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Corona-Ausbruch

24.06.2020

Was der Tönnies-Skandal für Bayern bedeutet

Ob ein Produkt im Supermarkt Fleisch von Tönnies enthält, verrät ein Code auf der Verpackung.
Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild,dpa

Plus Der Corona-Ausbruch bei dem ostwestfälischen Schlacht-Konzern hat auch Folgen für Bayern. Die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick.

Die Corona-Pandemie stellt die Welt weiter auf den Kopf. Wegen des massiven Virusausbruchs beim Fleisch-Konzern Tönnies gilt in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf wieder ein Lockdown. Österreich warnt seither vor einer Reise nach Nordrhein-Westfalen. Und es gibt sogar Reisebeschränkungen innerhalb Deutschlands. In Bayern dürfen seit Dienstag Hotels, Pensionen und andere Beherbergungsbetriebe vorerst keine Gäste mehr aus den beiden Landkreisen aufnehmen. Eine Ausnahme gibt es nur für Menschen, die einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können. Gleiches gilt für Mecklenburg-Vorpommern und vielleicht auch bald für weitere Bundesländer. „Es geht um die klassische Urlaubsreise“, sagte der bayerische Staatskanzleichef Florian Herrmann ( CSU). Geschlachtet wird bei Tönnies nun vorerst nicht mehr, 1500 Mitarbeiter hatten sich mit dem Virus infiziert. Auch das Werk in Kempten steht aktuell still. Und nicht nur die bayerische Hotelbranche ist von dem Tönnies-Skandal betroffen: Auch die Bauern haben mit dem Skandal zu kämpfen.

Was bedeutet das Übernachtungsverbot für die Hotelbranche?

Rund 640.000 Menschen leben in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf. Wie viele davon in Bayern tatsächlich Urlaub machen, vermag Thomas Geppert nicht einzuschätzen. In den Augen des Landesgeschäftsführers des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Bayern hält sich der finanzielle Schaden für Bayerns Hotelbranche wohl in Grenzen. Trotzdem bedeuten die Auflagen einen extremen Mehraufwand für die Betriebe: „Bei Online-Buchungen wird zum Beispiel nur die Mailadresse angegeben – der Wohnort muss dann extra einzeln telefonisch abgefragt werden“, sagt Geppert. Der Dehoga arbeite deshalb an breiten Lösungen für die Betriebe, wie etwa Listen mit den betroffenen Postleitzahlen. „Wir überlegen auch eine eventuelle Entschädigung für Stornokosten, auf denen wir sitzen bleiben, bei der Politik einzufordern“, sagt Geppert unserer Redaktion. Denn die Lage in der Branche sei weiterhin prekär.

Was passiert mit Menschen aus den Landkreisen, die schon hier sind?

Dehoga-Landesgeschäftsführer Thomas Geppert wartet diesbezüglich noch auf die konkret ausformulierte bayerische Verordnung, denn die meisten Details hierzu seien noch ungeklärt: „Zumindest Durchreisende aus den Landkreisen, die etwa aus Italien kommen und zum Zeitpunkt der Verordnung nicht in Gütersloh oder Warendorf waren, sollten eigentlich kein Problem darstellen.“ Und Geppert ist sich trotz der neuen Auflagen sicher: „Urlaub in Bayern ist sicher.“

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Müssen Gäste und Hotels mit Strafen rechnen, wenn sie sich nicht an die Auflagen hält?

Auch in diesem Fall gebe es noch keine konkreten Details, berichtet der Dehoga-Landesgeschäftsführer. Nach Angaben von Thomas Geppert gelte aber wohl auch hier ein Bußgeld: „Man ist auf jeden Fall schlecht beraten, sich nicht an die Regeln zu halten.“

Warum betrifft die Tönnies-Schließung die bayerischen Bauern?

Die Schlachtbetriebe stehen still. Und wenn nicht mehr geschlachtet wird, müssen die Bauern ihre Tiere vorerst in den Ställen lassen. Dort müssen sie weiter versorgt werden – und das kostet Geld. Zudem befürchtet der Bauernverband einen Preisverfall wegen eines drohenden Überangebots an Schweinen. Außerdem könnte der Platz in Bayerns Ställen unter Umständen bald knapp werden. 0,75 Quadratmeter sind für jedes Tier gesetzlich vorgeschrieben. Weil viele Bauern allerdings Verträge mit Züchtern für die Anschaffung von Jungtieren haben, die alten Tiere jedoch nicht loswerden, könnte es bald eng werden in den Ställen. Der Verband ist auf der Suche nach Lösungen.

Wie erkenne ich Tönnies-Fleisch im Supermarkt?

Ob ein Produkt im Supermarkt Fleisch von Tönnies enthält, verrät ein Code auf der Verpackung, berichtet die Verbraucherzentrale NRW der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Fleisch und Wurst mit Fleisch von Tönnies ist demnach mit folgenden Nummern gekennzeichnet:

  • NW20202 EG
  • NW 20028 EG
  • NW 20045 EG

Für alle Fleischesser, denen ein solcher Code zu kompliziert ist, lohnt sich auch ein Blick auf die Marke. Denn die kann ebenfalls Aufschluss darüber geben, woher das Fleisch in der Wurst kommt. In den Produkten der Marken Tillman’s, Landjunker, Meine Metzgerei und Zur Mühlen Gruppe kann der Verbraucherzentrale zufolge Fleisch von Tönnies stecken. Welche Produkte das genau sind, lesen Sie hier.

Kann man sich über das Tönnies- Fleisch mit Corona infizieren?

Wie die Verbraucherzentrale NRW berichtet, gibt es keine nachgewiesenen Fälle, dass sich Menschen durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch den Kontakt mit kontaminierten Gegenständen mit dem Coronavirus infiziert haben. „Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren verunreinigt worden sind, sind durch Schmierinfektionen zwar denkbar. Da die Viren in der Umwelt aber nur eine geringe Stabilität haben, ist das nur für einen relativ kurzen Zeitraum wahrscheinlich. Demnach ist es nach derzeitigem Wissensstand auch unwahrscheinlich, dass Lebensmittel Quelle einer Infektion mit dem Virus sein könnten“, heißt es weiter. Nach jetzigem Kenntnisstand sei der Verzehr des Fleisches aus Tönnies-Betrieben in Rheda-Wiedenbrück unbedenklich, sagte Sabine Klein von der Verbraucherzentrale NRW der WAZ.

Es gibt aber auch Experten, die das Infektionsrisiko über Tönnies-Fleisch ganz anders einschätzen: „Das Fleisch ist brandgefährlich. Wenn es nicht stark erhitzt wurde, kann man es nicht mehr verwenden“, sagt Prof. Klaus-Dieter Zastrow, Chef des Hygieneinstituts in Berlin, gegenüber der Bild. „Man kann jetzt nicht einfach die aktuelle Produktion abverkaufen, sonst geht damit noch mal eine richtige Viruswelle übers Land.“

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