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Armut und Krankheit: Bahnhofsmissionen in Bayern am Limit

Hilfsangebot

„Kapazitäten erschöpft“: Bayerns Bahnhofsmissionen schlagen Alarm

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    Zwei Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission gehen durch den Hauptbahnhof. Die Bahnhofsmission München bietet Hilfe für Flüchtlinge, Reisende und Obdachlose.
    Zwei Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission gehen durch den Hauptbahnhof. Die Bahnhofsmission München bietet Hilfe für Flüchtlinge, Reisende und Obdachlose. Foto: Sven Hoppe, dpa

    Die zwölf bayerischen Bahnhofsmissionen haben im Jahr 2025 einen Höchststand an Anfragen registriert. Rund 620.000 Kontakte und mehr als eine Million konkrete Hilfeleistungen erfassen die Statistiken der Einrichtungen. Das entspricht einem Zuwachs von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hauptanlaufstelle im Freistaat bleibt München mit allein 330.000 Kontakten.

    Hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine deutliche Veränderung bei der Klientel, so die Diakonie Bayern. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen in Bayern befinden sich 86 Prozent der Gäste in besonders schwierigen Lebenslagen. Armut und soziale Isolation gehen dabei zunehmend mit massiven gesundheitlichen Problemen einher.

    Helfer organisieren medizinische Hilfe vor Ort häufiger selbst

    Der Anteil von Menschen mit psychischen Auffälligkeiten stieg im vergangenen Jahr landesweit auf 23 Prozent. Lokale Auswertungen bestätigen den Trend: Die Würzburger Einrichtung meldet einen Anstieg von 50 Prozent bei körperlich erkrankten Besuchern. Das dortige Leitungsteam berichtet, dass viele Gäste kaum noch an die medizinische Regelversorgung angebunden sind. Passende medizinische Hilfe zu organisieren, wird für die Helferinnen und Helfer vor Ort zunehmend zu einer Herausforderung.

    Anita Dorsch leitet die Bahnhofsmission in Nürnberg und beobachtet diese Entwicklung täglich. „Es wird zunehmend sichtbar, wie stark Menschen von Krankheit gezeichnet sind und wie schwierig ihre Lebenssituationen geworden sind“, sagt Dorsch. Die Kapazitäten der Einrichtung seien erschöpft.

    Bayerische Staatsregierung fördert hauptamtliche Koordination

    Getragen wird der Betrieb an den Bahnhöfen maßgeblich durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Sie verteilen Notverpflegung, greifen bei akuten Krisen ein und vermitteln an Fachstellen. Da sich Freiwillige heute jedoch seltener langfristig binden und eher projektbezogen arbeiten, steigt der organisatorische Aufwand für die Einarbeitung neuer Kräfte, erklärt die Diakonie Bayern.

    Seit 2024 fördert die bayerische Staatsregierung Stellen für Hauptamtliche, welche die Koordination der Ehrenamtlichen übernehmen. Vertreter von IN VIA Bayern und dem Diakonischen Werk Bayern fordern, diese Strukturen langfristig zu sichern, um eine weitere Überlastung des Personals zu verhindern.

    Um auf die veränderte Situation und den wachsenden Bedarf an unbürokratischer Hilfe aufmerksam zu machen, beteiligen sich mehrere bayerische Städte am bundesweiten Tag der Bahnhofsmission. Rund um den 18. April planen die Standorte in Bayern verschiedene Informationsangebote an den Bahnhöfen.

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