Nun ist es nicht so, dass Edmund Stoiber den Problembären erfunden hätte. Doch ohne Stoiber wäre er nicht da, wo er heute ist. Er hat ihn geprägt, er hat das Rampenlicht auf ihn gerichtet. Stoiber machte ihn groß – und ist zugleich für seinen Niedergang verantwortlich. Dabei hätte er ihn verhindern können. Ein Machtwort hätte gereicht, um das Schicksal in andere Bahnen zu lenken. Doch Stoiber wollte es so. Er ließ ihn ins Verderben rennen.
Vor rund 16 Jahren wurde Problembär Bruno erschossen. Damals war Stoiber Ministerpräsident und sein politischer Ziehsohn Markus Söder Generalsekretär der CSU. Inzwischen ist Söder Ministerpräsident – und zurzeit streift wieder ein Bär durch Bayern. Doch am Wochenende machte nicht das Tier, sondern Söder als Problembär Schlagzeilen. Grünen-Chef Omid Nouripour hatte ihn als „Problembär der Energieversorgung“ betitelt. Das war unfair.
Das hat Problembär Bruno nicht verdient
Zum einen, weil Söder nun wirklich nicht für die Misere verantwortlich gemacht werden kann. Er steht schließlich erst seit vier Jahren an der Spitze und kann nun mal nicht persönlich all die Windräder aufstellen und Stromtrassen bauen, die er so gerne hätte. Zum anderen war doch er es, der als Umweltminister vor mehr als zehn Jahren den Atomausstieg Bayerns für das Jahr 2022 vorangetrieben hat. Wer, wenn nicht er, sollte nun die Verlängerung fordern dürfen!?
Zu guter Letzt tut man aber vor allem Bruno unrecht. Der arme Bär, Gott hab ihn selig, hat mit all den Energieproblemen nun wirklich nichts zu tun. Er wollte seinerzeit durch den Freistaat wandern, ein Weibchen suchen und sich den Bauch vollschlagen. Hätte er gewusst, was hier auf ihn zukommt, er hätte einen Bogen um Bayern gemacht. Mit Edmund Stoiber hätte er sich nie eingelassen. Und doch ist er nun auf ewig mit diesem verbunden – und muss sich post mortem Vergleiche mit Markus Söder gefallen lassen.