Bankenkrise, Schuldenkrise - die Deutschen setzen nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre weiter am liebsten auf sichere Geldanlagen wie das Sparbuch. Überhaupt steht die Vorsorge für schlechte Zeiten hoch im Kurs: 63 Prozent halten es für wichtig oder sehr wichtig, Geld zur Seite zu legen, wie eine der Nachrichtenagentur dpa vorliegende Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag der Allianz ergab. Allerdings sind 30 Prozent der Befragten unzufrieden damit, wie viel Geld sie tatsächlich sparen können. Vor allem im Osten der Republik sind die Menschen mit ihrer finanzielle Lage nicht eben glücklich.
Bundesweit sind 43 Prozent mit ihrer Vermögenssituation zufrieden. Doch die regionalen Unterschiede sind der Umfrage zufolge recht deutlich: Während im Osten gerade 26 Prozent zufrieden sind, sind es im Süden 49 Prozent. Gefragt nach dem Nettoeinkommen werden die Antworten ein wenig trüber: Nur jeder Dritte bundesweit ist mit seiner Einkommenssituation zufrieden, Spitzenreiter ist hier der Westen Deutschlands mit 39 Prozent. Im Osten sind es nur 22 Prozent. Bundesweit erwarten sich 24 Prozent in den kommenden zwei Jahren eine Verbesserung, 22 rechnen damit, dass ihr Einkommen schrumpfen wird.
So wichtig das Sparen den Befragten ist: Nur 26 Prozent sind zufrieden mit der Summe, die sie abzweigen können, im Osten sind es sogar nur 15 Prozent. Immerhin sagen 36 Prozent, dass ihr Geld reicht, um etwas zu sparen und "sich hin und wieder etwas zu gönnen". Allerdings geben auch 12 Prozent an, dass nach Abzug aller ihrer Kosten nichts zum Sparen oder Ausgeben übrigbleibt. Im Osten sind es sogar 17 Prozent, im Norden 11.
Wenn sich die Deutschen aber etwas gönnen wollen, dann geben 67 Prozent ihr Geld am liebsten für die Verschönerung der Wohnung, für Kleidung und Schuhe (65 Prozent), Reisen und Ausflüge (62) oder ihre Hobbys (60) aus.
Doch die große Mehrheit rechnet damit, dass dies künftig teurer wird: 88 Prozent erwarten einen Anstieg der Lebenshaltungskosten. 37 Prozent haben Angst, dass die Inflation ihrer Vermögen auffressen wird. Auch die Bankenkrise hat deutliche Spuren hinterlassen: 73 Prozent gaben an, nur noch sicheren Anlagen zu vertrauen. Allerdings glauben nur 39 Prozent, dass sie sich keine Sorgen machen brauchen, wenn sie ihr Geld einer deutschen Bank anvertrauen.
Brüderle sieht keine Inflationsgefahr
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle schließt mittelfristig einen Anstieg der Inflationsraten nicht aus. "Trotz steigender Preise sehe ich kurzfristig keine akute Inflationsbedrohung, aber mittelfristig ist hier durchaus Vorsicht angebracht", sagte der FDP-Politiker der "Bild am Sonntag". Die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) hält er deshalb für den richtigen Schritt: "Ein behutsames Gegensteuern scheint mir der richtige Weg zu sein. Für die deutschen Sparer gibt es die gute Botschaft: Die Geldwertstabilität hat für die Notenbank höchste Priorität."
Die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft will Brüderle dem Bericht zufolge maßvoll erhöhen. Er gehe aber davon aus, dass sie besser ausfallen werde als die bisherige Annahme von 2,3 Prozent. Die Nachrichtenmagazine "Spiegel" und "Focus" hatten berichtet, die Bundesregierung wolle ihre Wachstumsprognose für 2011 auf mindestens 2,5 Prozent anheben. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Prognose gerade erst von 2,0 auf 2,8 Prozent angehoben.
Gold und Silber auf Rekordjagd
Die Schuldenkrise in Europa, die Krise in Libyen, der schwache Dollar und eine generelle Angst vor steigender Inflation haben die Preise für Gold und Silber in neue Rekordhöhen getrieben. Eine Feinunze Gold kostete am Freitag in London zwischenzeitlich mehr als 1470 Dollar, eine Feinunze Silber mehr als 40 Dollar und damit so viel wie noch nie.
Händler nannten den schwachen Dollar und Inflationsrisiken hauptsächlich wegen der hohen Ölpreise als Grund. Hinzu kämen die Lage im Ölförderland Libyen und die Bitte Portugals um Nothilfe von der EU. Gold und auch Silber gelten unter Anlegern als krisenfeste Anlage, da die Edelmetalle von einer Geldentwertung nicht betroffen sind.