Wer sich mit dem Anstieg der Fallzahlen im Bereich der Kinderpornografie beschäftigt, kommt schnell an einen Punkt, an dem er geneigt ist, das zu tun, was er bei so einem widerwärtigen Thema eigentlich nicht tun will: relativieren. Den einen Fall weniger schlimm finden als den anderen. Ist es doch ein Unterschied, ob ein pädophiler Mann tausende Bilder von missbrauchten Kindern besitzt und im schlimmsten Fall sogar selbst anfertigt, oder ob ein Jugendlicher in einem Chat auf ein dort kursierendes Bild klickt, ohne sich über die Folgen weitergehende Gedanken gemacht zu haben.
Die anfangs genannte Statistik nimmt diese Unterscheidung nicht vor und lässt demjenigen angst und bange werden, der bei Kinderpornografie in erster Linie an Pädophilie denkt. Nur ist das eben nur ein Teil der Wahrheit. Der andere Teil, der bei den jüngsten Zahlen offenbar die Mehrheit ausmacht, ist zumindest gefühlt weniger gefährlich und verzerrt damit das Bild.
Eltern sollten wissen, was ihr Kind am Handy macht
Am Ende bringt die Unterscheidung aber niemanden weiter, zumal die zwei Aspekte in mindestens einem Punkt direkt zusammenhängen: Die Polizei ist wegen der ansteigenden Zahlen mit den Ermittlungen im Bereich der Kinderpornografie heillos überfordert – und das ist die eigentlich dramatische Nachricht der Geschichte.
Nun ist es leicht – und dennoch nötig – zu fordern, dass der Staat seine Polizei personell aufrüstet, wenn es die Situation erfordert. Doch noch viel wichtiger wäre, dass mehr Eltern ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien beibringen. Und dazu gehört auch, zu wissen – manchmal zu kontrollieren –, was der Spross mit dem Handy treibt.
Lesen Sie dazu den Artikel: Klick in Abgründe: Weshalb die Fälle von Kinderpornografie sich häufen