Die CSU sei ein Teil dieser Koalition und dürfe deshalb erwarten, dass man mit Respekt mit Ministern umgehe, sagte Seehofer am Montag nach einer CSU-Vorstandssitzung in München. Dies sei eine "ernste Bemerkung", betonte er.
Kritik insbesondere von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bezeichnete Seehofer als "absolut unangemessen und befremdlich". "Einzelne Äußerungen" aus CDU und FDP kämen der CSU "schon befremdlich vor".
Kritik an Guttenberg aus den eigenen Reihen
Trotz Seehofers mahnender Worte nehmen die Kritiken an Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg aus den eigenen Reihen kein Ende. Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Günther Beckstein sagte "stern.de": "Die Affäre um seine Dissertation schadet der CSU und ihm selbst." Beckstein fügte hinzu: "Sollte sich herausstellen, dass zu Guttenberg im Amt oder vor dem Bundestag etwas Unwahres gesagt hat, müsste er zurücktreten."
Bildungsministerin Annette Schavan, die vor 30 Jahren selbst promoviert hat, betonte in der "Süddeutschen Zeitung", dass sie sich "nicht nur heimlich schäme" für das, was passiert sei. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende, sagte, sie halte den Entzug von Guttenbergs Doktortitel durch die Universität Bayreuth für richtig. "Das ist die Antwort der Wissenschaft auf die Analyse der Arbeit."
Deutliche Kritik äußerte einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" zufolge erneut auch Bundestagspräsident Norbert Lammert. Der CDU-Politiker habe vor SPD-Abgeordneten erklärt, die Affäre und ihre Begleitumstände seien "ein Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie".
Offiziell stellten sich Bundesregierung und Union hinter ihrem Minister. Merkels Sprecher Steffen Seibert betonte: "Der Bundesverteidigungsminister genießt das Vertrauen und die Unterstützung der Bundeskanzlerin." Daran habe sich nichts geändert.
Wissenschaftler übergeben Brief an Kanzlerin Merkel
Morgens übergaben Wissenschaftler vor dem Kanzleramt einen von 23.000 Doktoranden unterzeichneten offenen Brief an Merkel, in dem sie der CDU-Politikerin in der Plagiats Affäre eine "Verhöhnung" aller wissenschaftlichen Hilfskräfte vorwerfen. Guttenberg hat Teile seiner Doktorarbeit ohne Quellenangaben abgeschrieben. Die Universität Bayreuth entzog ihm nun den akademischen Titel. Bisher hat der Minister alle Vorwürfe zurückgewiesen, mit Absicht betrogen zu haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, sie sehe in Guttenberg nicht den Doktoranden, sondern den Verteidigungsminister.
Fall Guttenberg: Opposition sieht Merkel in der Pflicht
Die Opposition forderte Merkel zum Handeln auf. Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann verlangte, dass Guttenberg mit sofortiger Wirkung die Zuständigkeit für die beiden Bundeswehr-Universitäten vorläufig entzogen wird, da er nicht mehr über die notwendige Autorität verfüge. Linke-Chef Klaus Ernst sagte, Guttenberg habe sich in einem Lügengebäude verlaufen. Merkel könne ihm nun mit einer Entlassung den Notausgang zeigen. Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte, mit ihrem Festhalten an Guttenberg verrate Merkel den bürgerlichen Ehrenkodex und füge der Demokratie einen "Totalschaden" zu.
Guttenberg versicherte indessen, dass die geplante Reform der Bundeswehr nicht von der Affäre beeinträchtigt wird. Er betonte: "Ich habe dieses Amt auszufüllen - und fülle das mit Freuden auch entsprechend aus." AZ/dpa