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Bad Grönenbach

31.07.2019

Tierskandal: Zwölf Kühe mussten notgeschlachtet werden

Nach den Tierquälerei-Vorwürfen gegen einen Milchviehbetrieb aus dem Allgäu haben die Ermittler bei einer Großrazzia nach Beweisen gesucht.
Bild: Matthias Becker

Plus Eine Sonderkommission ermittelt mittlerweile gegen neun Verdächtige. Auf dem Hof in Bad Grönenbach wurden bei der Hälfte der etwa 1800 Milchkühe Auffälligkeiten entdeckt.

Es ist 8 Uhr am Mittwochmorgen, als im Unterallgäuer Weiler Schulerloch (Bad Grönenbach) ein knappes Dutzend Polizeiautos vorfahren und die Zufahrt zu einem Bauernhof absperren. An diesem regnerischen Morgen wird das nächste Kapitel im Unterallgäuer Tierskandal geschrieben. Die Ermittler durchsuchen einen Hof des Landwirts, gegen den wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz ermittelt wird. Polizei, Staatsanwaltschaft sowie Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) kommen an diesem Mittwoch nicht nur in das 70-Einwohner-Dörfchen Schulerloch. In insgesamt 21 Objekten stellen sie Dokumente, Handys und Rechner sicher, die im Zusammenhang mit dem Tierskandal stehen könnten.

Der Verein "Soko Tierschutz" hatte Videoaufnahmen veröffentlicht , die gravierende Verstöße gegen den Tierschutz zeigen. Sie sollen bei dem Bad Grönenbacher Landwirt aufgenommen worden sein. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Polizei und Staatsanwaltschaft begannen Anfang Juli mit den Ermittlungen , das LGL kam ab 5. Juli zu mehreren Kontrollen. Die Ergebnisse erläuterte am Mittwoch Martina Sedlmayer vom LGL bei einer Pressekonferenz in Memmingen: Kleinere Verletzungen einbezogen habe es bei der Hälfte der etwa 1800 Milchkühe Auffälligkeiten gegeben, sagte sie. Die Tiere litten etwa an eitrigen Entzündungen sowie Erkrankungen von Augen, Gelenken und Eutern. Bei 191 der gut 1700 Milchkühe habe es Auffälligkeiten gegeben. Von 137 kontrollierten Kälbern seien 46 "behandlungsbedürftig" gewesen.

Bad Grönenbach: "30 Beamte der Soko arbeiten mit Hochdruck"

Sedlmayer sprach von einem "relativ hohen Wert", bei einigen Tieren habe es sich um erhebliche, teils ältere Verletzungen gehandelt. Wie lange die Krankheitsverläufe zurückreichen, sei meist nicht exakt nachvollziehbar. Für eine Bewertung müsse zudem geklärt werden, ob und in welcher Form eine Behandlung durch Tierärzte stattfand. Hier sollen die aktuellen Durchsuchungen weitere Informationen liefern. Insgesamt zwölf Tiere mussten laut der LGL-Vertreterin noch während der Kontrollen notgeschlachtet werden. Details seien ihr nicht bekannt.

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Gegen den Betriebsinhaber wird nun ebenso ermittelt wie gegen fünf Mitarbeiter und drei Hoftierärzte. Dabei geht es um Verstöße gegen den Tierschutz, entweder durch Unterlassen oder durch aktives Handeln. Bei den Durchsuchungen am Mittwoch habe man "Unterlagen und Daten" sichergestellt, sagte Michael Haber, Kemptener KripoChef und Leiter der von der Polizei gebildeten Sonderkommission. Darunter seien Dienstpläne, aber auch Handys und ein Laptop. Folgende Fragen stünden im Mittelpunkt: "Wer hat was gewusst, wer hat etwas falsch gemacht oder unterlassen?" Man trage nun be-, genauso aber auch entlastendes Material zusammen.

Der Polizei sei klar, dass die Öffentlichkeit ein hohes Interesse an der Aufklärung habe: "Die 30 Beamten der Soko arbeiten mit Hochdruck", sagte Haber. Durchsucht wurden am Mittwoch Objekte in den Landkreisen Unter- und Oberallgäu, Ravensburg, Weilheim-Schongau, Günzburg und Haßberge (Unterfranken) sowie in Kempten. Dabei handelte es sich um Betriebsstätten, Wohnungen und Tierarztpraxen. 160 Polizisten, elf Staats-anwälte und drei Veterinäre des LGL waren beteiligt.

Soko Tierschutz: Mehr als 400 Stunden Videomaterial

Der Bad Grönenbacher Betrieb muss nun einige Auflagen des Unterallgäuer Veterinäramts erfüllen. Dazu gehört laut einer Sprecherin, dass Landwirt und Mitarbeiter selbstständig keine Tiere mehr töten dürfen. Und der Betrieb muss einen Tierschutz-Beauftragten einstellen. "Zudem musste er in Absprache mit dem Veterinäramt Tierärzte beauftragen, die sich um die ärztliche Betreuung der Tiere kümmern", so die Sprecherin. Eine Schließung des Betriebs habe nicht zur Diskussion gestanden.

Die Soko Tierschutz hat den Behörden über 400 Stunden Videomaterial zur Verfügung gestellt. Zumindest an zwei Standorten des Betriebs seien Kameras installiert worden, sagte Haber. Etwa zwei Drittel des Materials seien inzwischen ausgewertet. "Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass etwas nicht echt ist." Die Aufnahmen seien vor Gericht "wohl verwertbar", sagte Thomas Hörmann, Pressesprecher der Memminger Staatsanwaltschaft. Zwar werde wegen der Videos auch in Richtung Hausfriedensbruch ermittelt, aber der Tierschutz sei ein hohes juristisches Gut. Hörmann sagte, dass auch Ermittlungen wegen Bedrohungen und Beleidigungen gegen die Landwirtsfamilie laufen.

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