Das Internet wird wie kein zweites Phänomen mit einer vollkommen globalisierten Welt in Verbindung gebracht, aber wenn man genauer hinschaut, ist es manchmal auch nur ein Dorf: In einer repräsentativen Studie gaben 83,6 Prozent der Befragten an, sie suchten online bevorzugt nach Angeboten und Inhalten aus der direkten Nachbarschaft.
Das auf seine Identität schwörende Bayern versucht seit Jahren, das „Mir san mir“-Gefühl auch im Netz abzubilden. Jetzt endlich hat die amerikanische Internetverwaltung ICANN Adressen mit einer regionalen Endung erlaubt. Damit ist die Endung .bayern kein Wunschdenken mehr, sondern bald Wirklichkeit. „Diese neuen Adressen ergeben einen Sinn, weil sie helfen, die Marke Bayern im weltweiten Netz zu positionieren. Wir wären verrückt, wenn wir das nicht anpacken würden“, sagt Franz Pschierer (CSU), Finanzstaatssekretär und IT-Beauftragter der Staatsregierung. Die ersten Seiten könnten 2013 online gehen.
Mit Ausschreibung soll Betreiber gefunden werden
Allerdings will Bayern die neue Top-Level-Domain, so der Fachbegriff, nicht selbst verwalten. Pschierer: „Das ist nicht Kernaufgabe des Freistaats.“ Heute startet stattdessen eine Ausschreibung, mit der ein Betreiber für die .bayern-Adressen gefunden werden soll. Der Gewinner erhält ein Empfehlungsschreiben zur Vorlage bei der ICANN in Kalifornien. Die Bewerbungsgebühr, immerhin 185000 Dollar, muss das Unternehmen aus eigenen Mitteln aufbringen. Pschierer legt Wert darauf, dem privaten .bayern-Betreiber auf die Finger zu schauen. Das sichert zum einen ein Vertrag, in dem geregelt ist, dass zum Beispiel Datenschutz und -sicherheit gewährleistet sind oder dass keine Schmuddelseite die edle Endung .bayern tragen darf.
Zudem will die Staatsregierung in die Registrierungspolitik, etwa über einen Sitz in einem Beirat, eingebunden werden. „Unsere Interessen müssen hier gewahrt werden. Die Leute wollen, dass da, wo Bayern draufsteht, auch Bayern drin ist“, sagt Pschierer. Und noch eine Forderung stellt der IT-Beauftragte: Adressen für staatliche und kommunale Behörden, also etwa finanzministerium.bayern, sollen unbedingt kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Der Steuerzahler dürfe hierfür nicht aufkommen müssen.
Unklar ist derzeit, was eine schicke .bayern-Domain einmal kosten soll. „Ich gehe aber davon aus, dass sich das jeder Interessent auch leisten kann“, sagt Lothar Kunz von der Punktbayern GmbH, die bereits angekündigt hat, sich als Betreiber zu bewerben. „Das Ganze lohnt sich nur, wenn wir eine bestimmte Menge erreichen. Somit kann man keinen utopischen Preis ansetzen“, so Kunz. Heute verlangen Internetanbieter für eine eigene Webseite etwa mit .de-Endung oft nur einen zweistelligen Eurobetrag pro Jahr.
15600 .bayern-Adressen reserviert
Theoretisch kann sich schon jetzt jeder für eine .bayern-Seite vormerken lassen – allerdings völlig unverbindlich und ohne jede Erfolgsgarantie. Bei www.united-domains.de waren gestern Abend knapp 15600 .bayern-Adressen reserviert.
Privatleute müssen sich wohl etwas gedulden, bis sie mit einer eigenen Seite starten können. Internetdienstleister müssen erst entsprechende Geschäftsmodelle und Angebote entwickeln. Zunächst sieht Pschierer einen Schwerpunkt bei größeren Unternehmen, Organisationen oder Regionen. Manche behelfen sich derzeit übrigens mit der Endung .by. Die gibt es bereits im Internet. Sie steht aber nicht für Bayern, sondern für Belarus, Weißrussland.