Dass sich sein Traum in wenigen Tagen erfüllen wird, daran denkt Christian Walliser nicht. Er hat schlicht keine Zeit dazu. Betriebsamkeit herrschte Sonntagnachmittag auf dem Hof einer Augsburger Spedition, als es darum ging, Wallisers zwölf Bengalische Tiger reisefertig zu machen. Etwa 20 Personen halfen beim Abbau und den Vorbereitungen.
Die Raubkatzen waren die wohl ungewöhnlichsten Gäste, denen das Unternehmen auf seinem Firmengelände für einige Wochen Unterschlupf gewährt hatte. Die Spedition half damit dem 29-jährigen Tierdompteur Walliser entscheidend. Der junge Mann war nach einer verheerenden Tigerattacke während einer Dinnershow in Hamburg vor elf Wochen lebensgefährlich verletzt worden.
Kaum aus dem Koma erwacht, suchte Walliser für die großen Katzen eine geeignete Bleibe in der Nähe seiner Heimat Königsbrunn - und wurde in der Augsburger Spedition Nuber fündig.
Mehrere Hundert Besucher nahmen am Wochenende noch einmal die Gelegenheit wahr, bei der Fütterung der Raubtiere, die zwischen 220 und 300 Kilogramm wiegen, dabei zu sein und sich die Tiger aus nächster Nähe anzusehen. Montagvormittag soll es - nachdem auch noch eine Reifenpanne an einem der Sattelschlepper behoben ist - losgehen nach Wolfratshausen. In der oberbayerischen Stadt gastiert der Zirkus Crocofant.
Am kommenden Samstagnachmittag will sich Walliser mit den Tigern erstmals dem Publikum zeigen. Die Vorstellung ist bereits ausverkauft. Die Dressurnummer selbst dauert etwa eine Viertelstunde. "Ich bin gespannt, wie ich die Requisiten umbauen kann", sagt der Dompteur und denkt dabei an seine linke Hand, die einer seiner Tiger zerfetzt hatte, als er gestolpert und vor dem wuchtigen Tier auf den Boden gefallen war. Trotz täglicher Krankengymnastik "kann ich keine Faust machen und das Gelenk kann ich noch nicht richtig bewegen".
Ab Mittwoch wird - nach dem Aufbau - Walliser für das Comeback mit den Tieren intensiv proben. "Alles sind natürliche Bewegungsabläufe der Tiger. Keiner von ihnen muss durch brennende Reifen springen. Das mach' ich nicht." Klar ist für den gelernten Tierpfleger trotz aller Strapazen auch, dass er mit dem Zirkus Crocofant auf Tour gehen wird. "Das haben wir bereits letzten Sommer vereinbart", sagt er trocken - so, als ob zwischen der Vereinbarung und dem heutigen Tag nie etwas geschehen wäre. Till Hofmann