Überraschung in München: Dort haben die Wählerinnen und Wähler dem amtierenden Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) einen deutlichen Denkzettel verpasst. Reiter, der in den jüngsten Umfragen noch deutlich geführt hatte, muss nun mit knappem Vorsprung gegen seinen Stellvertreter Dominik Krause von den Grünen in die Stichwahl. Eine Schlappe war die OB-Wahl in der Landeshauptstadt für die CSU. Ihr Spitzenkandidat Clemens Baumgärtner landete abgeschlagen auf Platz drei.
Kommunalwahl: In München heißt es Reiter gegen Krause
Um 19.31 Uhr, da war noch gar nicht fertig ausgezählt, kam ein merklich kleinlauter Reiter für ein kurzes Statement in die Wahlzentrale des Kreisverwaltungsreferats und redete nicht lange drumherum: Das Wahlergebnis sei „enttäuschend“, die Verantwortung dafür übernahm der Oberbürgermeister. „Ich habe in den letzten zwei Wochen ein, zwei Fehler gemacht.“ Dafür bat er nochmals um Entschuldigung, nun müsse er in den kommenden zwei Wochen Vertrauen zurückgewinnen, so der 67-Jährige, ehe er wieder zügig aus der Reichweite von Kameras und Mikrofonen entschwand. Fragen beantwortete er keine.
Reiter hatte sich kurz vor dem Wahlsonntag zweimal öffentlich entschuldigen müssen. Er hatte in der Stadtratssitzung vom Mittwoch das diskriminierende N-Wort gebraucht. Schwerer als das dürfte allerdings Fall zwei wiegen: Münchens OB hat seit Ende 2021 vom FC Bayern jährlich 20.000 Euro bekommen, weil er im Verwaltungsbeirat des Großvereins sitzt. Diese Nebeneinkünfte hat er ohne die erforderliche Genehmigung des Stadtrats kassiert, der Rathauschef der Landeshauptstadt muss deshalb mit einem Disziplinarverfahren rechnen.
Reiter kam am Sonntag auf fast 36 Prozent, dahinter Krause mit knapp 30 und Baumgärtner mit gut 21 Prozent der Stimmen. Die Zahlen aus den Wahllokalen zeigten auch, dass Reiter in der Briefwahl noch an die 40 Prozent hatte – am Wahlsonntag aber dann in der Wählergunst abstürzte. Bei Krause war es umgekehrt.
Kommunalwahl in München: Krauses Einzug in die Stichwahl ist eine Überraschung
Dem erst 35-jährigen Krause war vor dem Sonntag der Einzug in die Stichwahl nicht unbedingt zugetraut worden. 2020, auf dem Höhepunkt der grünen Welle in München, war nicht einmal der damaligen Zweiten Bürgermeisterin Katrin Habenschaden gelungen, was ihrem Nachfolger Krause jetzt geglückt ist. Viele waren davon ausgegangen, dass sich der passionierte Jogger für spätere Wahlen warmläuft, doch nun könnte er schon in der Stichwahl in zwei Wochen als Sieger im Ziel einlaufen. Krause selbst gab am Abend zu: „Das habe ich so nicht erwartet.“
Spannend wird, welcher Kandidat in den kommenden zwei Wochen neue Wählergruppen mobilisieren kann. Die größte Gruppe ist die der CSU-Wähler – da scheint der Weg zum SPD-Politiker Reiter näher als zum Grünen Krause. Andererseits ist offen, welche Folgen die noch sehr frische FC-Bayern-Affäre entfaltet. Unklar ist auch, auf welche Mehrheit der künftige Oberbürgermeister im Stadtrat zählen kann. Nach dem jüngsten Trend könnte es noch hauchdünn reichen für das bisherige Bündnis aus Grünen, SPD, Volt und Rosa Liste. Bei SPD und Grünen zeichneten sich Verluste von jeweils drei Prozent ab, in derselben Größenordnung legten AfD, Linke und Volt zu.
Mit knapp 1,1 Millionen Wahlberechtigten ist die Münchner Wahl Deutschlands größte Kommunalwahl. Die Stimmberechtigten – darunter an die 180.000 EU-Bürger – hatten die Auswahl unter 13 OB-Kandidaten. Wesentlich größer war das Bewerberfeld für den 80-köpfigen Stadtrat, allein der Stimmzettel maß fast einen Quadratmeter, um die knapp 960 Kandidaten von 14 Gruppierungen unterzubringen.
OB-Wahl in München: CSU abgeschlagen auf Platz drei
Seit 1952 ist das Münchner Rathaus fest in SPD-Hand. Nur einmal regierte dort ein CSU-Mann – das war zwischen 1978 und 84 Erich Kiesl.
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