Mega-Coup: SGL Carbon verlagert Hauptsitz nach Meitingen bei Augsburg
Hauptversammlung
SGL Carbon wird bayerisch: Das Unternehmen verlagert seinen Hauptsitz nach Meitingen
Der Kohlenstoff-Spezialist SGL Carbon gibt seine Zentrale in Wiesbaden auf und zieht ins Augsburger Land. Zugleich wird am größten Standort des Unternehmens massiv investiert.
Bei SGL Carbon in Meitingen wird investiert, unter anderem in grünen Strom. Am Standort wird künftig auch der Hauptsitz sein. Im Bild (von rechts) SGL-Chef Andreas Klein, Meitingens Bürgermeister Michael Higl, Digitalminister Fabian Mehring, SGL-Carbon Standortchef Alexander Miehling und PV-Betreiber Andreas Spreier.Foto: Michael Kerler
Geplant sei, dass der Firmensitz formell zum 1. Januar 2027 von Wiesbaden nach Meitingen zieht, sagte Klein. „Der Vorstand zieht komplett um, alle relevanten Veranstaltungen finden dann in Meitingen statt.“ Das Unternehmen erhofft sich mehr Nähe zur Produktion. „Wir werden dann dort sein, wo unser Geschäft stattfindet“, sagte Klein. In der Zentrale in Wiesbaden arbeiten derzeit rund 60 Beschäftigte. Ein Teil von ihnen soll im Rhein-Main-Gebiet bleiben. Das Unternehmen plant, dort ein Büro mit rund 40 Beschäftigten zu behalten. SGL Carbon spricht von einem „Hub“. Der Umzug könnte für das Unternehmen auch ein Signal sein, dass es auch geschäftlich wieder aufwärtsgehen soll.
SGL Carbon-Chef Klein: „Die letzten Jahre haben uns viel abverlangt“
SGL Carbon hat keine einfache Zeit hinter sich. „Die letzten Jahre haben uns viel abverlangt“, sagte Klein in Meitingen. Das Unternehmen hat Werke in Portugal und in den USA stillgelegt, der Geschäftsbereich für Karbonfasern wurde restrukturiert, in Meitingen selbst sind zuletzt rund 100 Stellen verloren gegangen. „Das sind Entscheidungen, die schmerzen.“ Die Zahlen spiegeln diese Umbruchsituation wider.
SGL Carbon verlagert seinen Hauptsitz von Wiesbaden (hier im Bild) nach Meitingen bei Augsburg.Foto: Boris Roessler, dpa
Der Konzern machte im vergangenen Geschäftsjahr mit 850,2 Millionen Euro 17 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Trotz dieser Belastungen habe die Firma ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 135 Millionen Euro erreicht. Durch die Kosten des Umbaus stand unter dem Strich aber ein Minus von 79,2 Millionen Euro. Jetzt will man dieses „Übergangsjahr“ hinter sich lassen.
Unternehmen will auch Wachstumsstrategie einschwenken
SGL Carbon rechnet dieses Jahr mit einem Konzernumsatz zwischen 720 und 770 Millionen Euro und einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwischen 110 und 130 Millionen Euro. Da der Umbau abgeschlossen sein wird, soll unter dem Strich auch wieder ein schwarzes Ergebnis stehen. „SGL Wachstum 2030“ hat das Unternehmen seine Strategie genannt, bei der man auf drei Feldern punkten will.
Ein Bereich ist die Kernkraft: Kleine modulare Reaktoren – SMRs – seien global eine Antwort für eine CO₂-arme Energieerzeugung, sagte Klein. Ein Großteil der Innenverkleidung sei aus Graphit. Mit dem US-Unternehmen X-energy habe man einen Liefervertrag über 100 Millionen US-Dollar unterschrieben. Punkten will SGL Carbon mit seinen Kenntnissen aus dem Leichtbau zudem in der Herstellung von Drohnen, Militärfahrzeugen und Schutzausrüstung. Auch in der Luft- und Raumfahrt, wo Satellitentransporte boomen, sähe man große Chancen. Investiert wird für die Zukunft auch am Standort Meitingen.
Diese Investitionen plant SGL Carbon in Meitingen
Dort fiel am Donnerstag der Startschuss für den Bau einer Luftzerleger-Anlage. Aus der Umgebungsluft gewinnt sie vor Ort flüssigen Stickstoff für die Produktion. Errichtet wird die Anlage vom Gas-Spezialisten Linde. Die Anlage soll im zweiten Halbjahr 2027 fertig sein. Rund 260 Lkw-Anlieferungen können dann pro Jahr entfallen.
In Betrieb ging auf dem Firmengelände außerdem ein Photovoltaikpark, der rund zehn Prozent des Strombedarfs im Werk decken soll. Zudem hat SGL eine besondere Kooperation gestartet: Hallen auf dem weitläufigen Gelände werden von Airbus Helicopters genutzt, das dort Komponenten produziert.
SGL Carbon will ab 1. Januar 2027 seine Zentrale von Wiesbaden nach Meitingen verlagern.Foto: Michael Kerler
„Wenn SGL Carbon hier investiert, ist das ein klares Bekenntnis zur Region“, freute sich Bayerns Europaminister Eric Beißwenger (CSU). Das Unternehmen sei ein Schlüsselunternehmen für viele bayerische Industrien, darunter die Autoindustrie, die Chemie oder die Halbleiterherstellung. Die Investitionen seien ein Zeichen, dass SGL die „Segel Richtung Zukunft“ stellt, sagte auch Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (FW). „Der Standort hat Zukunft – eine richtig gute Zukunft“, ist er überzeugt.
Und als Nächstes steht nun der Umzug der Zentrale an: SGL Carbon-Chef Klein stammt selbst aus Bonn, wo das Unternehmen einen großen Standort hat. Da dort auch seine Familie wohnt, wird er seinen privaten Hauptwohnsitz behalten. „Ich werde aber viel häufiger in Meitingen sein“, weiß er schon jetzt.
Errichtet wurde der PV-Park bei SGL Carbon von der Turn Key Solar GmbH aus Paderborn, Betreiber ist die Suag Spreier GmbH, die den Strom an SGL verkauft.Foto: Michael Kerler
Diskutieren Sie mit
XXX 0 Kommentare
hier kommen komentare rein
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren