Mann stirbt an Vogelgrippe und hatte zuvor wohl Kontakt zu Wildvögeln
Sorge vor Pandemie: Es gibt bereits Impfstoffe gegen die Vogelgrippe
Für den Fall einer Pandemie sei der Freistaat vorbereitet, heißt es aus dem bayerischen Gesundheitsministerium. Die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, hat nach Einschätzung von Experten zumindest das Potenzial für eine neue Pandemie. Und seit September nehmen die Ausbrüche bei Geflügel und die Fälle bei Wildvögeln in Europa und Deutschland weiter zu, schreibt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Zuletzt meldete auch der Augsburger Zoo erkrankte Tiere. Doch wie gefährlich ist die Situation für Menschen?
Erkrankt sind bereits Menschen – zuletzt in den USA und Kanada. Das Gesundheitsministerium von Louisiana teilte nun mit, dass erstmals ein Mensch nach einer Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 gestorben ist. Es handele sich um einen über 65-jährigen Mann, der allerdings auch Vorerkrankungen hatte. Der Patient habe sowohl mit Wildvögeln als auch mit Vögeln in seinem Hinterhof Kontakt gehabt.
Alle bislang bekannten Krankheitsfälle beim Menschen standen im Zusammenhang mit Tierkontakten, erklärt Professor Dr. Christoph Spinner, Oberarzt der Infektiologie am Klinikum der Technischen Universität München, auf Anfrage unserer Redaktion und ergänzt: „Bisher gibt es keine Hinweise für eine anhaltende ‚Mensch zu Mensch‘-Übertragung.“ Für den Mediziner gibt es daher auch „derzeit keinen Grund zur Panik in der Bevölkerung“.
Allerdings sind von der Seuche längst nicht nur Geflügelbetriebe betroffen, sondern in den USA auch Milchkuhherden. Für Professorin Gülsah Gabriel steht fest: „Das Geschehen ist ohne Zweifel besorgniserregend.“ Die Leiterin der Abteilung Virale Zoonosen am Leibniz-Institut für Virologie in Hamburg sagte der Süddeutschen Zeitung: „Es ist noch eine Tierseuche. Aber wir wissen auch, dass Influenzaviren schnell mutieren können.“ In den US-amerikanischen Rinderherden, in denen die Tiere dicht an dicht stehen, herrschten „die optimalen Bedingungen, die eine Virusevolution und die Anpassung des Virus an Säugetiere fördern“.
Und darin sehen Experten das Hauptproblem: Viren verändern sich bei der Vermehrung in den so genannten Wirtszellen – das gilt für die Virusgrippe beim Menschen (die Influenza), aber auch für die Vogelgrippe (aviäre Influenza). Und im Ärzteblatt ist nun zu lesen: Die Viren der aviären Influenza A(H5N1), die im November bei einem 13-jährigen Mädchen aus Kanada eine beinahe tödliche Erkrankung verursacht haben, wiesen drei Mutationen auf, die im Verdacht stehen, die Ansteckungsfähigkeit und Virulenz beim Menschen zu erhöhen. Schon zuvor haben Wissenschaftler darauf hingewiesen, dass nur eine einzelne Mutation des Vogelgrippe-Erregers nötig ist, damit sich dieser auf die Rezeptoren von menschlichen Zellen spezialisieren kann.
Auch der Münchner Infektiologe Spinner hält eine „Mensch-zu-Mensch“-Übertragung für „durchaus denkbar“. Deshalb müssten die Gesundheitsbehörden und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Situation auch weiterhin im Blick behalten und wachsam sein. Für Menschen, die in der Vogel- und Viehzucht arbeiten, existieren darüber hinaus gezielte Empfehlungen, was beispielsweise Hygienemaßnahmen angeht. Und ganz generell gilt, dass keine kranken oder tote Wildvögel angefasst werden sollten.
Beruhigend ist: Es gibt bereits Impfstoffe gegen die Krankheit. Und die britische Regierung hat auch schon einen Vertrag über fünf Millionen Impfdosen gegen H5N1 bestellt. Der Kauf des Impfstoffs sei im Rahmen seit langem bestehender Pläne erfolgt, Großbritanniens Zugang zu Impfstoffen für ein breiteres Spektrum von Krankheitserregern mit Pandemiepotenzial zu verbessern, heißt es. In Deutschland existieren bislang offenbar keine Vorräte des H5N1-Impfstoffs. „Allerdings sind mehrere Präparate zugelassen, die im Bedarfsfall nutzbar sind“, sagt Professor Spinner. Mindestens drei Impfstoffe wären sofort nutzbar, weitere vier Präparate müssten vor der Verimpfung noch an den H5N1-Stamm angepasst werden und verfügten über eine so genannten Musterzulassung.
Beim Bayerischen Gesundheitsministerium heißt es auf Anfrage unserer Redaktion, in wieweit man auf eine mögliche Verschärfung der Lage vorbereitet sei: „Bayern hat aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie gelernt und gehandelt.“ So habe man ein „effizientes Monitoring aufgebaut“. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) beobachte das Infektionsgeschehen sehr genau. Zudem könne die beim LGL angesiedelte Task-Force Infektiologie als schnelle Eingreiftruppe eingesetzt werden. Mit dem Bayerischen Pandemiezentrallager verfüge der Freistaat darüber hinaus über „einen strategischen Grundstock an persönlicher Schutzausrüstung und medizinischem Gerät“. Während der Corona-Pandemie habe Bayern auch Hygiene- und Schutzkonzepte für besonders gefährdete Personengruppen entwickelt, auf die im Bedarfsfall wieder zugegriffen werden könne. Welche Schritte im Falle einer künftigen Pandemie konkret erforderlich werden, hänge maßgeblich von der dann aktuellen Lage ab.
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