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Ozempic-Face: Das sagt ein Schönheitschirurg zur Nebenwirkung der Abnehmspritze

Interview

Immer mehr eingefallene Gesichter: Würden Sie Ozempic nehmen, Dr. Altmann?

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    Ein paar Speckfalten im Gesicht? Viele greifen dann zur Ozempic-Spritze.
    Ein paar Speckfalten im Gesicht? Viele greifen dann zur Ozempic-Spritze. Foto: Imago/dpa

    Herr Dr. Altmann, Sie sind plastischer Chirurg in der Bodenseeklinik in Lindau und designierter Nachfolger des deutschlandweit bekannten Arztes Professor Werner Mang, der seit Jahrzehnten auf dem Gebiet der ästhetischen Chirurgie tätig ist. Sie machen auf ein relativ neues Phänomen aufmerksam: das so genannte Grumpy-Face. Um was handelt es sich dabei? Woher kommt der Begriff und was bedeutet er?

    DR. JENS ALTMANN: Grumpy-Face bedeutet mürrisch, unzufrieden. Dabei handelt es sich nicht um einen medizinischen Begriff, sondern um einen populären Ausdruck, der ein Gesicht beschreibt, das nach einer Abnehmphase mit einem Semaglutid-Präparat wie etwa Ozempic entsteht. Deshalb spricht man auch gern von einem Ozempic-Face.

    Was genau ist ein Ozempic-Face?

    ALTMANN: Durch rasche Gewichtsabnahme entsteht ein Volumenverlust im Unterhautfettgewebe. Das Gesicht wirkt eingefallen, die Falten sind klarer erkennbar, die Haut hängt an bestimmten Partien und die Augen scheinen tiefer zu liegen.

    Vielleicht können Sie noch einmal kurz erläutern, was Ozempic ist und wie es funktioniert?

    ALTMANN: Ozempic ist der Handelsname eines verschreibungspflichtigen Medikaments, das zur Behandlung eines Diabetes vom Typ 2 zugelassen ist. Es hilft in vielen Fällen sehr effizient bei der Gewichtsreduktion. Es senkt den Appetit, die Magenentleerung ist verzögert, wodurch ein Völlegefühl entsteht und das Sättigungsgefühl verstärkt wird. Dadurch, dass man mit dem Medikament das Gewicht effektiv senken kann, hat seine Verwendung weit über die eigentliche Diabetes-Indikation Anwendung gefunden – als Lifestyle-Mittel. Der Trend kam, wie so oft, aus den USA. Ein Problem ist, dass es inzwischen sogar beispielsweise von Frauen mit 50 Kilogramm Gewicht und ohne Diabetes genutzt wird, weil sie meinen, dass es ihnen so leichter fällt, ihr Gewicht zu halten.

    Wie viele Menschen nutzen das Medikament nach ihrer Einschätzung als Lifestyle-Medikament, reinweg, um abzunehmen – und nicht aus medizinischer Indikation?

    ALTMANN: Dazu gibt es keine belastbaren Zahlen, aber ich denke, dass die Anwendung aus Lifestyle-Gründen immer weiter um sich greift. Anfänglich gab es für jene Patienten, die das Mittel wegen ihres Diabetes brauchten, manchmal sogar Lieferengpässe, weil es eben aus Lifestyle-Gründen so stark nachgefragt war. Diese Engpässe haben sich aber, soweit wir das überblicken können, offenbar gelegt.

    Wie teuer ist – in etwa – eine Abnehm-Kur mit Ozempic?

    ALTMANN: Das Mittel wird nur im Diabetes-Fall von den Kassen übernommen. Für den Selbstzahler, der diese Indikation nicht aufweist, fallen mehrere hundert Euro pro Monat an. Wie schnell man abnimmt, ist dabei individuell sehr unterschiedlich, deshalb kann man auch nicht vorhersagen, wie lange man zum Abnehmen braucht. Und oft ist nach erfolgreicher Gewichtsabnahme beim Absetzen des Präparates eine rasche Wiederzunahme des Gewichts zu beobachten. Das muss man wissen.

    Ist Schönheitsexperte an der Bodenseeklinik in Lindau: Dr. Jens Altmann.
    Ist Schönheitsexperte an der Bodenseeklinik in Lindau: Dr. Jens Altmann. Foto: Bodenseeklinik Lindau

    Ist die Nachfrage höher bei Männern – oder bei Frauen?

    ALTMANN: Beim Thema Diabetes sehen wir in der Bodenseeklinik das Verhältnis bei etwa 50:50. Geht es um das Thema Lifestyle, liegen jüngere Frauen vorn, die das Bedürfnis haben, sich und ihren Körper zu optimieren.

    Sie sagen, die Schönheitsmedizin heute ist nur noch in Teilen mit den Verfahren von früher zu vergleichen…

    ALTMANN: Nehmen wir das Facelift. Die Grundlagen des Faceliftings entstanden in den Siebzigerjahren. Seitdem kam es zur Weiterentwicklung und Kombination von Techniken und Technologien, so dass die Abheilung und Regeneration optimaler sind. Auch die Kombination von Faceliftings mit nicht invasiven Behandlungen im weiteren Verlauf geben uns ganz andere Möglichkeiten, den Alterungsprozess zu behandeln. Ebenso sind Brust-OPs mit Implantaten und Fettabsaugungen nicht mehr so invasiv. Brustimplantate sind heute sehr gut untersucht und auch sicherer, ebenso die Fettabsaugung mit Assistenzsystemen. Damit haben wir ein zielführenderes Vorgehen im Sinne des Patienten.

    Was tun Sie bei einem Ozempic-Face?

    ALTMANN: Das ist immer eine individuelle Entscheidung. Entweder, es kommt ein Facelifting zum Einsatz. Fehlt dem Patienten nur das verloren gegangene Unterhautfett-Volumen, dann führen wir in der Bodenseeklinik ein Lipofilling durch. Hierbei erfolgt ein Auffüllen von Regionen im Gesicht mit körpereigenem Fettgewebe (etwa vom Bauch oder Oberschenkel). Eine Kombination aus Facelift und Lipofilling kann auch notwendig sein. Kommt eine Operation für den Patienten nicht infrage, zum Beispiel aus medizinischer Sicht, und das Faltenbild ist trotzdem störend, dann behandeln wir ihn in der Bodenseeklinik mit einem Radiofrequenz-Deep Needeling.

    Was ist Radiofrequenz-Deep Needeling?

    ALTMANN: Dabei wird Microneedling mit Radiofrequenz-Technologie kombiniert. Sehr dünne Nadeln geben Radiofrequenz in tiefere Hautschichten ab, was die körpereigene Kollagen- und Elastin-Produktion anregt. Diese Stimulation führt zu verblüffenden Ergebnissen und zeigt ein insgesamt strafferes, glatteres Hautbild.

    Würden Sie selbst Ozempic nutzen, um abzunehmen?

    ALTMANN: Wenn mein Internist sagen würde, ich muss es nehmen, um meinen Diabetes zu behandeln, würde ich es tun. Ich habe aber keinen Diabetes und leide auch nicht an Übergewicht. Also: nein.

    Welche neuen Verfahren und Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren in der Schönheitsmedizin?

    ALTMANN: Es werden immer mehr nicht invasive Verfahren angewandt, bei denen durch Kollagenisierung die Qualität des Gewebes optimiert wird. Ich bin mir sicher, dass wir auch beim Lipofilling immer bessere Ergebnisse erzielen werden. Das Altern lässt sich aber nicht aufhalten. Ziel jeder Behandlung und Operation muss sein, den Charakter des Menschen nicht zu verändern und ein natürliches Ergebnis als Ziel zu haben. Bei unrealistischen Wünschen muss man auch einmal Nein sagen können und die Behandlung ablehnen.

    Zur Person

    Dr. Jens Altmann, 51, Facharzt für plastische Chirurgie und Chefarzt der Bodenseeklinik Lindau stammt aus dem Raum Frankfurt und ist seit 16 Jahren an der Bodenseeklinik tätig.

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