Millionär verlost seine Villa in Tirol, um Gutes zu tun – es war ein Thema, das alle Medien interessierte. Der Österreicher Karl Rabeder fand damit im Jahr2010 in zahlreichen Fernseh-Talkshows Gehör und stand im Mittelpunkt vieler Reportagen. Auch in unserer Zeitung war – trotz aller Skepsis – zu lesen, was der damals 49-Jährige nach seiner Darstellung vorhatte.
Die Villa im Wert von mindestens 1,5 Millionen Euro in Telfs, unweit der bayerischen Grenze, war schließlich mit viel Glück für ein Los zum Preis von 99 Euro zu haben. Außerdem versprach Rabeder, mit dem Erlös die von ihm gegründete gemeinnützige Organisation „MyMicroCredit“ zu unterstützen. Nutznießer sollten Existenzgründer in Entwicklungsländern sein – laut der Homepage des Vereins vor allem in El Salvador und Nicaragua.
Er selbst werde nach der Verlosung der 320 Quadratmeter großen Villa in eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Innsbruck oder in eine Berghütte ziehen, sagte Rabeder damals. Seine zukünftige Bleibe habe nur den Zweck, zwei Rucksäcke mit dem Rest seiner Habe hineinstellen zu können. Denn wenn er nicht schlafe, wolle er sich draußen in der Natur aufhalten.
Die Verlosung fand statt und eine Bioladen-Betreiberin aus Bayern war die Gewinnerin der Villa. Rabeder selbst schrieb ein Buch, in dem er die Geschichte seines Wandels vom gestressten Geschäftsmann zum glücklichen Habenichts schildert – Grund genug, noch einmal nachzusehen, wie ein solcher Mensch jetzt lebt. Eine 19 Quadratmeter große Berghütte, nicht weit entfernt von einem Sporthotel, in dem Rabeder Seminare für Glückssucher abhält, war nun angeblich sein Zuhause.
Angeblich bescheidenes Leben
Der Besuch vor Ort ergab ein anderes Bild. Ein Ferienhaus neben einem Bauernhof, das Rabeder präsentierte, war offensichtlich nicht von ihm bewohnt. Die ganze Geschichte von dem angeblich jetzt so bescheidenen Leben des Ex-Millionärs entpuppte sich als Show. Unsere kritische Schilderung – eine der wenigen dieser Art – ergänzte die Erkenntnisse des Magazins Stern.In dreimonatiger Recherche konzentrierten sich Georg Wedemeyer und Stefan Linde auf die finanziellen Verhältnisse Karl Rabeders. Sie fanden heraus, dass dieser vor der Verlosung hoch verschuldet war. Wie viel Geld in soziale Projekte floss, ist undurchsichtig. Nachgewiesen sind laut Stern nur wohltätige Spenden in Höhe von 14886,20 Euro. (ela)
Fernsehen Das NDR-Medienmagazin Zapp berichtet heute um 23.20 Uhr über den Fall. Auch unsere Berichterstattung ist Thema des Beitrags.