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Schauspielerin
11.02.2016

Die zwei Leben der Cleo Kretschmer

Schauspielerin Cleo Kretschmer wird 65 Jahre alt.
Foto: Armin Weigel, dpa

Mit ihrer Natürlichkeit wurde Cleo Kretschmer der Liebling der Münchner Filmszene. Nach einer Gehirnblutung orientierte sie sich neu. Warum sie den Bayerischen Wald vorzieht.

Da träumt sich die junge Maria, Tochter eines Münchner Gemüsehändlers, in ein Happy End mit ihrem Freund. Wenn da nicht der Sohn eines italienischen Großhändlers aus der Markthalle wäre. Damit diese Geschichte funktioniert, bedarf es nicht einer großen oder wunderschönen Schauspielerin. Es braucht eine wie Ingeborg Maria Kretschmer, besser bekannt als Cleo Kretschmer. Die will ihren Italiener in Venedig aufs Laken bekommen – und zwar im Hotel Des Bains, das sie einfacherweise immer „Hotel de Beng“ nennt.

Regisseur Klaus Lemke macht Kretschmer bekannt

Regisseur Klaus Lemke, mit dem die Cleo aus Wegscheid bei Passau auch privat verbandelt war, hat die Tochter eines Grenzpolizisten in den 70er Jahren bekannt gemacht. Im etablierten, anspruchsvollen Autorenfilm hätte die gelernte Drogistin keine Chance gehabt. München hat damals vielleicht nicht geleuchtet, aber Glitzersteine in der deutschen Film- und Fernsehwelt gesetzt.

Schwabing und dem Café „Capri“ sei es gedankt, dass der schräge Lemke den Blick für die richtigen Typen hatte. Die Kretschmer hat erzählt, dass der Lemke mit einer Gruppe von Lederjacken-Machos stets die Bar im „Capri“ umstellt hat. Cleo hat sich einfach dazwischen gestellt und hat gewartet, was passiert.

Es war die schöne, wilde Zeit, als Lemke „Die Sweethearts“, „Moto-Cross“ oder „Ein komischer Heiliger“ drehte. Der heute noch immer unterschätzte Regisseur entdeckte Iris Berben, Dolly Dollar und den undeutlich sprechenden Wolfgang Fierek, dem er zu einer Karriere verhalf, sodass er seine Harley ausfahren konnte.

Nach Hirnblutung: Mit Selbstdisziplin zurück ins Leben

Für Cleo Kretschmer aber verwandelten sich die Glitzergipfel in ein düsteres Tal, aus dem sie nur mit großer Selbstdisziplin den Weg fand. Denn mit 47 Jahren erlitt die Schauspielerin eine Hirnblutung. Nach der Krankheit begann ihr zweites Leben. Sie freut sich, dass sie heute 65 Jahre alt wird. „Ich lebe einfach unheimlich gerne.“

Aus dem Filmgeschäft hat sich Kretschmer weitgehend zurückgezogen. Seit 17 Jahren lebt sie in Dorfen im oberbayerischen Landkreis Erding. „Ich hatte Sehnsucht nach ländlicher Atmosphäre.“ Die Hirnblutung zwang sie dazu, ihr Leben neu zu überdenken. „Ich musste wieder sprechen und gehen lernen. Der schwierige Heilungsweg hat sechs Jahre gedauert.“ Nun ist sie gewissermaßen auf dem Weg zurück, dorthin, wo alles angefangen hat. Die so durchgeknallten wie kreativen Typen der Schwabinger Szene sind kein Thema mehr. Reingepasst hat sie da ohnehin nur, weil sie den überspannten Pflaster-Tussis der Hauptstadt Kontra gab.

An Dorfen liebt Cleo Kretschmer, die zeitweise für eine esoterischen Betrachtung der Welt warb, die Ruhe, die Natur, die Tiere. „Auf den Bäumen vor meinem Fenster sitzen Buntspechte, ich füttere hier meine Raben. Es gibt Igel und Schnecken und Katzen. Es ist toll.“ Katzen haben es Kretschmer besonders angetan. Gerade hat sie ein Buch aus Sicht ihrer Lieblingskatze ZiZiPeh geschrieben, erzählt sie. „Liebe auf samtenen Pfoten“, heißt das Werk, für das sie noch einen Verlag sucht.

Warum Cleo Kretschmer so gerne in den bayrischen Wald fährt

Ansonsten fährt sie gerne in den Bayerischen Wald. Dort sei sie zwar aufgewachsen – wie schön es da ist, habe sie aber erst bei den Dreharbeiten zu „Eine ganz heiße Nummer“ im Jahr 2011 entdeckt. Zu Hause fühlt sie sich jedoch längst in Dorfen. „Ich habe hier zauberhafte Freunde.“ Seit 2014 engagiert sie sich überdies in der Flüchtlingshilfe der Stadt. Langweilig wird es Cleo Kretschmer jedenfalls nicht.

Dem DVD-Archivar auch nicht. Der nämlich kennt die erste Folge vom „Monaco Franze“ auswendig, in der Waltraud (Cleo) der von Gisela Schneeberger gespielten Freundin Elli deutlich sagt, dass „der Theo, der Kurti und der Baron von Schwingenstein“ sie „nur beschissen“ hätten. Geholfen hat es bekanntlich nicht. Man hätte Cleo den Beratungserfolg gegönnt.

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