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Israels Generalkonsulin in Bayern: „Unser Feind ist nicht das iranische Volk“

Interview

Israelische Konsulin für Bayern: „Unser Feind ist nicht das iranische Volk“

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    Die Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland, Talya Lador-Fresher, in ihrem Münchner Büro.
    Die Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland, Talya Lador-Fresher, in ihrem Münchner Büro. Foto: Generalkonsulat des Staates Israel für Süddeutschland

    Frau Lador-Fresher, welches übergeordnete Ziel verfolgt Israel mit den Angriffen auf den Iran?

    TALYA LADOR-FRESHER: Diese Operation ist eine gemeinsame von Israel und den USA, angeführt von den USA. Das Ziel ist die dauerhafte Beseitigung anhaltender existenzieller Bedrohungen für Israel auf lange Sicht. Außerdem hat das iranische Volk jetzt die Möglichkeit, eine alternative Regierung ohne Terror anzustreben. Das Mullah-Regime bedroht seit Jahren durch sein Atomprogramm und Raketen die gesamte Region. Darüber hinaus gab es Anzeichen dafür, dass diese Raketen und Nuklearwaffen bald sehr tief unter die Erde verlagert werden. So tief, dass sie nicht mehr angreifbar sein würden – dadurch würde eine „Immunität“ für das Mullah-Regime entstehen.

    Welche Zukunft stellt sich Israel für den Iran und seine Bürgerinnen und Bürger vor?

    LADOR-FRESHER: Wir alle hoffen für die Iranerinnen und Iraner, dass sie in Freiheit und Sicherheit leben können. Seit über drei Jahren gehen Menschen im Iran und weltweit unter dem Motto „Woman, Life, Freedom“ (deutsch: „Frau, Leben, Freiheit“, Anmerkung d. Redaktion) auf die Straßen. Ich wünsche mir, dass sich ihre Hoffnungen und Forderungen genau so erfüllen werden.

    Während sich nach dem Tod Chameneis Tausende in Teheran versammelten, hatten in den Wochen vorher ebenso viele gegen sein Regime protestiert.
    Während sich nach dem Tod Chameneis Tausende in Teheran versammelten, hatten in den Wochen vorher ebenso viele gegen sein Regime protestiert. Foto: Vahid Salemi, AP/dpa

    Einflussreiche islamische Geistliche haben zu Vergeltungsschlägen auf der ganzen Welt aufgerufen. Rechnen Sie mit Attentaten in Deutschland?

    LADOR-FRESHER: Wir sehen, dass das Mullah-Regime gnadenlos und grenzenlos seine Nachbarländer attackiert. In zahlreichen Golfstaaten gab es Angriffe, auf Energieanlagen und auch auf Zivilistinnen und Zivilisten. Am Donnerstag wurde Aserbaidschan angegriffen, am Mittwoch hat der Nato-Staat Türkei eine iranische Rakete in seinem Gebiet abgefangen und am Montag gab es iranische Drohnenangriffe auf den EU-Mitgliedsstaat Zypern. In den vergangenen Tagen und bereits davor sehen wir leider sehr deutlich, dass das Mullah-Regime, wann immer es die Möglichkeit hat, Terror auszuüben, das auch tut. Gleichzeitig sind wir der Polizei sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit, um solche Bedrohungen fernzuhalten.

    Verschlechtert sich wegen der Luftschläge die Sicherheitslage der jüdischen Gemeinde hierzulande?

    LADOR-FRESHER: Es gibt viele Sicherheitsmaßnahmen zu unserem Schutz und wir sind alle vorsichtig. Das Generalkonsulat war wegen Sicherheitsvorkehrungen kurzzeitig geschlossen, aber wir freuen uns sehr, jetzt wieder vor Ort zu sein. Gerade in dieser Situation tut es gut zu sehen, dass wir viel Unterstützung in Bayern haben. Es gibt zahlreiche Menschen, Organisationen und wichtige politische Akteure, die alles möglich machen, um jüdisches Leben zu schützen.

    Gibt es in Deutschland und Bayern Gesprächskanäle zwischen israelischen Vertretern und iranischen Verbänden oder Bürgern?

    LADOR-FRESHER: Es gab bereits in der Vergangenheit Kontakte mit Exil-Iranerinnen und -Iranern. Letzten Samstag gab es direkt nach Beginn der Operation eine Kundgebung in München und am Mittwoch in Frankfurt, wo unter anderem Israelis, Jüdinnen und Juden und Iranerinnen und Iraner gemeinsam für die Freiheit des Iran und die Sicherheit Israels demonstriert haben. Auch während der Sicherheitskonferenz vor drei Wochen gab es eine große Kundgebung für die Freiheit des Iran in München. Und auch hier waren zahlreiche Israel-Flaggen zu sehen.

    Pflegen Sie auch in der aktuellen Situation solche Kontakte?

    LADOR-FESHER: Es berührt mich, wenn ich die Flagge der iranischen Opposition und die israelische Flagge gemeinsam sehe. Ich bemühe mich um diese Kontakte, sowohl für die Gegenwart als auch die Zukunft. Wir haben immer betont: Unser Feind ist das Mullah-Regime und nicht das iranische Volk. Israel hatte sehr gute Beziehungen zum Iran vor der islamischen Revolution 1979. Aktuell sehe ich viel über die damalige Zeit auf Social Media – es gab zum Beispiel Direktflüge von Israel in den Iran. Wir würden uns sehr freuen, wenn diese Zeiten bald wiederkommen.

    Zur Person

    Talya Lador-Fresher, geboren 1962, ist seit September 2023 israelische Generalkonsulin in München. Vorher war sie im israelischen Außenministerium tätig, davor wiederum als Botschafterin Israels in Wien und in den israelischen Vertretungen in London, New York und Jamaika.

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