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Bischöfe

01.01.2019

Kardinal Marx fordert Erneuerung der Kirche

Kardinal Reinhard Marx gibt sich selbstkritisch und reformwillig.
Bild: dpa

In ihren Silvesterpredigten äußern sich deutsche Bischöfe über den Missbrauchsskandal. Marx spricht von Reformen. Doch wird sich etwas ändern?

„Erneuerung“ ist eine hehre Forderung, ein schnell dahingesagtes Wort. Seitdem Ende September eine Studie zutage förderte, dass 1670 katholische Geistliche zwischen 1946 und 2014 3677 Kinder und Jugendliche missbraucht haben sollen, mangelt es nicht an großen Worten. So auch in den Silvesteransprachen und -predigten deutscher Bischöfe. Sie scheinen den Ernst der Lage erkannt zu haben.

Nur: Was bedeutet der Ruf nach Erneuerung, der auch von Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising sowie Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, kam? Marx sprach am Montag im Münchner Liebfrauendom vom Versagen der Kirche, „auf Herausforderungen und Missstände angemessen zu reagieren“. „Das gilt gerade für uns als Verantwortliche in der Kirche und besonders im Blick auf das ungeheure Geschehen des sexuellen Missbrauchs, das im Kern ein Missbrauch geistlicher Macht war und ist.“ Es gehe nun unter anderem „um die Rolle und Gestalt des priesterlichen und bischöflichen Dienstes“ und um „eine Kultur der Beteiligung, der Mitverantwortung, des Ernstnehmens aller Christinnen und Christen“, so Marx. Zudem brauche es „eine Vertiefung und Weiterentwicklung der Lehre der Kirche“.

Was damit gemeint sein könnte, blieb offen. Der Druck zu Veränderungen ist jedoch offenbar hoch. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke erklärte mit Blick auf den Missbrauchsskandal und den Finanzskandal in seinem Bistum die Bereitschaft zur bedingungslosen Aufklärung. „Zu lange hatten die Opfer kein Gehör gefunden und noch weniger Gerechtigkeit und Solidarität angesichts des ihnen zugefügten Leids“, sagte er in seiner Silvesteransprache.

Der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche hat weltweit die Glaubwürdigkeit der Institution erschüttert.
Bild: Evandro Inetti, dpa

Zur Selbstkritik haben die Bischöfe allen Grund. „Die katholische Kirche liegt am Boden und hat jegliches Vertrauen bei ihren Gläubigen verloren“, meint Kirchenrechtsprofessor Thomas Schüller von der Uni Münster. „Sie hat durch die Missbrauchsstudie den letzten moralischen Kredit bei ihren Gläubigen verspielt.“ Dass die Kirche tiefgreifende Reformen wie die Abschaffung des Pflicht-Zölibats oder das Aufbrechen streng hierarchischer Strukturen einleiten werde, glaubt er nicht. Dazu fehle ihr letztlich die Kraft. „Dies gilt auch für den einstigen Hoffnungsträger Papst Franziskus, dem Visionen und Mitstreiter in der Kirche fehlen, um wesentliche Veränderungen in der Kirche zu initiieren“, sagt Schüller.

Einer der wenigen katholischen Amtsträger, die das Ausmaß der Vertrauenskrise offen benennen, ist der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer. Er sagt: „Wenn inzwischen schon die engsten Mitarbeiter an unserer Kirche geradezu verzweifeln, dann ist es wirklich höchste Zeit, dass wir uns diesen grundsätzlichen Fragen ernsthaft stellen.“ Pfeffer hat den Eindruck, dass die Kirche diesen Fragen ausweicht. „Zum Beispiel sagen uns die Wissenschaftler: ,Eure Vorstellungen von Homosexualität entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.‘ Das wirkt wie eine Ohrfeige für unsere Sexualmoral.“ Die katholische Kirche betrachtet Homosexualität als Sünde. Just einen Tag nach Veröffentlichung der Missbrauchsstudie wurde bekannt, dass ein katholisches Gymnasium im Münsterland einen Lehrer abgelehnt hatte, weil er einen Mann heiraten wollte. So etwas können immer weniger Menschen nachvollziehen.

„Ohne Zweifel wird es die größte Herausforderung des kommenden Jahres und wohl noch darüber hinaus sein, das im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal verloren gegangene Vertrauen wiederzugewinnen“, sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer am Montag – und kritisierte zugleich: „Völlig kontraproduktiv ist das durchsichtige Vorhaben, den Missbrauch nun zu instrumentalisieren, um lange schon verfolgte kirchenpolitische Ziele jetzt durchzudrücken.“ (mit dpa)

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