Prozess-Auftakt beim Allgäuer Tierskandal: Ab 20. September müssen sich ein heute 68 Jahre alter Landwirt aus Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) und sein Sohn, 24, vor dem Memminger Landgericht verantworten. Ihnen werden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen, mehr als 50 Rinder sollen davon betroffen gewesen sein. Das Gericht hat 16 Verhandlungstage angesetzt.
Die Landwirte betrieben Hofstellen in den Kreisen Unter- und Oberallgäu sowie im Kemptener Stadtgebiet. Sie sollen nicht dafür gesorgt haben, dass kranke Tiere die erforderliche medizinische Behandlung bekamen, sagte ein Sprecher der Memminger Staatsanwaltschaft im Sommer 2020, als die Behörde Anklage erhoben hat. Demnach werden dem 68-Jährigen zudem „aktive Handlungen zum Nachteil der Tiere“ vorgeworfen. Außerdem hätten die Männer gegen ein Rinderhalteverbot verstoßen und Kühe gekauft, die sie nicht bezahlen konnten, sagte jetzt Jürgen Brinkmann, Vizepräsident des Memminger Landgerichts: „Wahrscheinlich wird dies ab 20. September mitverhandelt.“
Im Allgäuer Tierskandal gibt es für jede Kuh ein gesondertes Gutachten
Im Zuge des Allgäuer Tierskandals gibt es weitere Anklagen, allerdings noch keine Prozesstermine. Zwei Männern, ebenfalls Vater und Sohn, sowie vier ihrer leitenden Mitarbeiter wird vorgeworfen, in einem großen Betrieb in Bad Grönenbach Rinder misshandelt und gequält zu haben. So sollen Tiere beim Transport „erhebliche Schmerzen“ erlitten haben. In einem dritten Fall hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Landwirt und dessen zwei Söhne erhoben. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie 32 Rinder bewusst nicht tierärztlich behandeln ließen, obwohl dies nötig gewesen wäre.
Der Tierskandal hatte im Jahr 2019 für bundesweite Schlagzeilen gesorgt. Öffentlich wurde er durch ein Video des Vereins „Soko Tierschutz“, das einen erschreckenden Umgang mit Kühen auf einem Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach zeigte. Die Kripo bildete eine Sonderkommission, die aus bis zu 27 Mitgliedern bestand. Viele Beobachter fragten sich daraufhin, warum es so lange dauerte, bis die Staatsanwaltschaft die Vorgänge bewertet. Ein Sprecher der Behörde begründete dies mit intensiven Ermittlungen: „Für jeden einzelnen Tierschutz-Verstoß, für jede Kuh gibt es ein gesondertes Gutachten.“