In Rheinland-Pfalz hat ein Meteorit einen Schaden an einem Wohnhaus in Koblenz verursacht. Ähnliche Schadensmeldungen gebe es unter anderem aus dem Hunsrück und der Eifel, teilte die Polizei am Sonntagabend mit. Auch in anderen Bundesländern war der Himmelskörper zu sehen. Diese sogenannten Meteoritenfälle kommen immer wieder vor - auch in Bayern.
Der verglühte Himmelskörper schlug am Sonntag in das Dach des Wohnhauses im Koblenzer Stadtteil Güls ein. Folge sei ein fußballgroßes Loch gewesen. Laut der Polizei wurde bei dem Meteoritenfall niemand verletzt, die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses befanden sich zum Zeitpunkt des Einschlags in einem anderen Raum des Hauses. Auf dem Boden befanden sich Gesteinsbrocken, Sand und Staub — Hinweise auf einen Meteoriten.
Meteoritenfälle in Bayern: Acht anerkannte Einschläge zwischen Oberfranken und Schwaben
Zu den Meteoritenfällen kommt es, wenn ein Asteroid auf die Lufthülle der Erde trifft. Der Himmelskörper zerfällt dann in kleine Stücke. Manche davon verglühen, andere landen auf der Erden. Diese Brocken nennt man dann Meteoriten. Die Fälle werden offiziell in einem internationalen Katalog „Meteoritical Bulletin Database“ registriert und gelistet.
In Bayern gibt es nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt acht anerkannte Meteoritenfälle. In diesen Fällen wurde im Anschluss Material des Himmelskörpers gefunden. Daneben gibt es zahlreiche glaubhafte Fälle ohne Materialfunde. Die meisten kosmischen Körper sind so klein, dass sie beim Eintritt in die Erdatmosphäre vollständig verglühen. So entstehen Sternschnuppen. Wenn jedoch besonders helle nächtliche Leuchterscheinungen durch automatische Beobachtungskameras aufgezeichnet werden, kann berechnet werden, ob Meteoritenmaterial auf dem Erdboden eingeschlagen hat und wo dies in etwa geschehen ist. Material wird im Anschluss nicht immer gefunden.
Überblick über Meteoriten in Bayern: Diese Himmelskörper wurden gefunden
Wenn ein Himmelskörper gefunden wird, landet er meist im Museum. Ein Überblick über die bayerischen Meteoritenfälle:
- Eichstätt 1785: In Jahr 1785 schlug in einem Einödhof nahe Eichstätt ein Meteorit in einen Ziegelstadel ein. Der Stein war 2,9 Kilogramm schwer und 14,5 cm groß. Der Meteorit wurde noch 1785 zerschlagen und in der ganzen Welt verteilt. Die größten, heute noch erhaltenen Stücke befinden sich in Wien (123 Gramm), Zürich (106 Gramm), Gifhorn (73 Gramm) und London (43 Gramm). 23 weitere Exemplare befinden sich unter anderem in Paris und New York. Seit 2015 erinnert eine Infotafel in Einschlagsort in Breitenfurt an den Meteoriten.
- Mässing 1803: Der Himmelskörper stürzte im Dezember in Massing bei Gangkofen ein. Der Stein wog nach Berechnungen 1,6 Kilogramm. Vom ursprünglichen Meteoriten ist heute kaum noch Material erhalten. Das größte erhaltene Stück wiegt 22,1 Gramm und befindet sich im Museum für Naturkunde in Berlin. Das zweitgrößte Stück wurde in München im Krieg zerstört. Eine 0,24-Gramm-Probe kam 1935 in den Besitz der Sammlung des Vatikans und wurde vom emeritierten Papst Benedikt im September 2009 mit großem Interesse betrachtet. Der Geburtsort des deutschen Papstes, Maktl am Inn, liegt nur etwa 30 Kilometer vom Einschlagsort des Meteoriten entfernt.
- Schönenberg 1846: In der Weihnachtszeit im Jahre 1846 ging im schwäbischen Schönenberg im Mindeltal ein Meteorit nieder. Der größte Teil des Steines mit 8 Kilogramm wurde im Krieg zerstört. Heute befindet sich ein kleines, 1,27 Gramm schweres Stück im Besitz der Mineralogischen Staatssammlung in München, weitere Teile werden unter anderem in Paris, Budapest und Massachusetts (USA) aufbewahrt.
- Untermässing 1920: Unter den Wurzeln einer alten Fichte im Landkreis Roth lag der Meteorit in etwa eineinhalb Metern Tiefe unentdeckt. Er wurde im Mai 1920 gefunden. Neueste Untersuchungen zeigen, dass der Stein bereits vor etwa 14.000 Jahren auf der Erde niedergegangen ist. Er wurde zufällig unter der Baumwurzel gefunden und in letzter Sekunde vor der Einschmelzung bewahrt, im Zweiten Weltkrieg nach einem Bombentreffer verschüttet und fast unversehrt wiederentdeckt. Er ist bis heute noch fast ganz erhalten. Der größte Teil des Meteoriten ist mit gut 78 Kilogramm im Naturhistorischen Museum in Nürnberg ausgestellt. Weitere Stücke befinden sich im Rieskrater-Museum in Nördlingen und in der Mineralogischen Staatssammlung in München.
- Machtenstein 1956: Um das Jahr 1956 fand ein junger oberbayerischer Landwirtssohn bei der Feldarbeit auf einem Acker bei Machtenstein im Landkreis Dachau einen außergewöhnlichen Stein. Dieser war schwerer als die üblichen Steine. Er nahm den faustgroßen Brocken mit nach Hause. Der 1,4 Kilogramm schwere Meteorit ist fast vollständig erhalten. Nachdem der Stein rund 25 Jahre auf dem Bauernhof bei Machtenstein gelegen hatte, verbrachte er über 30 weitere Jahre in einem Vorgarten. Durch Zufall wurde er 2014 wiederentdeckt und zur Begutachtung nach Augsburg gebracht.
- Neuschwanstein 2002: Im Jahr 2002 bohrten sich mehrere schwere Gesteinsbrocken mit gut 200 Kilometer pro Stunde in den Schnee. Ohne Gegenwind wären die Meteoriten-Bruchstücke womöglich direkt im Schloss Neuschwanstein eingeschlagen. Der Meteorit kam aus Südosten und wurde durch den Gegenwind verlangsamt und abgelenkt, sodass das Märchenschloss Neuschwanstein unversehrt blieb. Die erste Suchaktion Anfang Mai 2002 war erfolglos. Das Bruchstück Neuschwanstein I wurde erst knapp drei Monate später von einem Paar aus Bernau bei Berlin gefunden und geborgen. Nach über einem Jahr fanden zwei Männer aus Oberbayern dann das zweite Bruchstück, Neuschwanstein II. Neuschwanstein III wurde am 29. Juni 2003 von einem deutschen Bergsteiger gefunden. Die Gesteinsbrocken wogen zwischen 1,6 und 2,8 Kilogramm.
- Stubenberg 2016: Am 6. März 2016 wurde eine Feuerkugel von sechs professionellen Meteorkameras des Feuerkugelnetzes in Tschechien und von etlichen weiteren Foto- und Videokameras registriert. Zudem wurde das Phänomen von zahlreichen Personen beobachtet. Mehrere Bruchstücke des Meteoriten konnten in den folgenden Wochen gefunden werden. Eine gezielte Suche durch ein zwölfköpfiges Team führte zur Auffindung von insgesamt 17 kleinen Stücken des Meteoriten bei Stubenberg im Landkreis Rottal-Inn. Die weitere Nachsuche durch verschiedene Personen führte zu weiteren Funden. Insgesamt wogen die Stücke des Meteoriten zusammen etwa 1,5 Kilogramm.
- Issigau-Reitzenstein 2020: Im oberfränkischen Reitzenstein, einem Ortsteil der Gemeinde Issigau im Landkreis Hof, wurde bei Baggerarbeiten im April 2020 ein großer, dunkelbrauner Brocken ans Tageslicht befördert. Ein solcher Umstand löst in der Regel noch keine Begeisterungsstürme aus, denn der dortige Untergrund besteht aus dunkelgrünem Diabas und verwandten Gesteinen, die häufig eine rostfarbene Verwitterungskruste haben. Es waren vielmehr seine ungewöhnliche Form, der metallische Klang und sein außergewöhnliches Gewicht von fast drei Zentnern, die das Interesse der Anwesenden weckte. Mit 136,4 Kilogramm und einer Größe von 60 x 35 x 21 Zentimetern ist der Issigau-Reitzenstein-Meteorit der schwerste und größte Meteorit Deutschlands, der je gefunden wurde und von dem Material erhalten ist. Wegen der starken Verwitterung der Oberfläche kann man darauf schließen, dass dieser bereits vor vielen tausend Jahren gefallen ist.
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