Das Oktoberfest in München steuert auf neue Rekorde zu. Bis zur Halbzeit kamen trotz einiger Regentage rund 3,6 Millionen Besucher aus aller Welt zum größten Volksfest der Welt. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sprach am Sonntag von einer "rundum gelungenen Wiesn". Die Besucherzahlen zu Halbzeit seien rekordverdächtig - wenngleich den Veranstaltern an immer neuen Rekorden gar nicht gelegen sei. "Gerade freitags und samstags platzt die Wiesn eh schon aus allen Nähten", sagte Ude. Bis zum 7. Oktober werden rund sechs Millionen Gäste erwartet. Tracht bleibt schwer im Trend: Auch immer mehr Japaner, Australier oder Italiener kommen in Dirndl oder Lederhose zum größten Volksfest der Welt.
20 Prozent mehr Bierleichen als im Vorjahr
3,6 Millionen Maß gingen zur Halbzeit über die Theken. Viele Besucher tranken aber mehr, als ihnen guttat: Das Bayerische Rote Kreuz musste in der ersten Wiesn-Woche 445 "Bierleichen" versorgen und damit 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Polizei rückte in der ersten Halbzeit deutlich häufiger aus als im Vorjahr. 1059 Einsätze meldeten die Beamten und damit 60 mehr als im vergangenen Jahr.
Vor allem die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen nahm deutlich zu. "Das Zuschlagen oder Werfen mit Maßkrügen stellt ein äußerst gefährliches Delikt dar. Es war deshalb sehr wichtig, dass wir 25 Täter schon an Ort und Stelle festnehmen konnten", sagte Polizeivizepräsident Robert Kopp. Ude nannte es angesichts der Besuchermassen aber erstaunlich, dass nicht noch mehr Unfälle und Straftaten passierten. Das spreche für die Qualität des Sicherheitskonzeptes. "An manchen Tagen ist hier schließlich zahlenmäßig die Bevölkerung einer Großstadt auf einer einzigen Wiese versammelt."
Wiesn-Reisepakete bei Touristen hoch im Kurs
So hat sich der Bierpreis auf der Wiesn entwickelt
1971 kostete die Mass Bier nur höchstens 2,95 D-Mark.
1975 waren es 3,75 Mark.
1980 stieg der Preis auf 4,90 Mark.
Bis zu 6,30 Mark musste man 1985 bezahlen.
1990 war der Spitzenpreis bei 7,55 Mark.
1995 kletterte der Mass-Preis auf 10,40 Mark.
2000 waren es schon stolze 12,60 Mark.
2005 gibt es den Euro und die Mass kostet bereits 7,25 Euro.
Bis zu 8,90 Euro musste man im Jahr 2010 für sein Wiesn-Bier hinblättern.
Und wieder ging es rund 40 Cent hinauf. 2012 ist der Preis für eine Mass bei teuren 9,50 Euro.
2013 kostete eine Mass zwischen 9,40Euro und 9,85 Euro.
2014 wurde auf dem Oktoberfest erstmals die 10-Euro-Marke für eine Mass Bier geknackt! In manchen Zelten lag der Preis für einen Liter Bier bei 10,10 Euro. Die billigste Mass gab es für 9,70 Euro.
Unter 10 Euro gab es im Jahr 2015 kein Bier mehr auf der Wiesn: Die günstigste Mass lag bei 10 EUro, die teuerste bei 10,40 Euro. Im Durchschnitt kostete ein Liter Bier 10,22 Euro.
Um 3,11 Prozent ist der Bierpreis im Jahr 2016 gestiegen: Die Mass kostete zwischen 10,40 und 10,70.
Zu den Trends des Oktoberfestes gehören laut Wiesn-Chef Dieter Reiter heuer die klassischen Vergnügungen: "Zum Beispiel, seiner Liebsten eine Rose schießen." Auch Lebkuchenherzen würden gerne als Andenken gekauft. Auffällig sei, dass weniger Oktoberfest-T-Shirts gekauft werden. Dafür hat Reiter auch eine Erklärung parat: "Die Menschen kommen in Tracht und ziehen sich da natürlich kein Shirt drüber."
Hoch im Kurs stehen Reiter zufolge Touristen-Reisepakete. Die Veranstalter bieten ihren Kunden immer öfter neben Anreise, Übernachtung und Tischreservierung auch eine Trachten-Ausstattung im Reisepackage. "Sie postieren dann Hostessen an der Theresienwiese, die den Touristen vor Ort beim Anziehen helfen."
Veganer protestieren gegen Fleischkonsum
Bei der Speisenwahl entscheiden sich die Besucher gerne für typische Wiesn-Gerichte. Nicht nur rund eine halbe Million Hühner werden jedes Jahr auf dem Oktoberfest verspeist. Auch 60 Ochsen und 26 Kälber endeten auf Tellern (2011: 56 Ochsen, 27 Kälber). Das rief rund 300 Vegetarier und Veganer auf den Plan, die am Samstag in der Münchner Innenstadt gegen den Fleischkonsum auf der Wiesn demonstrierten.
Streit um angebliches "betrügerisches Einschenken"
Harte Kritik übte der Münchner "Verein gegen betrügerisches Einschenken" an den Wiesn-Wirten. Vereinspräsident Jan-Ulrich Bittlinger sagte dem Magazin Focus, ein Wirt verdiene 420.000 Euro zusätzlich während des Oktoberfestes, wenn er pro Maß 0,1 Liter weniger als vorgeschrieben einschenke. Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD) nahm hingegen die Kontrolleure in Schutz. "Es ist eine Unverschämtheit, dass Herr Bittlinger behauptet, die Behörden lassen sich von Wirten bestechen."
Die Wiesn-Wirte und Schausteller teilen sich die Theresienwiese in diesem Jahr mit den Bauern, deshalb ist ihre Fläche kleiner als sonst. Im Südteil des Festgeländes findet das 125. Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) statt, eine der größten Agrarschauen Europas. Die Stadt vergleicht die Besucherzahlen deshalb nicht mit dem Vorjahr, sondern mit der letzten "Kleinen Wiesn" 2008. Damals wurden zur Halbzeit 3,2 Millionen Besucher gezählt. dpa