Die Fastenzeit bringt nicht nur Enthaltsamkeit und Verzicht mit sich, sondern auch Starkbier. Am Mittwoch, den 27. Februar kommt es zum berühmten Starkbieranstich auf dem Nockherberg, bei dem Landes- wie Bundespolitiker aufs Korn genommen werden - mit fiesen Sprüchen und satirischem Singsang. Wir klären, was Sie über den Nockherberg wissen müssen.
Was passiert bei der Veranstaltung am Nockherberg?
Eigentlich wird mit der Feier am Nockherberg der Ausschank des Starkbieres "Salvator" eröffnet. Gleichzeitig aber ist es ein großes Satire- und Kabarettspektakel, zu dem die Paulaner Brauerei lädt.
Wo liegt der Nockherberg?
Der Nockherberg ist eine Art natürliche Terrasse am Isarhochufer in München zwischen den Stadtteilen Giesing und Au. Die Veranstaltung findet im dortigen Festsaal der Paulaner Brauerei statt.
Starkbieranstich am Nockherberg: Mehr Malz und mehr Satire
Seit wann gibt es den Salvator-Anstich?
Die Idee zu Gstanzlsängern auf dem Nockherberg gibt es schon seit 1958. Die erste Salvatorrede wird 1891 gehalten – von Jakob „Papa“ Geist. Ende des 19. Jahrhunderts gibt es in München Hunderte Volkssänger, die in rund 100 Singspielhallen um die Gunst des Publikums werben. Die Unterhaltung bleibt lange Zeit aber unpolitisch.
Woher hat der Nockherberg seinen Namen?
Der Name geht auf die Bankiersfamilie Nockher zurück. Sie besaß auf der Isarhöhe seit Ende des 18. Jahrhunderts ein Sommerhaus, das „Nockherschlösschen“.
Wie unterscheidet sich das Salvator-Starkbier von einem gewöhnlichen?
Bruder Barnabas Still war von 1773 an Braumeister der Paulaner Mönche. Nach seiner Grundrezeptur wird bis heute der “Salvator“ gebraut. Es hat eine Stammwürze von 18,3% und enthält damit wesentlich mehr Malzstoffe als gewöhnliches Bier. Außerdem wirkt der Salvator auch stärker als normale Biere: Er hat einen Alkoholgehalt von 7,5%.
Ein Gstanz'l auf den Pater Patriae
Hat es nicht schon einmal auf dem Nockherberg gebrannt?
Korrekt. Am 27. November1999 brannte die Paulaner-Gaststätte am Nockherberg komplett ab. Es entstand dabei ein Sachschaden von etwa 15 Millionen Euro. Bis heute ist ungeklärt, wer den Brand gelegt hat.
Wurden Politiker schon immer derbleckt?
Nein. Erst Emil Vierlinger, Autor und Vizegastgeber, gibt dem Nockherberg ab 1954 einen politischen Anstrich. Nach und nach wird dies zum Alleinstellungsmerkmal der Veranstaltung, die bayernweit immer mehr Publikum bekommt.
Was bedeutet "Derbleck’n"?
Jemanden mit bissigen Sprüchen und zynischem Humor aufs Korn nehmen.
Wer ist der „Pater Patriae“?
So nennt man auf dem Nockherberg den bayerischen Ministerpräsidenten. Beim Starkbieranstich bekommt er die erste Maß.
Was bedeutet „naufschiaß’n“?
Jemanden mit einer Geschichte aufziehen.
Was ist ein „Gstanz’l“?
Ein Spottlied, das neben Bayern auch in Österreich gesungen wird. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Musikrichtung ist Roider Jackl.
Welche Gäste dürfen am Starkbieranstich am Nockherberg teilnehmen?
Nur jene, die die Paulaner Brauerei einlädt.
Gibt es noch andere kabarettistische Starkbieranstiche?
Auch Löwenbräu probiert zwischenzeitlich einen Starkbieranstich und wirbt 1973 sogar Roider Jackl ab, der am Nockherberg aufgetreten war. Paulaner wagt 1980 daraufhin den Neuanfang mit dem ersten Singspiel.
Der Nockherberg fiel schon zwei Mal aus
In welche Teile gliedert sich der Starkbieranstich am Nockherberg?
Zum einen gibt es die Fastenrede, bzw. Salvatorrede. Sie richtet sich vornehmlich an Politiker, die ihr Schaffen kritisch hinterfragen sollten. 1992 hielt Max Grießer als erster als Braubruder Barnabas die Rede. Die Figur las bis 2010 der Prominenz die Leviten. Seit 2011 hat die Aufgabe Luise Kinseher als Mama Bavaria übernommen. Nach der Fastenrede kommt es zum Singspiel, ein satirisches Musical mit Polit-Imitatoren.
Fiel der Nockherberg schon einmal aus?
Ja, sogar zwei Mal: 1991 wegen des Golfkriegs und 2003 wegen des Irakkriegs. 2009 verschob man die Veranstaltung auf den letzten Tag des Starkbierausschanks wegen des Amoklaufs in Winnenden.
Wer ist beim Nockherberg 2013 mit dabei?
Kabarettistin Luise Kinseher wird zum dritten Mal als „Mama Bavaria“ ihre Landeskinder rügen. Das anschließende Singspiel wird von Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“) inszeniert. Erstmals führen Brigitte Theile und Sebastian Meinberg vom Bayerischen Rundfunk durchs Programm.