Rund 2,7 Tonnen schwer, eine Spannweite von 16 Metern und vollelektrisch: Die Münchner Firma ERC System meldet den ersten erfolgreichen Testflug des neuen „eVTOL“-Prototypen. Im Allgäu ist das Fluggerät besser als „Fliegender Notarztwagen“ bekannt. Denn zukünftig soll das neuartige Gerät die Notfallversorgung im ländlichen Raum stärken. In wenigen Jahren wünschen sich die Verantwortlichen erste Einsätze im Allgäu.
Fliegender Notarztwagen: „Romeo“ hebt in München ab
Der Prototyp, der nun im Münchner Raum erfolgreich seinen Testflug absolviert hat, heißt „Romeo“, teilt Benedikt Albertsen von ERC System mit. Nach Angaben des Unternehmens gehört es damit zu den größten und schwersten vollelektrischen Fluggeräten, die in Europa bisher geflogen seien. „Das bemannte Fluggerät, dessen Zulassung wir für das Jahr 2031 anstreben, ist hybrid-elektrisch ausgelegt. Es startet und landet senkrecht wie ein Hubschrauber, nutzt im Reiseflug jedoch Tragflächen für einen effizienten Vorwärtsflug wie ein Flugzeug“, sagt Dr. David Löbl, Mitgründer und Chef von ERC System.
Dadurch werden laut ERC System Betriebskosten „deutlich unter denen eines Hubschraubers“ erreicht. Gleichzeitig lassen sich Transportzeiten im Vergleich zu Liefer- oder Krankenwagen deutlich verkürzen. „Ein klarer Vorteil bei zeitkritischen Einsätzen, zum Beispiel beim Patiententransport zwischen Krankenhäusern“, sagt Löbl.
Erescopter soll bei der Notfallversorgung helfen
An dieser Stelle kommt das Allgäu ins Spiel: Denn „Romeo“ soll in der Region für den medizinischen Einsatz genutzt werden. Daran arbeiten ERC System sowie Wissenschaftler und die Gesundheitsregion Unterallgäu-Memmingen. Erste Testflüge könnte es in den kommenden Jahren zwischen Babenhausen und Memmingen geben, hieß es im vergangenen Jahr. Die Klinik-Landschaft wird sich auch im Allgäu verändern. Häuser werden nicht mehr alle medizinischen Angebote vorhalten können, sie werden sich spezialisieren. Deshalb spielt der Transport von Patienten zwischen den Krankenhäusern laut Experten künftig eine wichtige Rolle.
Das elektrische Fluggerät soll die Lücke zwischen Krankenwagen (zeitaufwendig) und Hubschrauber (kostspielig) füllen. Deshalb ist bei der Entwicklung auch die Luftrettung DRF, früher Deutsche Rettungsflugwacht, mit im Boot. Mit Blick auf den Testflug teilt die DRF mit: „Dieser Meilenstein ist mehr als ein technischer Erfolg – er ist ein bedeutender Schritt für die zukünftige Patientenversorgung aus der Luft.“ Denn nun stehe man am Übergang: vom Konzept hin zu Tests in der Praxis.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren