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Literatur von Gerhard Polt: „Nix Gwieß woaß ma ned“

Literatur von Gerhard Polt

„Nix Gwieß woaß ma ned“

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    Gerhard Polt präsentierte gestern sein Interviewbuch.
    Gerhard Polt präsentierte gestern sein Interviewbuch.

    Viele halten ihn zusammen mit Karl Valentin für den Größten seiner Zunft. Gerhard Polt gilt Feinschmeckern bayerischen, hintergründigen Humors längst als Ikone. Ob im Film oder auf der Bühne – seine Filme („Kehraus“ oder „Man spricht deutsh“) sind legendär, seine Auftritte immer ausverkauft. Der Polt ist eine Institution.

    Doch selbst Institutionen werden älter, und so steuert der gebürtige Münchner auf seinen 70. Geburtstag Anfang Mai zu. Derartige Jubiläen wiederum schlagen schon im Vorfeld Wellen. Zunächst einmal in Form einer vom Feuilleton hoch gelobten Ausstellung im Münchner Literaturhaus, die noch bis zum 7. Mai läuft.

    Am gestrigen Sonntag der zweite Akt der Polt-Festspiele. Im ausverkauften Münchner Augustiner-Bräu präsentierte der Satiriker und Autor sein bilanzierendes Interviewbuch mit dem Titel „Gerhard Polt und auch sonst“. Die Veranstaltung wurde umrahmt von den Well-Geschwistern und moderiert von Literaturexpertin Elke Heidenreich. Am Ende gab es großen Applaus.

    Zurück zum Buch. Im Gespräch mit der renommierten Fotografin Herlinde Koelbl erzählt Gerhard Polt unter anderem übers Älterwerden, über Zufälle, über Glauben, über Langsamkeit, die Mediengesellschaft und über seine Fehler. Es ist kein Witzbuch, sondern ein Werk mit Hintergrund und Tiefgang, das das Leben und die Weltsicht des komplizierten Menschen Polt in feinem, bayerischem Plauderton erklärt.

    Eine klassische Biografie hat der Künstler abgelehnt. „Ein Mensch, der lebt, verdient keine.“ Auch Koelbl fragt ihn sein Leben nicht einfach nur chronologisch ab, sie wirft immer wieder Themen wie „Zufall“, „Langsamkeit“ oder „Genuss und Zufriedenheit“ in den Raum. Auf die Frage, was er an sich besonders schätzt, antwortet Polt: „Ich lasse die Suppe stehen, bis sie kalt ist. Das ist ein Erfahrungsschatz, den lasse ich mir nicht nehmen.“ So einfach und doch so kompliziert kann das Leben sein. Philosophisch fragt sie, philosophisch antwortet er. Bei Aristoteles und Sokrates fühlt er sich heimisch. Manchmal wird sie aber auch ganz konkret. Welche Vorteile das Älterwerden hat, will die Koelbl wissen. Polt: „Ich weiß nicht, ob es überhaupt einen Vorteil oder Nachteil hat. Ich kann da nichts Prinzipielles sehen. Älterwerden ist einfach ein Prozess, der findet halt statt. Siehst ja, alles wird älter: ein Grashalm, eine Katze, sogar der Kaffee, auch das Bier kann ranzig werden.“

    Ob der Mensch aus der Geschichte lernt?

    Der Geschichtsliebhaber Polt erzählt zudem, er sei skeptisch, dass der Mensch aus der Geschichte lernt. Allerdings, so räumt er ein, der Mittagsschlaf habe sich „seit der Zeit des Diogenes, des Kaisers Heliogabalus über Karl den Großen“ bis heute als „etwas Angenehmes erhalten, das immer geschätzt war“.

    Auch den Lieblingsspruch des bald 70-Jährigen erfährt der Leser: Nix Gwieß woaß ma ned. „Das ist ein wunderbarer Satz“, meint Polt. „Ich kenne keinen besseren.“ Was die meisten für eine bayerische Volksweisheit halten, beruht auf der Philosophie der alten Griechen und klingt ins Hochdeutsche übersetzt ziemlich gestelzt. Nichts Gewisses weiß man nicht. Das gilt übrigens auch für die Frage, ob er, der Humorist, ein glückliches Naturell habe. Polts Antwort klingt verstörend gut: „Es gibt Gottsucher, es gibt Ichsucher und es gibt Schwammerlsucher. Und ich gehöre weder zu den einen noch zu den anderen. Ich suche nicht, verstehst?“

    Am Ende all dieser Erkenntnisse und Lebensweisheiten bleibt einem Polts vielleicht wichtigste im Gedächtnis hängen: „Der größte Fehler für mich wäre Freudlosigkeit“, sagt er im Rückblick auf sein bisheriges Leben. Denn „wenn du keine Freude hast, bist du eine arme Sau“. Und das ist der Münchner gewiss nicht. Er selber beschreibt sich im Buch als „Gesellschaftsviech“.

    „Gerhard Polt und auch sonst“ im Gespräch mit Herlinde Koelbl, Kein & Aber-Verlag, 201 Seiten.

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