bis September, Oktober sind unsere Termine ausgebucht." Und damit wird es auch an den Schnapsdaten 9. und 19.9.2019 eng: "Das sind gefragte Termine."

    Hochzeit im Märchenschloss

    Als Märchenschloss ist Neuschwanstein weltweit bekannt. Kein Wunder, dass auch in fernen Ländern davon geträumt wird, in den prunkvollen Gemächern wie Prinz und Prinzessin zu heiraten. Der Traum platzt spätestens, wenn Paare erfahren: Im Schloss Neuschwanstein herrscht Hochzeitsverbot. Die Schauräume dienen ausschließlich als Museum. Mehr als eine romantische Fotokulisse von außen ist nicht drin. Das Füssener Standesamt organisiert aber Vermählungen in umliegenden Sehenswürdigkeiten, wie auf Schloss Bullachberg, Kloster Sankt Mang oder Hohes Schloss Füssen.

    Von Mai bis August habe man am meisten zu tun, sagt Standesamtsleiter Andreas Rösel. Und: kurz vor Jahresende. "Dezember ist einer unserer stärksten Monate. Dann heiraten alle, die steuerrechtlich noch die Kurve bekommen wollen", erklärt Rösel.

    Chinesische Brautpaare posieren vor dem Schloss Neuschwanstein bei Hohenschwangau für die Fotografen.
    Chinesische Brautpaare posieren vor dem Schloss Neuschwanstein bei Hohenschwangau für die Fotografen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

    Etwa 250 Eheschließungen pro Jahr gibt es in der Kleinstadt, die sich selbst als "romantische Seele Bayerns" bezeichnet. Knapp 70 Prozent kommen nicht aus dem Landkreis, sondern aus dem Münchner, Stuttgarter und hessischen Raum sowie Österreich, Italien, Bulgarien und Ungarn. Vertreten sind zudem Pakistaner, Nigerianer, Brasilianer, Israelis, Japaner und weitere Länder. Die Vermählungen führt das Standesamt stets auf Deutsch durch - Liebe kennt ja ohnehin keine Sprache.

    Wasserschloss, Kloster oder Festung: Wo man überall heiraten kann

    Umgeben von einem Wassergraben und mitten im Grünen gelegen: In Oberfranken zählt das Wasserschloss Mitwitz im Landkreis Kronach zu den Romantik-Hotspots - auch wenn es im Vergleich zu anderen Orten eher als Geheimtipp durchgeht. Das Standesamt verzeichnete nach Angaben einer Sprecherin der Verwaltungsgemeinschaft Mitwitz im vergangenen Jahr 28 Trauungen - zehn Paare gaben sich im Wasserschloss das Jawort. Darunter war nur ein einheimisches Paar. Im Markt Mitwitz leben knapp 3000 Menschen.

    Im Kloster Seeon, wo seit 2017 die CSU-Landesgruppe in Klausur geht, geben sich alljährlich etwa 120 Paare das Jawort. Auch hier ist ein kleiner Bruchteil einheimisch, 16 bis 20 Paare etwa, schätzt die Leiterin des Standesamtes Seeon-Seebruck, Daniela Straßer. Dafür kommen die Ehewilligen teils von sehr weit her: Spanier, Italiener, Brasilianer und Chinesen heirateten schon in der ehrwürdigen Klosteranlage mit ihrem gotischen Gewölbekeller.

    Im Kloster Seeon können Heiratswillige sich das Jawort geben.
    Im Kloster Seeon können Heiratswillige sich das Jawort geben. Foto: Matthias Balk, dpa

    Das Standesamt hält für diese Fälle extra eine Liste von Dolmetschern bereit. Die Daten 9. und 19.9.2019 fallen flach - wegen Bauarbeiten kann derzeit nur freitags und samstags geheiratet werden, und die Schnapsdaten fallen auf Montag und Donnerstag.

    Sogar Hollywood hat schon ein Auge auf die Festung Rosenberg im oberfränkischen Kronach geworfen - sie diente einem Filmteam erst kürzlich als Drehkulisse. Kein Wunder, dass auch verliebte Paare dort gerne ihren besonderen Tag begehen. 2018 verzeichnete das Kronacher Standesamt 142 Eheschließungen, davon wurden 77 auf der Festung vollzogen. 54 der 142 Paare kamen von außerhalb. Trauungen auf der Festung werden seit 2000 angeboten, wie ein Sprecher der Stadt sagte. Seitdem geht die Zahl kontinuierlich nach oben.

    Über der Stadt mit einem Blick über Nürnbergs Dächer thront die mittelalterliche Kaiserburg - dem Nürnberger Standesamt zufolge ein Renner unter den Hochzeits-Locations. Die Plätze sind begrenzt, nur an 13 Terminen sind Eheschließungen im Jahr 2019 möglich. Im Vorjahr entschlossen sich für die Trauung im Herzen Nürnbergs 84 Paare.

    Hell erleuchtet ragt der Sinwellturm der Kaiserburg in Nürnberg hinter der Kulisse der Stadt hervor.
    Hell erleuchtet ragt der Sinwellturm der Kaiserburg in Nürnberg hinter der Kulisse der Stadt hervor. Foto: Daniel Karmann, dpa

    Ähnlich sieht es beim Fembohaus aus, dem einzigen erhaltenen Kaufmannshaus aus der Spätrenaissance in Nürnberg. Letztes Jahr gaben sich im Trausaal mit barocker Stuckdecke und dunkler Holzvertäfelung an den Wänden 48 Paare das Jawort. Von den 14 Terminen, die das Nürnberger Tucherschloss 2019 anbietet, sind schon fast die Hälfte ausgebucht. Im Foyer des Sandsteinschlösschens mit Buntglasfenstern und Gewölbebögen heirateten letztes Jahr 103 Paare.

    Auf einer Insel im Königssee

    Wer in St. Bartholomä heiraten will, muss den Pfarrer selbst mitbringen - und für die Hochzeitsgesellschaft Boote buchen. Die Wallfahrtskirche St. Bartholomä am Königssee ist nur übers Wasser zu erreichen - und dort kann nur kirchlich geheiratet werden, obwohl das Gotteshaus dem Freistaat Bayern gehört. Meist gibt es unter zehn Hochzeiten im Jahr, viele Einheimische heiraten hier - sie bekommen einen ermäßigten Preis.

    Hannes Rasp, Bürgermeister der Gemeinde Schönau am Königssee, führte in St. Bartholomä vor etwa 25 Jahren seine Frau zum Altar. Seit vergangenem Herbst traut er selbst, freilich standesamtlich: seit Oktober gibt es im Rathaus von Schönau ein Trauzimmer, buchbar auch mit Sektgläsern und Sekt. "Wir hatten viele Anfragen, von Einheimischen und von Gästen."

    Lockt viele Ausflügler an: Das Königssee-Panorama mit Wallfahrtskapelle St. Bartholomä.
    Lockt viele Ausflügler an: Das Königssee-Panorama mit Wallfahrtskapelle St. Bartholomä. Foto: Ammon, dpa

    Fürstlich Heiraten in Amorbach

    Dann gibt es noch einen Ort in Bayern, der sich dem Namen nach wunderbar zum Heiraten eignen sollte: Amorbach. Neben dem Namen des kleinen Ortes im unterfränkischen Landkreis Miltenberg sind auch die Trauorte verheißend: eine Klosterruine, ein alter Eisenbahnwaggon und ein Fürstenhaus. Tatsächlich trifft Amors Pfeil in Amorbach offenbar besonders häufig.

    80 Trauungen gibt es laut Standesbeamtin Helga Drops pro Jahr. Bei rund 4000 Einwohnern wären gemäß dem Bundesdurchschnitt etwa 20 Trauungen normal. Tatsächlich kommt die Hälfte der Traupaare von außerhalb. Die Gründe sind laut Standesbeamtin Drops eher unspektakulär, beispielsweise die Möglichkeit für Samstagtrauungen. "Amorbach als Name spielt da weniger eine Rolle." Der Name geht auch nicht auf den Liebesgott zurück, sondern wahrscheinlich eher auf einen Flusslauf. (dpa/lby)

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