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Corona-Richtlinien

22.10.2020

Was gilt eigentlich als "Haushalt"? Wir erklären Details der Corona-Regeln

So klar wie diese Corona-Regeln, die an einem Supermarkt stehen, sind nicht alle Richtlinien. Wir klären, wer sich in Bayern nun mit wem treffen darf und welche Zahlen entscheidend sind.
Bild: Jens Kalaene, dpa

Die Corona-Regeln sorgen immer wieder für Verwirrung. Wie war das noch mal mit dem Treffen zweier Haushalte? Welche Zahlen sind wichtig? Und was gilt für Verwandte?

Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen gelten nun wieder schärfere Regeln, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. In Bayern wurde die "Corona-Ampel" eingeführt. Die bezieht sich auf die sogenannte Inzidenz, also die Anzahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner im entsprechenden Kreis beziehungsweise der kreisfreien Stadt. Grün und damit weniger Einschränkungen gelten bei einer Inzidenz von weniger als 35, Gelb bei einer Inzidenz über 35 aber unter 50 und Rot ab einem Wert von 50. Am Mittwoch kündigte Markus Söder zudem an, ab einer Inzidenz von 100 die neue Stufe "Dunkelrot" einzuführen, für die dann weitere Einschränkungen gelten.

Fünf Personen? Zwei Haushalte? Mit wem darf ich mich jetzt eigentlich treffen?

Bei einem Inzidenz-Wert zwischen 35 und 50 dürfen sich in Bayern lediglich zwei Haushalte oder zehn Personen treffen, bei einem Wert über 50 wird der erlaubte Kontakt auf zwei Hausstände oder maximal fünf Personen begrenzt. Wichtig ist das "oder". Das heißt, auch in einem Risikogebiet dürfen sich fünf Freunde aus fünf verschiedenen Haushalten treffen. Wenn sich lediglich zwei Haushalte treffen, ist das auch dann erlaubt, wenn dadurch mehr als fünf Menschen zusammenkommen, bestätigt eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums.

Generell gilt aber die Empfehlung, die physischen Kontakte zu anderen Menschen auf ein Minimum zu reduzieren und den Personenkreis möglichst konstant zu halten.

Corona-Regeln: Was genau zählt eigentlich als Haushalt?

Der Begriff "Haushalt" (im Gesetzestext ist vom Synonym "Hausstand" die Rede) spielt in den Regeln eine besondere Rolle: Zwei Haushalte dürfen sich unabhängig von der Anzahl der Personen treffen. Auf den ersten Blick scheint klar zu sein, was ein Haushalt ist: Die Menschen, mit denen Sie zusammenleben. Doch was ist mit der Freundin, die übers Wochenende zu Besuch kommt? Oder mit dem Kumpel, der vorübergehend in einem leeren WG-Zimmer unterkommt? Von Gesundheitsministerium heißt es, unter den Begriff Hausstand würden "alle Personen fallen, welche dauerhaft in einem gemeinsamen Haushalt leben." Besucher zählen also nicht dazu.

Regelung für Familien: Was gilt als "Verwandte in gerader Linie"

Ebenso wie für Haushaltsangehörige gibt es auch für "Verwandte in gerader Linie" besondere Regeln - allerdings nur, solange die Inzidenz in einer Region unter 35 liegt. Bis zu diesem Grenzwert darf man sich mit Verwandten in gerader Linie im öffentlichen Raum unabhängig von der Anzahl der Personen und Haushalte treffen. Sobald der Wert überschritten ist, gelten aber keine besonderen Regeln mehr für Verwandte. Dann gelten die Beschränkungen auf Haushalte und Personenzahl, unabhängig vom Verwandschaftsgrad.

Verwandte in gerader Linie sind zum Beispiel die eigenen Eltern, Großeltern, Kinder und Enkel. Die Seitenlinien, also etwa Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen zählen nicht dazu. Auch Geschwister gelten nicht als Verwandte in gerader Linie – sie werden im Gesetz aber zusätzlich genannt, wie auch Ehegatten, Lebenspartner und Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft.

LGL und RKI melden unterschiedliche Inzidenzwerte für meinen Ort. Welcher Wert zählt?

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichen aktuelle Corona-Zahlen – diese unterscheiden sich aber oft. Der Meldeweg ist folgender: Die einzelnen Gesundheitsämter der Städte und Kreise melden ihre Zahlen an das LGL, dieses übermittelt die bayernweiten Zahlen mehrmals täglich an das RKI. Bei der Veröffentlichung bezieht sich das RKI auf den Stand um Mitternacht. Das LGL nutzt laut Gesundheitsministerium einen aktuelleren Datenstand um 8 Uhr. So ist das LGL in der Regel aktueller und meldet zum Teil höhere Zahlen. "Im Zweifel gilt der höhere Wert", erklärt die Ministeriumssprecherin. Ob nun strengere Beschränkungen gelten, kann man in der Liste des Ministeriums sehen, die jeden Tag um 15 Uhr online aktualisiert wird. Wird ein Ort dort erstmals genannt, gelten die neuen Regeln ab dem Folgetag. Eine täglich aktualisierte Übersicht über die Lage in den Landkreisen der Region finden Sie auch auf unserer Seite.

Wer entscheidet, wie lange die angepassten Corona-Regeln in Kraft bleiben?

In der Regel bleiben die strengeren Maßnahmen nach Überschreiten des (Früh-)Warnwerts eine Woche lang in Kraft. "Jede Kommune ist befugt, die Corona-Regeln anzupassen und möglicherweise zu verlängern", heißt es vom Gesundheitsministerium. Im Berchtesgadener Land wurden die verschärften Regeln wegen des hohen Infektionsgeschehens zum Beispiel direkt auf zwei Wochen verlängert. Verkürzt werden die Maßnahmen aber in der Regel nicht, auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenz wieder unter den (Früh-)Warnwert fällt.

Darf ich statt einer Maske auch ein Schutzvisier tragen?

Bayerns Gesundheitsministerium stellt auf seiner Internetseite dazu klar: "Visiere sind nicht zur Verhinderung der Virenausbreitung geeignet und erfüllen nicht die Anforderungen des Infektionsschutzes." Bei Visieren könnten sich Tröpfchen - vor allem durch die großzügige Öffnung nach unten und oben - nach wie vor leicht verteilen. Wie genau eine Maske auszusehen hat, ist nicht vorgegeben. Aber eine Maske gilt laut Gesundheitsministerium als geeignet, "wenn Mund und Nase durch die Maske beim Tragen bedeckt werden." Das könne auch mit einem Schal oder Tuch erreicht werden. Ein Taschentuch ist übrigens nicht ausreichend, auch darauf weist das Ministerium hin.

Visiere sind natürlich nicht verboten – aber eben auch nicht ausreichend. Sie sollen laut Gesundheitsministerium "lediglich ergänzend zur Mund-Nasen-Bedeckung verwendet werden". (mit Jessica Berger)

Lesen Sie auch: FFP2-Masken für Risikopatienten: Wie gut ist der Schutz?

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23.10.2020

Ein Haushalt ist der Ort von dem die höchsten Gefahren in dieser Pandemie ausgehen. Es ist absolut falsch wenn bei Personenansammlungen immer die Rede von aus einem Haushalt, aus 2 Haushalten o.ä. die Rede ist.

Permalink
23.10.2020

Zitat: "Bis zu diesem Grenzwert darf man sich mit Verwandten in gerader Linie im öffentlichen Raum unabhängig von der Anzahl der Personen und Haushalte treffen."
Was gilt im privaten Raum?

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