Newsticker

Corona in Deutschland: Gesundheitsämter melden 7595 Neuinfektionen
  1. Startseite
  2. Bayern
  3. Söder will Aus für Verbrennungsmotoren ab 2035 - Kritik aus der CDU

CSU-Parteitag

28.09.2020

Söder will Aus für Verbrennungsmotoren ab 2035 - Kritik aus der CDU

Markus Söder fordert ein Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Vorbild ist Kalifornien: Markus Söder plädiert dafür, Verbrennungsmotoren bis 2035 von der Straße zu holen. In der Schwesterpartei CDU kommt das nicht überall gut an.

Wenn Berlin eine Metropole wie New York sei, hat Markus Söder im vergangenen Jahr gesagt, dann sei Bayern mit seinem Zweiklang aus Laptop und Lederhose das Kalifornien Deutschlands. Nun nimmt der CSU-Chef sich den amerikanischen Bundesstaat direkt zum Vorbild: Wie in Kalifornien sollen nach seinem Willen auch in der Bundesrepublik vom Jahr 2035 an keine Neuwagen mehr mit Verbrennungsmotoren zugelassen werden. Gleichzeitig fordert Söder allerdings auch eine staatliche Kaufprämie für Autos mit Verbrennungsmotoren.

Aus für Verbrenner ab 2035? Söder orientiert sich an Kalifornien

"Ich bin sehr dafür, dass wir uns ein Enddatum setzen, ab dem Zeitpunkt, an dem fossile Verbrenner mit fossilen Kraftstoffen nicht mehr neu zugelassen werden können", sagte Söder vor dem CSU-Parteitag. Kalifornien habe dafür "ein sehr gutes Datum" gesetzt. Damit könne auch Deutschland zeigen, "wann das fossile Zeitalter bei uns zu Ende geht". Der Klimawandel sei "genauso pandemisch wie Corona", erklärte Söder. Er werde uns aber "noch viel länger beschäftigen".

CDU-Politiker Fischer: "Unsensible Botschaft für die Arbeitnehmer"

In der Schwesterpartei CDU kommt das nicht überall gut an. "Ein Enddatum für die traditionelle Autoproduktion ist eine unsensible Botschaft für die Arbeitnehmer und ihre Familien", kritisierte CDU-Vorstandsmitglied Axel E. Fischer gegenüber unserer Redaktion. "Dieser Vorstoß Söders hat mich sehr überrascht. Zudem halte ich es für gewagt, schon heute so weit in die Zukunft schauen zu wollen." Es scheine, so Fischer weiter, als wolle Söder "schon den Boden für eine mögliche schwarz-grüne Koalition im Bund bereiten." Christian von Stetten, der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der Union, betonte: "Wir sollten durch politische und wirtschaftliche Anreize die Elektro- und Wasserstofftechnik zur Marktführerschaft führen. Aber zumindest in der Landwirtschaft und auf Baustellen werden auch nach 2035 weiter Verbrennungsmotoren zum Einsatz kommen."

CDU-Vorstandsmitglied Axel E. Fischer zeigt sich überrascht von Söders Vorstoß.
Bild: Michael Kappeler, dpa (Archiv)

Stellvertretender Fraktionsvorsitzende Jung verteidigt Söders Vorstoß

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Andreas Jung dagegen verteidigte Söder: "Wir müssen den Anspruch haben, das Öko-Auto der Zukunft bei uns zu bauen. Ich unterstütze das Ziel von Markus Söder, dass neu zugelassene Autos ab spätestens 2035 klimaneutral sein müssen." Klimaneutral sei allerdings auch ein Motor, der synthetischen Kraftstoff aus Erneuerbaren verbrenne. "Deshalb muss gelten: Der Staat formuliert das Klimaziel, Hersteller und Käufer entscheiden über die Technologie." Ähnlich argumentiert der CSU-Mann Georg Nüßlein, ebenfalls stellvertretender Fraktionsvorsitzender: Söder habe "ein Entwicklungsziel" ausgegeben. Nun müsse die Industrie Autos produzieren, die den Verbraucher auch ansprächen. "Momentan kann man gleichwohl erleben, dass selbst hohe Förderung für Elektroautos die Autokäufer zu wenig überzeugt."

Unions-Fraktionsvize Andreas Jung verteidigt Söders Vorschlag.
Bild: Monika Skolimowska, dpa (Archiv)

Kalifornien verbietet ab dem Jahr 2035 den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren. Nach einer entsprechenden Verordnung dürfen im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA dann nur noch neue Pkw und kleinere Lastfahrzeuge verkauft werden, die emissionsfrei sind. Nach Einschätzung von Branchenexperten müssen sich vor allem die deutschen Autobauer anstrengen, um im Wettbewerb um die E-Mobilität mithalten zu können. "Man muss sehr aufpassen, da nicht abgehängt zu werden", sagte der Experte Stefan Bratzel vom Forschungszentrum CAM in Bergisch Gladbach. "Der Leitmarkt der Elektromobilität ist China, und zwar mit deutlichem Abstand." Chinas Regierung tue viel für die Förderung. Es gebe Subventionen und andere Anreize für Käufer.

Lesen Sie zum Parteitag auch: Söders Warnung vor einem harten Corona-Winter

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

28.09.2020

Die Physik lässt sich nicht betrügen. Ein Verbrennungsmotor erzeugt immer ein gewisses Maß an Schadstoffen. Durch modernste Filtertechnik ist es aber gelungen, die saubersten Motoren der Welt zu entwickeln. Sowohl bei den Stickoxyd, als auch beim Feinstaub sind moderne Motoren "ökologischer" als so manches gehypte E-Auto.
Leider gibt es eine immer stärkere Umweltlobby in Politik und Gesellschaft, die einen "Kreuzzug" gegen die Industrie führen. Die Deindustrialisierung ist ihre Ideologie und das E-Auto die Monstranz. Die damit einhergehende Wohlstandvernichtung wird zu nicht vorhersehbaren Konsequenzen führen. Wie sage noch gleich Bertold Brecht: "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral"

Permalink
28.09.2020

K.Brenner
Wenn es zu einer "Wohlstandsvernichtung" in der BRD kommt, dann nicht wegen der Entwicklung von E-Autos, sondern weil man in der deutschen Automobilindustrie eine Entwicklung zu neuen Technologien verschlafen hat. Deutschland entwickelt erstklassige Verbrennungsmotoren, Getriebe und andere Hi-Tech-Produkte aus dem Maschinenbau. Die Entwicklung zu E-Autos z.B. für Pendler und Wasserstoff betriebene Autos für große Reichweite werden kommen. Deutschland wird da gar nicht gefragt. Die Entscheidung fällt auf den größten Absatzmärkten der Erde, d.h. in Asien und in Amerika (siehe auf der Automobilmesse in Peking). Da hat der Berti Brecht schon Recht, wenn er sagt, dass zuerst das "Fressen" kommt. Also ist es wichtig, die richtigen Entscheidungen in Richtung Zukunftstechnologien zu treffen, um langfristig neue Arbeitsplätze zu schaffen

Permalink
28.09.2020

@K Brenner
Kommt das Wasserstoff und E-Auto wirklich, oder ist es nur eine Seifenblase? Wenn ich mir die Energiewende anschaue und nur mal betrachte, wie unrealistisch es ist den zusätzlich benötigten Ladestrom für Deutschland zu produzieren, tendiere ich zu letzterem. Selbst China fährt mehrgleisig. Heute wird Wasserstoff hauptsächlich aus Erdgas gewonnen. Der Strom kommt zwar aus der Steckdose, produziert wird er aber immer noch mit Kohle, Atom und Gas, wenn Dunkelflaute herrscht. Ingenieure bauen Autos, Kraftwerke und Infrastruktur. Politiker träumen vielleicht davon.

https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/droht-deutschland-ein-blackout/

https://emcel.com/de/woher-kommt-gruener-wasserstoff/

Permalink
28.09.2020

>> In der Schwesterpartei CDU kommt das nicht überall gut an. "Ein Enddatum für die traditionelle Autoproduktion ist eine unsensible Botschaft für die Arbeitnehmer und ihre Familien", kritisierte CDU-Vorstandsmitglied Axel E. Fischer gegenüber unserer Redaktion. <<

Traditionelle Autoproduktion? Wie wäre es mit einem Endedatum für Dummschwätzerei?

Ich finde ein 2 Tonnen schwerer Tesla ist ein recht traditionelles Auto das sehr traditionell gefertigt wird ;-)

https://de.wikipedia.org/wiki/Tesla_Model_S

Permalink
27.09.2020

Politisch eine kluge Entscheidung!

> Das eigene Wahlvolk hat eher Platz und Geld für Zweitwagen / Lademöglichkeit etc.
> Die Autoindustrie muss diesen Weg sowieso gehen.
> Bis 2035 kann mann herkömmliche Verbrenner kaufen, die dann leicht bis 2050 fahren.
> Man zwingt das linksgrüne Lager zu einem unrealistischen Überbietungswettbewerb
> Druck auf die Bruchstellen im grünen Spektrum beim Thema Stromerzeugung nimmt zu
> 2035 kann auch 2040 werden...

Grundsätzlich sollten wir in Europa auch vielfältig aufgestellt bleiben und nicht jeden engstirnigen Weg der Öko-Aktivisten mitgehen.

https://www.focus.de/auto/news/neue-auto-roadmap-bis-2035-eu-erwaegt-benziner-verbote-china-dagegen-setzt-langfristig-auf-verbrenner_id_12446397.html

>> Der größte und auch für viele deutschen Autohersteller wichtigste Automarkt der Welt, China, gibt sich jedenfalls technologieoffener als Europa. "Automotive News China" berichtet über die neue Antriebs-Strategie des Riesenreichs von 2021 bis 2035. Und wie einige Markt-Experten bereits 2019 vorhersahen, sieht es nicht nach einer "Elektro Only"-Strategie aus, sondern mindestens für die kommenden zwei Jahrzehnte eher nach einem Nebeneinander zwischen Elektro- und Benzin- beziehungsweise Hybridantrieb . <<


P.S. Die Überschrift stimmt auch nicht, wenn man Söder ganz genau liest...

"Ich bin sehr dafür, dass wir uns ein Enddatum setzen, ab dem Zeitpunkt, an dem fossile Verbrenner mit fossilen Kraftstoffen nicht mehr neu zugelassen werden können"

Ein Verbrenner mit regenerativem Treibstoff hat da Platz!

Permalink
27.09.2020

Er plabbbert auch nur nach was Kalifornien haben will, sie sollen sich doch erst Gedanken machen, wie sie den Schwerlastverkehr ohne Verbrenner bewältigen wollen. (edit/mod/ NUB 7.2)

Permalink
27.09.2020

Das wäre natürlich eine Konjunkturspritze für den Verbrenner bis 31.12.2034. Da würden Jahre zuvor die Verkaufszahlken aber drastisch in die Höhe schnellen.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren