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Das sagt Michaela May zum Tod ihres Freundes Günther Maria Halmer

Münchner Geschichten

Michaela May: „Jetzt bin ich die Letzte, die noch lebt“

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    „So is des im Leben – zerst is schee und dann is auf amoi ois vorbei“: Michaela May verband eine lange Freundschaft Günther Maria Halmer.
    „So is des im Leben – zerst is schee und dann is auf amoi ois vorbei“: Michaela May verband eine lange Freundschaft Günther Maria Halmer. Foto: Andreas Costanzo, Imago

    Um ein Haar hätte sie die Rolle, auf die sie bis heute angesprochen wird, gar nicht bekommen. Als der Regisseur Helmut Dietl daheim anruft, kurvt Michaela May gerade mit zwei VW-Bussen und ein paar Freunden durch Afrika. Die Reise abbrechen für einen Fernsehjob? Keine Option. Nur weil einer der Camper den Geist aufgibt und die Gruppe auch noch ausgeraubt wird, kommt die Schauspielerin dann doch früher nach Hause – und gerade noch rechtzeitig, um an der Seite von Günther Maria Halmer in den „Münchner Geschichten“ zu spielen. Die Serie wird zum Kult. Weil Dietl die Stadt und deren Menschen zeichnen kann wie kein anderer, aber auch wegen der grandiosen Besetzung. In den 70er Jahren war das. „Jetzt bin ich die Letzte, die noch lebt“, sagt Michaela May.

    Michaela May zum Tod von Halmer: „Zerst is schee und dann is auf amoi ois vorbei.“

    Vor ein paar Tagen hat sie die Trauerrede auf Halmer gehalten. Und sie tat dies in Erinnerung an eine unvergessliche Szene aus jenen „Münchner Geschichten“. Drei junge Männer am Isarufer. Verkleidet als gestrandete Existenzen aus dem „Wilden Westen“. Sitzen auf Klappstühlen, sinnieren, schauen dem Wasser hinterher und der zu Ende gehenden Faschingszeit. „So is des im Leben – zerst is schee und dann is auf amoi ois vorbei.“ Ein Satz, so dankbar und so wehmütig zugleich. „Und genau so fühlt es sich gerade an, wenn ich an den Günther denke“, sagt die 74-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.

    Michaela May als Susi mit Günther Maria Halmer (rechts hinten) als Tscharlie in den „Münchner Geschichten“. Vorn: dessen Kumpel Achmed (Towje Kleiner) und Gustl (Frithjof Vierock).
    Michaela May als Susi mit Günther Maria Halmer (rechts hinten) als Tscharlie in den „Münchner Geschichten“. Vorn: dessen Kumpel Achmed (Towje Kleiner) und Gustl (Frithjof Vierock). Foto: Bayerischer Rundfunk

    In der Serie spielte May die „Susi“. Das war die Freundin vom Tscharlie, einem jungen Mann, der auszog, um die Welt zu erobern, aber selbstverständlich nur, wenn das geht, ohne sich groß anstrengen zu müssen. Ein ziemlicher Aufschwätzer eigentlich, mit einer Schwäche für halbseidene Typen. Einer, der beim Vorstellungsgespräch mit seiner „Dreiviertelreife“ prahlt. Was man halt so hat als abgebrochener Gymnasiast – irgendwas zwischen Mittlerer Reife und Abitur. Ein Hallodri, aber dabei derart sympathisch, dass ihm keiner lange böse sein konnte. Nicht die Oma, gespielt von der legendären Therese Giehse. Und erst recht nicht seine Susi, mit der er eine „On-off-Beziehung“ führt, wie man das heute nennen würde.

    Günther Maria Halmer haderte mit der Rolle des Tscharlie

    Für Günther Maria Halmer wurde es die Rolle seines Lebens, auch wenn er eine Zeit lang damit haderte und allen beweisen wollte, dass in ihm mehr steckt als dieser ewige Tscharlie. Möglichst weit weg wollte er. Und kam doch immer wieder zurück. Dass die „Münchner Geschichten“ auch ein halbes Jahrhundert später noch so viele Menschen bewegen, hat aus Sicht von Michaela May neben großen Darstellern wie Karl Obermayr, Gustl Bayrhammer oder Hans Brenner vor allem damit zu tun, dass Helmut Dietl in der Serie ein ganz neues Bild von Bayern, von München erschaffen hatte.

    „Es war das erste Mal, dass ein junger Bayer anders dargestellt wurde, als im Komödienstadel oder im Königlich-Bayerischen Amtsgericht. Ohne Schuhplatteln, ohne Lederhose. Kein Bierdimpfl, sondern ein Mann mit Idealen, mit Träumen“, erzählt sie. „Im Tscharlie steckte eine tiefe Sehnsucht, auszubrechen, das Leben auszukosten, die unangenehmen Dinge einfach mal liegenzulassen. Und diese Sehnsucht hatten der Günther und ich damals auch“, erinnert sich May an die Dreharbeiten mit Halmer.

    Michaela May: „Wenn ich an ihn denke, ist da eine große Wärme“

    Die beiden wurden Freunde und das blieb so, bis zum Schluss. „Wir sind schon auch verschiedene Wege gegangen, aber der Kontakt ist nie abgerissen. Da war von Anfang an eine Seelenverwandtschaft. Ich habe seine Kinder aufwachsen sehen und er meine. Und wenn ich jetzt an ihn denke, dann ist da vor allem eine große Wärme“, sagt May, die auch in anderen bayerischen Klassikern wie dem „Monaco Franze“, „Kir Royal“ oder „Irgendwie und Sowieso“ mitspielte.

    Freunde fürs Leben: Michaela May 2014 mit Günther Maria Halmer (links) und Elmar Wepper.
    Freunde fürs Leben: Michaela May 2014 mit Günther Maria Halmer (links) und Elmar Wepper. Foto: Tobias Hase, dpa

    Jahrzehnte nach den „Münchner Geschichten“, so erzählt sie, hatte Halmer übrigens die Idee, noch eine weitere, eine letzte Geschichte zu erzählen. Es habe sogar Gespräche mit Regisseur Dietl gegeben, der damals aber schon zu krank gewesen sei, um das Drehbuch zu schreiben. Sonst wüssten die Zuschauerinnen und Zuschauer jetzt vielleicht, wie es weitergegangen sein könnte mit der Geschichte vom Tscharlie und seiner Susi.

    „Wir haben gerne darüber geredet, der Günther und ich, was wohl aus ihnen geworden wäre: Sind sie zusammengeblieben, obwohl der Tscharlie doch seine Freiheit so sehr liebte? Sind sie gemeinsam alt geworden? Das wäre doch schön gewesen. Vielleicht nach Italien ausgewandert oder sonst wohin? Ich war mir eigentlich sicher, dass die beiden in München bleiben“, sagt May und sie klingt, als würde sie über zwei alte Freunde sprechen. Und das sind sie ja auch gewesen. Der Tscharlie und die Susi. Der Günther und die Michaela.

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