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EU-Vorgaben zur Weidepflicht: In Bayern kehren hunderte Bauern Bio den Rücken

Landwirtschaft

Öko-Landbau in der Krise: Hunderte Bauern kehren Bio den Rücken

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    Ohne Weide keine Biomilch: Ab 2026 müssen Kühe auf einer Weide stehen, wenn ihre Milch „bio“ sein soll. 
    Ohne Weide keine Biomilch: Ab 2026 müssen Kühe auf einer Weide stehen, wenn ihre Milch „bio“ sein soll.  Foto: Ralf Lienert

    Die bayerische Staatsregierung entfernt sich immer mehr von ihrem ehrgeizigen Bio-Zielen. So sollten bis zum Jahr 2030 im Freistaat 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet werden. Doch aus dem angekündigten Bio-Boom ist eine Flaute geworden. Während die Öko-Anbaufläche in den vergangenen Jahren stagnierte, schrumpfte sie 2025 sogar erstmals – von 420.037 Hektar auf aktuell 412.900 Hektar, wie aus jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamt hervorgeht. Die Bio-Fläche im Freistaat macht derzeit nur 13,4 Prozent aus.

    Damit droht eines der gesetzlich festgeschriebenen Ziele nach dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ aus dem Jahr 2019 zu scheitern. Thomas Lang, Vorsitzender der Anbauvereinigung LVÖ Bayern kritisiert: „Das Ziel 30 Prozent Öko-Anbaufläche bis zum Jahr 2030 ist in diesem Tempo beim besten Willen nicht schaffbar.“ Um der Branche einen Schub zu verpassen, fordert er ein klares Bekenntnis der Staatsregierung zum Ökolandbau – in Form einer verbindlichen Quote von 50 Prozent biologischen und regionale Lebensmitteln in öffentlichen Kantinen. Auch die Grünen im bayerischen Landtag betonten, verbindliche Bio-Quoten in staatlichen Küchen eröffneten den Betrieben stabile Abnahmewege und eine echte wirtschaftliche Perspektive.

    Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln ist in diesem Jahr um zehn Prozent gestiegen

    Dass die Bio-Fläche in Bayern sinkt, hat zudem mit strikteren Vorgaben der EU zu tun. Ab Mitte 2026 müssen Milchvieh- oder Mastbetriebe mit der Bio-Landwirtschaft aufhören, wenn sie ihre Tiere nicht auf die Weide lassen können. Im Freistaat haben bereits in diesem Jahr 316 Öko-Betriebe keine entsprechenden Förderanträge mehr gestellt. „Die strikte Auslegung der europäischen Weidepflicht trifft gerade unsere bayerischen Familienbetriebe mitten ins Herz“, sagt Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). „Dass einige deshalb schweren Herzens aus der Ökoproduktion aussteigen mussten, schmerzt mich sehr.“ Die EU-Kommission hat zwar vor wenigen Tagen einen Vorschlag vorgelegt, wie das EU-Ökorecht vereinfacht werden könnte. Änderungen bei der Weidepflicht beinhaltet dieser aber nicht.

    Bayerns Bauernpräsident Günther Felßner sieht die Hoffnungen der Öko-Bauern enttäuscht. Beim Bauernverband fürchtet man, dass in den nächsten beiden Jahren noch einmal so viele Bio-Betriebe zur konventionellen Haltung zurückkehren könnten, sollte die EU-Kommission die Vorgabe bei der Weidepflicht nicht lockern. LVÖ-Vorsitzender Lang fordert: „Wir brauchen besser heute als morgen praktikable Lösungen für die bayerischen Bio-Bäuerinnen und -Bauern, die ihnen die benötigte Flexibilität bei der Umsetzung der Weide geben.“ Jeder Betrieb, der die ökologische Landwirtschaft aufgebe, sei „nicht nur ein Verlust für die Bio-Branche, sondern im Sinne von Umwelt- und Naturschutz für die gesamte Gesellschaft“.

    Dabei scheinen die Verbraucherinnen und Verbraucher vom Vorteil der Bio-Produkte überzeugt zu sein. Nach drei Jahren der Kaufzurückhaltung haben die Deutschen 2025 so viel Geld wie noch nie für ökologisch erzeugte Lebensmittel ausgegeben. Wie aus einer Erhebung der Handelsexperten Stephan Rüschen und Andrea Nitsche von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn hervorgeht, dürfte der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in diesem Jahr um zehn Prozent gestiegen sein. Das liegt zum Teil an höheren Preisen, aber auch daran, dass die Nachfrage nach Bio-Produkten deutlich gestiegen ist. Bio macht damit knapp sieben Prozent des Lebensmittelmarktes in Deutschland aus.

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