Gerolsbach - Sie ist die prominenteste Quereinsteigerin in die bayerische Landespolitik. Claudia Jung aus Gerolsbach (Landkreis Pfaffenhofen) ist eine der bekanntesten Schlägersängerinnen Deutschlands.
Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt die Frau, die bürgerlich Ute Singer heißt, warum es sie jetzt in die Politik zieht und warum sie gerade für die Freien Wähler bei den Landtagswahlen kandidiert.
Servus Frau Jung - oder soll ich Singer sagen?
Jung: Bleiben wir bei Jung. Damit arbeite ich schon länger. Singer heiße ich erst, seit ich 1988 meinen Mann geheiratet habe.
Warum treten Sie nicht mit dem bekannten Namen zur Wahl an?
Jung: Das bayerische Wahlgesetz erlaubt keine Künstlernamen. Immerhin habe ich erreicht, dass auf den Wahllisten Ute Singer, genannt Claudia Jung, steht. Das ist doch schon was, oder?
Klar. Woher kommt bei der erfolgreichen Sängerin des Herz-Schmerz-Faches die Sehnsucht nach Politik?
Jung: Na ja, so plötzlich kam das nicht. Schon 2002, kurz nachdem ich mit meiner Familie von München nach Gerolsbach gezogen war, kandidierte ich für den Gemeinderat. Ich fiel durch. Die Leute glaubten wohl, die Schlagersängerin will sich nur wichtig machen und ist in ein paar Jahren sowieso wieder weg.
Ja wissen Sie, die Bayern sind eben ein vorsichtiges Volk. Viele meinen, es gibt sowieso viel zu viele Neuzugezogene?
Jung: Na ja¿ Jedenfalls trat ich im vergangenen Jahr wieder an. Und siehe da. Ich wurde für die Freien Wähler in den Gemeinde- und Kreistag gewählt.
Gratuliere nachträglich.
Jung: Ich war sogar die erste Politikerin aus Gerolsbach seit 16 Jahren, die es in den Kreistag schaffte.
Aha. Und da haben Sie Blut nach der großen Politik geleckt?
Jung: Ja, wenn so etwas klappt, macht man sich Gedanken. Und die Chancen für die Freien Wähler waren im Land nie besser. Wenn wir es diesmal nicht schaffen, wann dann?
Wahrscheinlich haben Sie recht. Welche Chancen rechnen Sie sich persönlich aus?
Jung: Wenn die Freien Wähler es schaffen, ist das wie Weihnachten. Wenn auch mir der Einzug ins Maximilianeum gelingt, ist es wie Weihnachten und Geburtstag an einem Tag.
Das klingt so emotional, dass sie die Sätze für eines Ihrer neuen Lieder verwenden können. Im Ernst: Ist denn Politik und Musikkarriere überhaupt zeitlich unter einem Hut zu bringen?
Jung: Ich denke schon. Wir haben es in der Familie mit meinem Mann und meiner Tochter lange diskutiert. Es wird funktionieren. Ich leiste mir eine Zugehfrau, und meine Büroarbeit könnte dann auch eine Sekretärin übernehmen.
Falls es also klappen sollte, welche Schwerpunkte schweben Ihnen vor?
Jung: Insbesondere Gebiete, bei denen ich selbst persönliche Erfahrung einbringen kann.
Als da wären?
Jung: Familien- und Bildungspolitik würden mir liegen.
Und wie sehen Ihre Vorstellungen aus?
Jung: Ich bin gegen Studiengebühren und für gebührenfreie Pflichtkindergartenjahre. Bildung darf nicht vom Geldbeutel abhängen¿
Danke, danke. Das reicht. Was, glauben Sie, ist schwerer - im Landtag vor vollem Haus eine Rede halten oder eine Goldene Schallplatte produzieren?
Jung: Die Goldene Schallplatte. Denn es gibt kein Erfolgsrezept. Auf eine Rede kann ich mich vorbereiten.
Singen Sie bei Wahlkampfauftritten?
Jung: Ich singe fast immer. Die Nachbarn denken wohl schon, die hat einen an der Klatsche. Bei Wahlkampfauftritten lasse ich es aber sein. Da geht es darum, was ich zu sagen habe.
Ihr letzter Musiktitel lautete "Lass uns noch einmal lügen". Darf man das politisch-programmatisch verstehen?
Jung (lacht): Ah, Sie haben es also auch entdeckt. Ich habe den Text extra für die CSU geschrieben. Nein, Spaß beiseite. Das hat natürlich nichts mit Politik zu tun. Außerdem ist der Titel längst durch.
Interview: Josef Karg