Selbstbewusst sind sie, die Grünen. Bei der Klausur im Forum in Günzburg ist ein Stück Aufbruchstimmung zu spüren. „Wir haben eine historische Chance und wir glauben fest daran, dass es eine Mehrheit jenseits der CSU gibt“, sagt Landeschef Dieter Janecek. Es sind die jüngsten Umfragen, die den 35-Jährigen hoffen lassen. Die CSU liegt, sollte am Sonntag der Landtag gewählt werden, nur hauchdünn vor einem Dreier-Bündnis aus SPD, Grünen und Freien Wählern. „Unser Ziel ist ein Regierungswechsel in Bayern. Und daran arbeiten wir voller Eifer“, sagt die Fraktionsvorsitzende Margarete Bause.
Bause wird es wohl auch sein, die die Grünen als Spitzenkandidatin in den Landtagswahlkampf führt. Bestätigen wollte sie es zwar noch nicht, dementieren aber auch nicht. Am Samstag werde der Parteirat darüber diskutieren, betont sie. „Wir wollen das Thema in großer Einigkeit und Geschlossenheit besprechen.“ Vorsitzender Martin Runge sagte indes gegenüber unserer Zeitung, die Fraktion begrüße es, „dass Margarete Bause ihren Hut in den Ring wirft“. Die endgültige Entscheidung über die Spitzenkandidatur treffe jedoch die Landesversammlung der Partei.
Bause will eine andere Politik in Bayern. In der Wirtschaft, der Bildung. „Wir können nicht weitermachen wie bisher. Der Zenit ist überschritten“, sagt die 52-Jährige. Man müsse Mobilität in einem vernetzten System besser organisieren und dürfe nicht nur darauf setzen, mehr Autos zu bauen. Sie habe den Eindruck, so Bause, dass gerade die bayerischen Automobilhersteller „die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben“.
In der Bildungspolitik wollen die Grünen die Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem. Bause nennt es „weder kindgerecht noch leistungsorientiert“. Es werde vielmehr dazu führen, dass viele Schulen im ländlichen Raum „nicht zu halten sind“. Der bildungspolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Thomas Gehring (Oberallgäu), spricht von einem „sozial ungerechten System“ Die Landespolitik müsse die gesetzliche Voraussetzung für eine Gemeinschaftsschule schaffen. Gehring: „Wir wollen sie nicht von oben verordnen. Es muss vielmehr geprüft werden, welches Modell vor Ort die beste Lösung ist.“
Adi Sprinkart hält die Bildungspolitik allerdings nicht alleine für wahlentscheidend. „Ich glaube, die Leute spüren, dass Bayern ein frischer Wind gut täte.“ Der Allgäuer Abgeordnete erwartet nach der Landtagswahl 2013 eine Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern. „Wenn es rechnerisch die Möglichkeit gibt, wird sie auch umgesetzt.“ Sprinkart schließt zwar auch Schwarz-Grün im Freistaat nicht aus. „2013“, sagt er, „kommt jedoch noch zu früh.“
„Der Wahlkampf hat begonnen“, betont auch Christine Kamm (Augsburg). Die Grünen würden letztlich in der Regierungsverantwortung an ihren Versprechungen gemessen. „Wir haben jedoch auch in der Opposition bewiesen, dass wir gute Arbeit leisten.“ Für Landeschef Janecek steht fest, dass ein mögliches Dreier-Bündnis eine starke grüne Handschrift tragen müsse. „Wir werden deutlich machen, wo wir uns gegenüber SPD und Freien Wählern unterscheiden.“