Manchem mag künstliche Intelligenz, kurz KI genannt, unheimlich sein. Andere vertrauen dem Ding ohne größere Umstände wesentliche Teile ihres Lebens an. Es verwaltet die Ersparnisse und schreibt geschliffene Geschäftsbriefe. KI tröstet bei Liebeskummer und ist gern auch mit medizinischem Rat oder in Modefragen behilflich. Nun soll die vermeintliche Retterin in vielen Lebenslagen auch in Bayerns Amtsstuben für frischen Wind sorgen.
Dort wird nun nämlich Rechtsgeschichte geschrieben, wie der Bayerische Staatsminister Florian Herrmann (CSU) mit gewissem Stolz verkündet hat. Der Jurist ist zuständig für die Entbürokratisierung im Freistaat und findet, dass die Künstliche Intelligenz zu mehr taugt als bloßen Hilfsdiensten. Sie wird befördert. Künftig soll sie simple Ermessensentscheidungen selbst treffen dürfen. Als Beispiele nannte Herrmann einfache Baugenehmigungen, Veranstaltungs-Erlaubnisse oder auch die Zulassung von Autos. Das soll die KI besser können als Kollege Mensch, der dafür mutmaßlich beim Abstauben der Aktenregale gewisse Vorteile hat.
KI soll einfache Entscheidungen übernehmen
Entschuldigung, das war jetzt boshaft. Selbstredend gibt es in kürzester Kürze in Bayerns Behörden keine Aktenstapel mehr und erst recht nicht welche, die Staub ansetzen würden. Das verhindert die Kollegin KI.
Richtig ist zwar, dass auch sie alles andere als unfehlbar ist. KI hat schon versehentlich wertvolle Computerprogramme gelöscht, krude Falschaussagen in die Welt gesetzt und Unschuldige hinter Gitter gebracht, womit erstens bewiesen wäre, dass Irren keine ausschließlich menschliche Eigenschaft mehr ist. Viel praktischer aber ist Erkenntnis Nummer zwei: Sollte künftig was schief laufen in Bayerns Amtsstuben, steht der Sündenbock schon fest.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren