Fette Beute gemacht haben in Bayern und Deutschland Betrügerbanden mit gefälschten Rezepten für Abnehmspritzen. Die Masche war so lukrativ, dass sie inzwischen auf andere hochpreisige Medikamente ausgeweitet wurde, etwa gegen Krebs. Allein die Barmer-Krankenkasse meldete innerhalb eines Jahres fast 2400 Fälle von Rezeptbetrug mit einem Gesamtschaden von 2,5 Millionen Euro. Für Staatsanwältin Marie-Anne Tokaji belegen diese Zahlen klar: „Das ist kein Randphänomen mehr.“
Betrug mit Abnehmspritzen: Allein in München 40 Verdächtige
Die Juristin leitet bei der Staatsanwaltschaft München I eine Gruppe, die mehrere Verfahren gegen mutmaßliche Rezeptbetrüger führt. Zwölf Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft, drei wurden zu Freiheitsstrafen von mehr als zwei Jahren verurteilt. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Ermittler haben allein in München an die 40 Verdächtige identifiziert, die gefälschte Rezepte in Apotheken eingelöst haben. Bundesweit sind es sogar 390 mutmaßliche Täter bekannt.
Seit Ende 2023 registrieren die Krankenkassen einen sprunghaften Anstieg von Rezeptfälschungen. Im Mittelpunkt standen zunächst Mittel wie Ozempic, das als „Abnehmspritze“ bekannt geworden ist. Auf dem Schwarzmarkt erzielte das Medikament Preise von bis zu 900 Euro, regulär kostete es 290 Euro. Doch die Betrüger bekamen die Packung für zehn Euro Rezeptgebühr, weil sie täuschend echt nachgemachte Rezepte von echten Ärzten vorlegten. Bis der Schwindel bei den Krankenkassen aufflog, vergingen manchmal Monate und die Täter waren längst über alle Berge.
Rezeptbetrug: 2,5 Millionen Euro Schaden bei einer einzigen Krankenkasse
Erst nachdem eine Apothekerin in München stutzig geworden war, hatten Polizei und Justiz einen Ermittlungserfolg. Sie schnappten drei inzwischen Verurteilte, die gefälschte Rezepte einlösen wollten. Schnell wurde klar, welche Dimensionen der Fall hat. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft werden die Rezepte in großem Stil gefälscht und manchmal zu Hunderten per Post an die Einlöser geschickt. Die Hintermänner sind überwiegend Moldawier und agieren derzeit aus dem Raum Hannover/Berlin. Von dort aus rufen sie in den Apotheken an und bestellen die Medikamente vor. Zuletzt hatten sie es auf Mittel gegen Krebs mit Einzelpreisen von bis zu 6000 Euro abgesehen, die möglicherweise nach Russland verschoben werden.
Den Schaden haben hiesige Patienten, die unter Medikamentenmangel leiden, und die Betragszahler. Denn begleichen müssen die Zeche die gesetzlichen Kassen. Das höchste Risiko, erwischt zu werden, haben die Einlöser. Sie werden pro Medikament mit 50 oder 100 Euro abgespeist und sind laut Staatsanwältin Tokaji „nur kleine Rädchen in einem großen Getriebe“.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren