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Konzert-Kritik: Konzert von "Muse" in Olympiahalle in München: Es ist Zeit zu gehen

Konzert-Kritik

Konzert von "Muse" in Olympiahalle in München: Es ist Zeit zu gehen

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    13.000 Fans feiern die britischen Spektakel-Rocker Muse in der Olympiahalle München.
    13.000 Fans feiern die britischen Spektakel-Rocker Muse in der Olympiahalle München. Foto: Paul Bergen, dpa

    Es gibt eigentlich nichts zu mäkeln. Das ist vielleicht das Schlimmste. Denn Muse liefern an diesem Donnerstag bei ihrem Stopp auf der "drones"-Welttournee in der rappelvollen Münchner Olympiahalle eben eine satte, zweistündige, typische Muse-Show ab. Die Bühne allein ist wieder ein Spektakel, diesmal rund und in der Mitte des Publikums - und doch ist die Band zugleich dank ausfahrbarer, halbtransparenter Tücher von projizierten Bildern und Effekten zu umringen und zu hinterfangen, so dass es wirken kann, als würden Matthew Bellamy an der Gitarre und Christopher Wolstenholm am Bass von riesigen Puppenspielerhänden gelenkt.

    Dazu schweben passend zum Thema des Album tatsächlich blinkende Kugeldrohnen über den Köpfen der Zuschauer und später kommen ja auch noch die Bälle und Konfetti- und Lametta-Kanonaden. Die Performance der Band ist professionell wie immer, Mat am Mikro ist wortkarg wie immer, aber seine Falsettstimme im Gesang ist dafür ja auch wie immer der Supereffekt des Abends. Alles wie immer. Wie seit 1999 eben. Wie bei dem mindestens einen Dutzend Konzerten, die ich von Muse schon erlebt habe.

    Und trotzdem ist diesmal alles anders. Denn danach weiß ich: Es wird mein letztes gewesen sein. Die jahrelange Leidenschaft ist tot - wo sie zuvor so herrlich glühte, schmerzt jetzt die Leere. Warum? Nicht etwa, weil der britische Heldendreier irgendwie enttäuscht hätte an diesem Abend: keine Zugabe zwar, zwischendurch immer mal wieder ziemlich diffuser Sound, nicht unypisch für eine Rundbühne, ebenso die drum herum eben nicht geballte Fanbegeisterung - alles geschenkt. Das Problem nämlich ist die Musik selbst.

    Muse liefert in München "das Übliche"

    Muse liefern an diesem Abend eine erwartbare Mixtur, vor allem aus den Alben "drones", "black holes & revelations" und "absolution". Dazu gibts Minihäppchen aus "2nd law", "resistance" und den beiden ältesten. Anhebend mit "psycho", endend mit "knights of cydonia", ein bisschen Tänzeln bei "dead inside", Luftgitarrespielen zum "stockholm syndrome", Hüpfen bei "time is running out", Singen zu "starlight". Das Übliche eben. Und natürlich können Bellamy und Konsorten dabei mit dem neuen Material selbstbewusst umgehen - ihr Wandel zurück zum Rock mit "drones" wurde sogar mit einem Grammy belohnt. Und man kann Songs wie "the globalist" ja wohl tatsächlich auch gut finden, den Choral zu "drones" vielleicht Muse-typisch opernpathetisch, das eingespielte Statement von John F. Kennedy über die großen Manipulationen wohl klug und engagiert. Bloß ich, ich versteh nicht, wie - ich finde das alles platt und doof.

    Matthew und seine Herren waren dabei wirklich mal ein ein Wunder für mich. Anfang 20 waren sie, da bewiesen sie mit den Alben "showbiz" und "origin of symmetry" das unmögliche: dass es eine Band exakt in der Mitte zwischen den Genies von Queen und Radiohead geben konnte. Und das mit einer Komplexität zwischen Pianoforte und E-Gitarrenbratze, mit wunderbaren Drums und pointiertem Bass und dann dieser fast vier Oktaven umfassenden Zauberstimme. Der Wahnsinn ist dann irgendwann milder und zu Pop geworden, aber hat mit "black holes & revelations" eine letzte große Oper gezeitigt. Was seitdem aber passiert, ist - und ich habe es bis zu diesem Abend lange fast vor mir zu verstecken vermocht - das reinste Selbstepigonentum.

    Und das Muse-Publikum in München? Es sitzt!

    Muse gießen ihre eigenen Rezepte immer wieder dünner neu auf, die Strickmuster werden dabei schmerzhaft fadenscheinig. Dafür breiten sie dann umso wuchtiger und eingängiger Parolen darüber aus. Das war auf "resistance" schon kaum noch zu ertragen - aber spätestens mit "drones" sind alle Dämme gebrochen. Und das wirkt eben auch rück, sodass mir heute die Phrasen von "uprising" auch wie Asche im Mund zerfallen. Und ebenso zerstören eben immer gleiche Gitarrensoli und immer gleiche Wechsel zwischen Melodie und Wucht auch die Originale dieses Rezepts von einst durch die heutigen Plagiate. So sind mit längst auch schon Songs wie "plug in" verleidet, jetzt sei es eingestanden.

    Aber bevor ich darum auch die anderen Geniestreiche auf "showbiz" und "origin of symmetry" noch verliere, lieber jetzt: Schluss mit Muse. Sie machen mir sonst alles kaputt, was sie mir je geschenkt haben. Bye, bye Matthew - und danke, schön war's. Wir treffen uns nur noch in der Vergangenheit fortan. "apokalypse please" also? Nein, lieber "escape!" Und dann: "new born"!

    Ach ja, das dann doch noch: Das Publikum auf Sitzplätzen ist an diesem Abend in München wirklich teils über ziemlich lange Zeit hinweg: gesessen! Zeit zu gehen.

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