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Wie dieser Familienbetrieb aus dem Allgäu gehörlosen Monteuren eine Chance gibt

Bayerns Mutmacher

Dieser Familienbetrieb aus dem Allgäu gibt gehörlosen Monteuren eine Chance

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    Für Alexander (rechts) und Max Müller steht bei „Fenster Müller“ nicht nur gutes Handwerk im Mittelpunkt, sondern auch ein familiäres Miteinander.
    Für Alexander (rechts) und Max Müller steht bei „Fenster Müller“ nicht nur gutes Handwerk im Mittelpunkt, sondern auch ein familiäres Miteinander. Foto: Dominik Erhard

    Alexander Müller ist mächtig stolz auf seinen Job. Das merkt man sofort, als der Fenstermonteur über eine Baustelle in der Nähe von Buchloe führt und dabei eine frisch eingesetzte Glasfront begutachtet. Zwei große Scheiben, jede einzelne 120 Kilogramm schwer, sind dort verbaut. „Dreifachglas“, sagt Müller knapp und grinst. „Das war ganz schön harte Arbeit.“

    Herausfordernd war für ihn auch der Weg in den Arbeitsmarkt, denn Müller ist gehörlos. Einen guten Job zu finden, sei für ihn daher alles andere als selbstverständlich. Beim Familienunternehmen „Fenster Müller“ aus Lindenberg im Landkreis Ostallgäu spielt sein Handicap allerdings keine Rolle. Im Betrieb arbeiten gleich drei gehörlose Monteure – sehr zur Freude Müllers.

    Geschäftsführer Max Müller setzt auf Inklusion bei der Arbeit

    „Auf der Baustelle haben wir großen Spaß zusammen“, sagt dieser und wirft Sven Handwerk ein Lächeln zu. Der setzt gerade die Wasserwaage an ein kleineres Fenster an. Drinnen im Haus bohrt Ludwig Haller. Die drei kennen sich seit der Kindheit, Müller und Handwerk absolvierten gemeinsam eine Ausbildung zum Schreiner. Als Müller 2018 in den Familienbetrieb wechselte, holte er seine beiden Freunde kurzerhand mit ins Boot.

    Geschäftsführer und Bruder Max Müller erlebt im Arbeitsalltag kaum Unterschiede zu seinen hörenden Mitarbeitern. „Gelegentlich muss man etwas zweimal erklären. Aber das war es auch schon.“ Vor Ort zeigt sich, dass die Verständigung einfacher funktioniert, als Außenstehende vermuten würden. Im Gespräch mit Alexander kommt es hauptsächlich darauf an, langsam und deutlich zu sprechen. So kann der 34-Jährige die Worte über sein Cochlea-Implantat – eine elektronische Hörprothese – besser verstehen und gleichzeitig von den Lippen ablesen. Wird dies beachtet, ist eine Unterhaltung problemlos möglich.

    Unternehmen schenken gehörlosen Mitarbeitern laut Max Müller wenig Vertrauen

    „Und dennoch fehlt vielen Unternehmen das Vertrauen in gehörlose Arbeitskräfte“, meint sein Bruder. Häufig bekämen Betroffene lediglich Leiharbeitsverträge, anspruchsvollere Aufgaben würden ihnen nur selten zugetraut. Warum das so ist, kann sich der gelernte Einzelhandelskaufmann nicht erklären: „Das ist völliger Schwachsinn.“ Auf seine Monteure hält er jedenfalls große Stücke, sei es fachlich oder menschlich. Dabei schätzt Max Müller etwa die große Loyalität seiner drei gehörlosen Kollegen.

    Da sie es in anderen Betrieben häufig schwerer hätten, sich zu integrieren – egal ob am Mittagstisch oder im Arbeitsalltag selbst –, würden sie sich umso angenommener fühlen und entsprechend stark mit dem Unternehmen identifizieren. Auch bei den Kunden komme das Team gut an. Viele schätzten die konzentrierte Atmosphäre auf den Baustellen.

    Benefizaktion „Schenk ein Lächeln“ stärkt Zusammenhalt in der Region

    Dass Inklusion bei „Fenster Müller“ nicht bei der eigenen Belegschaft endet, zeigt sich abseits der Baustellen. Seit Jahren veranstaltet das Unternehmen in der Weihnachtszeit die Benefizaktion „Schenk ein Lächeln“. Dann lädt die Familie Müller Menschen aus der Region zum gemeinsamen Essen und Zusammensein ein. Unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status. Hauptorganisator und Vater der beiden Brüder, Alexander Müller Senior, betont: „Die Veranstaltung ist für alle.“

    Dieses Prinzip spiegelt sich im Finanzierungsmodell wider: Jeder, der das gemeinsame Essen genießen möchte und es sich leisten kann, begleicht die Rechnung selbst. Wer die Kosten nicht stemmen kann, für den bezahlt der Veranstalter. Um die Anonymität zu wahren, sind die Kassen auf dem Weg zur Toilette platziert – sodass niemand erkennt, wer zahlt und wer nicht.

    „Schenk ein Lächeln“ schafft Freundschaften und vereint

    Nach dem gemeinsamen Essen stürmen die Besucherinnen und Besucher die Tanzfläche. Besonders gerne erinnert er sich Müller Senior an die Aktion 2024, als eine über 90 Jahre alte Frau zunächst eher zögerlich und in Begleitung ihres Enkels teilnahm. Der Geist der Feier riss sie jedoch schnell mit. „Als die Fete gegen halb zehn ausklang, entdeckte ich sie noch immer auf der Tanzfläche“, erzählt Müller Senior. „‚Jetzt sind Sie aber lang geblieben‘, sagte ich. ‚Schade, dass es schon vorbei ist‘, antwortete sie.“

    Gute Auftragslage stabilisiert Fenster Müller trotz Kostendruck

    Gerade solche Momente bleiben ihm besonders im Gedächtnis. Ebenso wie die Tatsache, dass sich aus dem Abend heraus immer wieder neue Begegnungen und Freundschaften entwickeln. Viele der Gäste treffen sich inzwischen auch unter dem Jahr regelmäßig auf einen Kaffee. „Die Leute glücklich zu sehen, ist etwas ganz Besonderes“, sagt er.

    „Ich bin stolz, das Familienunternehmen weiterführen zu dürfen.“

    Max Müller, Geschäftsführer

    Doch selbst Unternehmen, die noch so sehr auf Gemeinschaft und Stabilität setzen, bleiben nicht losgelöst von äußeren Entwicklungen. So spürt „Fenster Müller“ die angespannte Lage rund um die Straße von Hormus bei den Spritpreisen für die firmeneigenen Sprinter. Gleichzeitig seien Bauteile, etwa Schrauben oder Kunststoff, zuletzt deutlich teurer geworden. „Bislang haben wir das geschluckt“, sagt Max Müller. Sollte der Kostendruck jedoch weiter steigen, sei es nicht ausgeschlossen, dass ein Teil davon künftig auch an die Kunden weitergegeben werden müsse.

    Geschäftsführer Max Müller richtet den Blick trotz Krisen im Handwerk nach vorne

    Trotz dieser Entwicklungen möchte Müller den Fokus nicht auf Probleme richten. Die Auftragslage seiner Firma beschreibt der 34-Jährige als „super“. Ohnehin überwiegt bei ihm die Freude an der eigenen Aufgabe: „Ich bin stolz, das Familienunternehmen weiterführen zu dürfen.“ Geht es um die langfristige Perspektive, bleibt er gelassen und humorvoll: Am Kühlschrank seines Vaters prangte jahrelang ein Aufkleber mit der Aufschrift „Rente mit 60“. Für derartige Gedanken fühlt sich der 34-Jährige allerdings noch deutlich zu jung. Bei ihm gilt vielmehr das Motto: „Erst einmal richtig loslegen.“

    Seine Vorstellung über die Zukunft von „Fenster Müller“ ist daher klar: Viel wichtiger als große Expansionspläne ist ihm, dass der familiäre Charakter des Unternehmens erhalten bleibt. Eine kleine Szene, die sinnbildlich für dieses Miteinander steht, ereignet sich am Ende der Baustellenführung: Dort trifft Alexander auf seinen großen Bruder. Die beiden begrüßen sich mit einem lässigen Handschlag, anschließend legt jeder dem anderen kurz den Arm über die Schulter. Selbstverständlich im Arbeitsalltag der Familie Müller.

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