Seit dem Schengener Abkommen sind Grenzen in Europa weitgehend frei passierbar. Außer in dem niederbayerischen Örtchen Haidmühle. Da scheinen die Uhren anders zu ticken. In Haidmühle hat Bürgermeister Fritz Gibis die Schranke an einer kleinen Straße ins direkt angrenzende Tschechien vorübergehend schließen lassen.
Diebesbanden mit Sperrung Fluchtweg abschneiden?
Die eigenwillige Aktion des Bürgermeisters sorgt derzeit für Aufsehen. Denn Bürgermeister Fritz Gibis, so heißt es zumindest, wolle mit der Sperrung der Straße osteuropäischen Diebesbanden den Fluchtweg abschneiden. In der kleinen Gemeinde gab es demnach eine Einbruchsserie mit hohem Schaden.
Gegenüber der Passauer Neuen Presse etwa sagte der rigorose Bürgermeister, dass der dringliche Wunsch, die Schranke an der Straße wieder abzusenken, aus der Bevölkerung an ihn herangetragen wurde.
Eigenwillige Aktion des Bürgermeisters macht Schlagzeilen
So manche tschechische Nachbarn scheinen von der Schranke aber alles andere als begeistert zu sein. Auch das wird berichtet. Überhaupt gibt es viele Schlagzeilen, die die kleine niederbayerische Gemeinde seitdem in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. "Bürgermeister sperrt Grenzübergang" - "Wirbel um Schlagbaum: Bürgermeister steht zu Entscheidung" - "Dieser Grenzübergang hat wieder einen Schlagbaum" - da sind nur einige Meldungen über Haidmühle und seinen Bürgermeister.
Dem Bürgermeister scheint es zu viel zu werden
Fritz Gibis wurde es nun doch etwas zu viel mit dem Medienrummel. Beim Anruf unserer Redaktion reagiert er ein wenig unwirsch angesichts der Berichterstattung über ihn und sein Dorf. "Ich habe keinen Grenzübergang gesperrt, sondern eine Gemeindestraße, die lediglich Fußgängern, Fahrradfahrern und genehmigten Fahrzeugen gewidmet ist", sagt er. Und dass nur besondere Fahrzeuge, etwa Rettungswagen, eine Genehmigung für diese Straße hätten, die direkt nach Tschechien führt.
In letzter Zeit habe der unzulässige Verkehr auf dieser Straße überhand genommen, weiß Gibis zu berichten. Und nur deshalb sei die Schranke wieder hingekommen. "Hier handelt es sich nicht um einen eigenwilligen Bürgermeister", schimpft er am Telefon.
Gibis betont, dass die Bürger von Haidmühle hinter ihm stünden. Außerdem sei die Schranke kein Schlagbaum. Und überhaupt werde niemand ausgesperrt. Fast trotzig klingt es, als er sagt: "Und wenn in dieser Zeit die Einbrüche zurückgehen, dann kann man das nur begrüßen."