Straßberg Still ist es. Nur eine alte Frau schleicht an diesem Vormittag über den kleinen Friedhof in Straßberg. Das Grab von Gerhard Höllerich ist schneebedeckt und unberührt. Keine Blumen, keine Gestecke, keine Teddybären. Das wird sich an diesem Wochenende ändern. Denn am heutigen Freitag wäre der unter dem Künstlernamen Roy Black populär gewordene Schlagersänger und TV-Star aus Bobingen-Straßberg 70 Jahre alt geworden. Über 100 Fans werden in der Kleinstadt am Freitag zur Schlagernacht anlässlich des Geburtstages erwartet. Roy Blacks frühere Band, die Cannons, wird auftreten. Ein Besuch am Friedhof gehört für die meisten Gäste zum Programm.
Mit "Herr Black" angesprochen
„Die Leute kommen aus ganz Deutschland, sogar aus der Schweiz“, erzählt Susann Meyer. Die 45-Jährige verbindet eine besondere Geschichte mit Roy Black. Die kann sie so genau erzählen, als hätte sie ihn erst vorgestern getroffen. Zunächst hat sie ihn mit „Herr Black“ angesprochen. Daraufhin habe der Star ablehnend reagiert. Erst als sie ihm nachlief und „Herr Höllerich“ rief, kamen die beiden ins Gespräch. Susann Meyer lacht. Zwei Stunden hätten sie über Gott und die Welt geplaudert. Es wurde eine Art Freundschaft daraus, die bis zu Blacks frühem Tod am 9. Oktober 1991 reichen sollte.
Für Susann Meyer ging die Beziehung weiter, sodass sie vor einigen Jahren sogar nach Straßberg zog, um ihrem Idol nahe zu sein. Bis heute hat die Betriebswirtin aus Sachsen-Anhalt all seine gesammelten Werke im ersten Stock ihres Hauses aufbewahrt. An den Wänden hängen Fotos des Sängers. Meyer hat alle seine 400 Lieder, alle TV-Serien, alle Filme archiviert. Dazwischen Roy-Black-Schokolade, ein Keyboard, bedruckte Kopfkissen und jede Menge Starnippes.
Dass sie wegen ihrer Begeisterung für Roy Black von manchen belächelt wird, stört sie zwar. Doch der Mann, dessen Pseudonym zum einen auf seine schwarze Haarfarbe zurückzuführen ist, zum anderen auf sein Idol, den amerikanischen Sänger Roy Orbison, hat sie fasziniert wie kein Zweiter.
Zu dem Sänger mit der besonderen Aura fällt noch immer vielen etwas ein – und sei es nur sein wohl bekanntester Erfolg „Ganz in Weiß“ – ein beliebter Hochzeits-Song. Für viele Frauen sah er umwerfend gut aus, hatte eine samtig-weiche Stimme und besaß jede Menge Charme. Roy Black wurde angebetet wie nur wenige deutsche Schlagerstars vor und nach ihm.
Roy Black wäre lieber Rockmusiker geworden
Doch der Schlager war auch Fluch für den sensiblen Mann. Der Sänger wäre, wie er selbst sagte, lieber Rockmusiker als Seelentröster geworden. Nach seinem Abitur wollte er Biologie studieren, entschied sich aber aus finanziellen Gründen für Betriebswirtschaftslehre, hängen blieb er in der Musikbranche. 1963 hatte er mit den Musikern Günter Ortmann, Dieter Schwedes, Peter Schwedes, Helmut Exenberger und Dieter Sirch die Band „Roy Black and his Cannons“ gegründet. Doch statt Rock ’n’ Roll sang er bald Schlager. Plattenproduzent Hans Bertram hatte dem Schwaben Studioaufnahmen verschafft, er wechselte das Genre.
Bis in die 70er Jahre feierte er große Erfolge („Schön ist es auf der Welt zu sein“), dann riss der Faden. Sein Karriereknick, das Alkoholproblem, die gescheiterte Ehe, eine Herzoperation und Schmähkampagnen der Boulevardpresse nahmen Roy Black die Illusion, mehr zu sein als „eine Aktie, die steigt und fällt, je nach Marktwert“. Ende der Achtziger stieg die Aktie Black wieder, und er durfte außer auf Kaffeefahrten, Feuerwehrbällen und Karnevalssitzungen auch im Fernsehen auftreten. Am Ende reichte es gar wieder zu einer Starrolle in der Serie „Ein Schloss am Wörthersee“. Es sollte seine letzte sein.
Einsamer Tod
1991 starb der populäre Sänger einsam in einer Fischerhütte im oberbayerischen Heldenstein. Herzversagen hieß es damals. Boulevardblätter enthüllten, dass der schwer Herzkranke vier Promille Alkohol im Blut hatte. Susann Meyer will derartige Schlagzeilen nicht glauben. Der Sänger sei ein von Terminen Getriebener gewesen, sagt Meyer. „Er hatte immer zu wenig Zeit für sich.“ Susann Meyer erzählt von ihrem letzten Telefonat, das sie wenige Wochen zuvor mit ihrem Idol führte. Dass Roy Black, wie Gerüchte sagen, sich selbst umgebracht haben könnte, schließt Meyer aus. „Er hatte doch noch so viele Pläne.“