Die Hohlräume wurden beim Bau der neuen Trambahnlinie unter der Fahrbahn entdeckt.Foto: MVG, dpa
Was im Münchner Westen derzeit entsteht, gilt als eines der wichtigsten Nahverkehrsprojekte der Stadt. Die Tram-Westtangente soll fünf Stadtbezirke miteinander verbinden, drei U-Bahnlinien verknüpfen und auch an die S-Bahn in Laim angeschlossen sein. In diesem Jahr sollte der erste Abschnitt fertig werden. Doch daraus wird nichts. Und jetzt stehen die Bauarbeiten an der Fürstenrieder Straße auch noch still wegen der Sache mit diesem Loch in beziehungsweise unter der Straße.
Aber von vorne: Bei den Bauarbeiten für die neue Tramlinie im Westen der bayerischen Landeshauptstadt sind unter der Fürstenrieder Straße Hohlräume entdeckt worden. Aus Sicherheitsbedenken hat die Polizei die vierspurige Verkehrsader im Westen der Stadt daher bis auf Weiteres gesperrt. Der Verkehr und drei Buslinien werden umgeleitet.
Die Hohlräume unter der Fahrbahn wurden nach Angaben der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bei einer routinemäßigen Bodenuntersuchung entdeckt. Deswegen wurde die Fürstenrieder Straße zwischen Camerloher Straße und Gotthardstraße in nördlicher Fahrtrichtung komplett gesperrt.
Wie groß die Hohlräume unter der Straße sind, steht aktuell noch nicht fest
Wie groß und wie tief die Hohlräume sind, steht bisher nicht fest. „Das können wir tatsächlich noch nicht sagen“, sagt MVG-Pressesprecher Maximilian Kaltner im Gespräch mit unserer Redaktion. Aktuell untersuche man noch, wie groß der betroffene Bereich ist. Es heißt allerdings, die Tragfähigkeit des Bodens sei auch im Bereich der angrenzenden Gotthardstraße unzureichend. Jetzt muss erst einmal gegraben werden.
Als Ursache für die unerwarteten Hohlräume vermutet die MVG eine Spätfolge des Baus der U-Bahnlinie U5, die an der Fürstenrieder Straße an der Haltestelle Laimer Platz endet. Beim Bau der U5 in den 1980er Jahren sollen zur Sicherung der Baugrube Holzstützen zwischen den Stahlträgern eingesetzt worden sein. „Der Verbau, teilweise aus Holz, der verfüllt wurde, ist mutmaßlich über die Zeit verrottet“, heißt es in der Pressemitteilung der MVG. „Mit dem Öffnen der Fahrbahndecke sind die Hohlräume sichtbar geworden.“ Vor Beginn der Bauarbeiten für die Tram seien diese nicht zu erkennen gewesen. Inwieweit die Hohlräume den Bau der Tram-Westtangente weiter verzögern könnte, werde noch geprüft.
Drei Buslinien müssen wegen wegen der Sperrung in München umgeleitet werden
Der Verkehr in Richtung Norden wird laut der Pressemitteilung der MVG bereits ab der Ammerseestraße abgeleitet. Für Anlieger ist die Zufahrt weiterhin möglich. Drei Buslinien werden aktuell umgeleitet:
Linien 51 und 151 zwischen Ammerseestraße und Bahnhof Laim über die Westendstraße
Linie 168 zwischen Willibaldstraße und Laimer Platz über Willibald- und Gotthardstraße
Ein Arbeiter untersucht weitere Bereiche des Untergrundes und prüft die Bodendichte.Foto: MVG
SWM und MVG: Maßnahmen können wenige Tage bis zu zwei Wochen dauern
Wie lange die Maßnahmen und damit die Sperrung der Straße dauern, lässt sich bislang nicht genau sagen, so Kaltner. Die MVG stellt ein Zeitfenster von wenigen Tagen bis zu zwei Wochen in Aussicht. Das liege zum einen daran, dass die Größe der Hohlräume noch nicht feststeht und welche Methode nötig ist, um sie wieder zu verfüllen, erklärt Kaltner. „Unser Ziel ist, dass wir die Straße möglichst schnell wieder freigeben können und mit unseren Bauarbeiten fortfahren können.“
Der Münchner Merkur und der Bayerische Rundfunk ziehen in ihrer Berichterstattung Parallelen zu dem Unglück am „Truderinger Loch“. Im September 1994 brach die Fahrbahndecke der Truderinger Straße plötzlich ein, ein zehn Mal zehn Meter großes Loch tat sich auf, in das ein Linienbus hineinstürzte. Drei Menschen starben, sie ertranken im Wasser, das in den Bus eingedrungen war. 36 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Grund für das Unglück war, dass es bei Bauarbeiten an der östlichen Verlängerung der U-Bahnlinie 2 zur Messestadt Riem zu einem Wasser- und Kieseinbruch gekommen war.
Das Archivbild vom 21. September 1994 zeigt einen Linienbus im Müncher Ortsteil Trudering, der am Tag zuvor in ein Loch gestürzt ist. Der acht Meter tiefe Krater hatte sich nach einem Wassereinbruch bei unterirdischen U-Bahnbauarbeiten aufgetan. Drei Menschen kamen ums Leben, 36 wurden bei dem Unglück verletzt. Foto: picture-alliance / dpa
Im Münchner Stadtrat spricht Veronika Mirlach, stellvertretende Vorsitzende und verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion aus CSU und Freien Wählern, von einer „Pannen-Serie beim Bau der Tram-Westtangente“, die nicht abreißen wolle. Mit einer umfassenden Anfrage an die Stadtverwaltung will die Opposition zum einen klären, wann die Fürstenrieder Straße wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. Zum anderen will man sicherstellen, dass an anderen Stellen Hohlräume zukünftig früher entdeckt werden, etwa indem sogenannte Vibro-Trucks wie bei der Fernwärme-Erkundung eingesetzt werden und eine regelmäßige Überwachung der Verfüllungen stattfindet. (mit dpa)
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