Startseite
Icon Pfeil nach unten
Bayern
Icon Pfeil nach unten

Kommunalwahl in Bayern: In München könnte die OB-Wahl zur Sensation werden

Kommunalwahl 2026

In München könnte die OB-Wahl zur Sensation werden

  • |
  • |
  • |
  • |
    Dominik Krause (Grüne, links), Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD, Mitte) und Clemens Baumgärtner (CSU) wollen allesamt München nach der Kommunalwahl leiten.
    Dominik Krause (Grüne, links), Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD, Mitte) und Clemens Baumgärtner (CSU) wollen allesamt München nach der Kommunalwahl leiten. Foto: Imago/Felix Hörhager, dpa

    Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter sieht das alles lässig. „Meine Nervosität ist nicht sonderlich ausgeprägt“, sagt der SPD-Politiker kurz vor der Wahl im Münchner Presseclub und lehnt sich auf seinem Stuhl zurück. Selbst wenn es in die Stichwahl gehen sollte, gibt sich Reiter entspannt: Die habe er schließlich auch schon zweimal erlebt. Sowohl bei seinem ersten Versuch im Jahr 2014 als auch bei den Kommunalwahlen 2020 stammten Reiters Stichwahl-Gegner von der CSU. Diesmal könnte es anders kommen.

    Reiters Verfolger im Kopf-an-Kopf-Rennen

    Nur wie, diese Frage gilt es genauer zu betrachten. Schon weit vor Beginn des Wahlkampfs zeichnete sich ab, dass es auf einen Dreikampf um den Posten im neugotischen Münchner Rathaus hinausläuft. In der jüngsten Forsa-Umfrage von Ende Januar steht der gelernte Verwaltungswirt und dreifache Vater Reiter bei 45 Prozent. Deutlich dahinter in einem Kopf-an-Kopf-Rennen: der Grünen-Bewerber Dominik Krause, 35, und CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner, 49. Beide sieht die Forsa-Prognose mit je 20 Prozent der Stimmen gleichauf.

    Im für die SPD besten Fall holt Reiter gleich im ersten Wahlgang mindestens 50 Prozent der Stimmen. Manche halten das nicht für unrealistisch. Ein ohne Umschweife gekrönter Sozialdemokrat im Herzzentrum des CSU-konservativen Bayern, sein Amtssitz nicht einmal zwei Kilometer entfernt vom Landtag: Würde Reiter die fehlenden fünf Prozentpunkte zur absoluten Mehrheit am 8. März noch herausholen, wäre das eine der großen Sensationen dieser Kommunalwahlen.

    Das Arbeitsverhältnis von Dieter Reiter (links) und Markus Söder (Mitte) gilt als pragmatisch, aber durchaus von Sympathie geprägt. Hier sind sie bei einem Termin zu Münchens Olympia-Bewerbung.
    Das Arbeitsverhältnis von Dieter Reiter (links) und Markus Söder (Mitte) gilt als pragmatisch, aber durchaus von Sympathie geprägt. Hier sind sie bei einem Termin zu Münchens Olympia-Bewerbung. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat Reiter indirekt überhaupt erst ermöglicht, dass er mit 67 Jahren für eine dritte Amtszeit antreten kann. Vor zwei Jahren hat die Staatsregierung die Altersgrenze für Kommunalpolitiker abgeschafft. Reiter soll an der Entscheidung nicht unwesentlich mitgeschraubt haben.

    Söders und Reiters Verhältnis gilt als durchaus von Sympathie geprägte Arbeitsbeziehung. Zuletzt zogen sie bei der Bewerbung Münchens um die Olympischen Spiele erfolgreich an einem Strang. Auf gemeinsamen Terminen sieht man sie auch mal zusammen Späße reißen.

    OB-Wahl in München: Der Grüne Krause war schon Rathauschef

    In München regiert die SPD mit den Grünen. Deren OB-Kandidat Dominik Krause ist nur etwas mehr als halb so alt wie der Amtsinhaber. In der Politik ist er ein alter Hase, sitzt seit 2014 im Stadtrat, seit 2023 ist er Münchens zweiter Bürgermeister. Der studierte Physiker Krause lebt mit seinem Ehemann in Giesing. Die hohen Mieten sind aus seiner Sicht Münchens größtes Problem.

    Dominik Krause, 2. Bürgermeister der Stadt München, hat in einer Giesinger Brauerei schon den Fassanstich geprobt.
    Dominik Krause, 2. Bürgermeister der Stadt München, hat in einer Giesinger Brauerei schon den Fassanstich geprobt. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Krause will 50.000 neue Wohnungen bauen, den Mieterschutz verbessern, erneuerbare Energien und Radwege ausbauen. Er war schon mal kurz Rathauschef, im Sommer 2025, als Reiter wegen einer Schulter-Operation mehrere Wochen ausfiel.

    Geräuschlos und kompetent habe Krause die Geschäfte geführt, da sind sich viele Beobachter einig. Genauso wie in der Annahme, dass die kommende Wahl für den leidenschaftlichen Tänzer und Jogger eher ein Warmlaufen für die nächste im Jahr 2032 ist. Oder für den Fall, dass Dieter Reiter seine nächste Amtszeit frühzeitig beendet.

    CSU-Mann Clemens Baumgärtner (rechts), hier mit Dieter Reiter, war als Wirtschaftsreferent sechs Jahre für die Wiesn verantwortlich.
    CSU-Mann Clemens Baumgärtner (rechts), hier mit Dieter Reiter, war als Wirtschaftsreferent sechs Jahre für die Wiesn verantwortlich. Foto: Lennart Preiss, dpa

    Auch CSU-Mann Clemens Baumgärtner weiß, wie es ist, in München Chef zu sein. Wiesn-Chef, in seinem Fall. Von 2019 bis 2025 war Baumgärtner Münchner Wirtschaftsreferent und damit führend verantwortlich für das größte Volksfest der Welt. Doch statt beim Pressetermin nur neben dem OB im Riesenrad zu sitzen, möchte der 49-jährige Vater zweier Töchter dessen Platz einnehmen.

    Baumgärtner hat sich in den sechs Jahren als Wirtschaftsreferent den Ruf eines Machers erworben, der die Automesse IAA nach München holte und den Deal mit Superstar Adele einfädelte, die im Sommer 2024 zehn Konzerte exklusiv an der Messe Riem spielte. Ein Macher aber auch, der sich gerne selbst inszeniert.

    Seit er vor einem Jahr als Wirtschaftsreferent abgewählt wurde, widmet sich Baumgärtner ganz dem Wahlkampf. Seine wichtigsten Themen: Wirtschaft, klar, Sauberkeit und Sicherheit. Dennoch sieht es in den Prognosen so aus, als könnte sich das Stichwahl-Trauma der CSU auch mit Baumgärtner fortsetzen.

    Dieter Reiter macht in München Politik über Instagram

    Amtsinhaber Reiter, der in Rain am Lech geboren wurde, wirbt im Wahlkampf vor allem mit sich selbst: „München. Reiter. Passt.“ In seinem 12. Rathausjahr gibt er sich nicht nur bei den Outfits immer lässiger, sondern hat auch das Politikmachen via Instagram für sich entdeckt. Über seinen Account dieter_reiter_089 teilt er fast jeden Tag kurze Videos und Beiträge mit seinen 63.000 Followern, macht seinem Ärger über den „Tempo-30-Irrsinn“ am Mittleren Ring Luft oder erläutert seine Ideen für erschwingliches Wohnen und Mieten.

    Mit seinen Referatsleitern lag Reiter zuletzt regelmäßig im Clinch, beschwert sich auch mal öffentlich darüber, wie viel ihn an diesem Politikbetrieb mittlerweile nervt, vor allem diese Langsamkeit, Starrheit und Bürokratie. Seine Kritiker legen ihm das als Amtsmüdigkeit aus. Warum er trotzdem nochmal antreten will? „Wenn ich den Zuspruch der Bürgerinnen und Bürger merke, dann scheinen sie nicht schlecht zu finden, was ich gemacht habe“, sagte er kürzlich der SZ. „Das motiviert mich schon.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren