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Testfeld München: So sieht der Straßenverkehr der Zukunft aus

Verkehr

Smarte Ampeln und Fahrzeuge, die nicht mehr anhalten müssen: So werden wir bald Autofahren

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    Die aktuelle Verkehrssituation auf dem Bildschirm: Die Technik im Auto wird stetig weiterentwickelt.
    Die aktuelle Verkehrssituation auf dem Bildschirm: Die Technik im Auto wird stetig weiterentwickelt. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Die Fußgängerampel ahnt es schon. Wenn gleich der Senior mit Gehproblemen um die Ecke biegt, muss sie länger grün bleiben. So wird sie dem Rentner ermöglichen, sicher die Kreuzung an der Münchner Ganghoferstraße zu überqueren.

    Die Ampel ganz in der Nähe der Theresienwiese ist eine von mittlerweile vier Signalanlagen, mit denen das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt eine neue Technologie ausprobiert, die die Grünphase bedarfsgerecht verlängert. Ein unübersehbares Schild am Ampelmast weist auf den Modellversuch hin. Die Ampeln werden dafür mit Bluetooth-Empfängern ausgestattet.

    Menschen mit Mobilitätseinschränkungen – sie müssen ihre Behinderung bei der Stadt nachweisen – laden sich die dazugehörige App aufs Handy. Wenn sie sich in der Nähe einer Bluetooth-Ampel befinden, treten die beiden Geräte via Funkverbindung miteinander in Kontakt. Die Ampel verlängert dann die nächste Grünphase um einige Sekunden. Auch Schulklassen und Kindergartengruppen können die per App ausgedehnte Grünphase nutzen.

    In München soll Zu-Fuß-Gehen attraktiver werden

    Das Münchner Modellprojekt dient nach Angaben der Stadt dazu, „den Fußverkehr zu fördern und den öffentlichen Raum für alle möglichst zugänglich zu machen“. Und es ist nur eins von vielen Beispielen, wie der Verkehr in Bayern smarter, klüger, schlauer wird.

    Detektoren unter dem Asphalt, die das Verkehrsaufkommen messen, sind in vielen Städten längst Standard. In München sind es 9000. Ampeln reagieren automatisch auf deren Daten. Sie sind so programmiert, dass Grün- und Rotphasen die Autokolonne bestmöglich im Fluss halten. Auch Bus- oder Tramfahrer können unbemerkt in den Straßenverkehr eingreifen. Denn ein Bus steht im besten Fall nicht im Stau. Um eine grüne Welle zu gewährleisten, kann der Fahrer an einem festgelegten Ort ein Funksignal aktivieren. Dann weiß die Software in der Münchner Ampel-Zentrale: Jetzt braucht er noch 45 Sekunden bis zur Haltelinie, dann sollte die Ampel grün sein.

    Die Technologie für autonomes Fahren entwickelt sich unaufhaltsam weiter.
    Die Technologie für autonomes Fahren entwickelt sich unaufhaltsam weiter. Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa

    Smarte Verkehrstechnologien, die für Kommunen in ganz Bayern interessant sein könnten, wurden von Januar 2021 bis Ende 2023 im Forschungsprojekt „Tempus“ erprobt. Der Freistaat und die Landeshauptstadt arbeiteten dafür mit Autoherstellern, Technologiekonzernen und Forschungsinstituten zusammen. Auf einem Testfeld im Münchner Norden erprobte das „Tempus“-Team das automatisierte und vernetzte Fahren. Das Testfeld erstreckte sich über Teile des Stadtgebiets und die Autobahnen A9 und A99.

    Erprobt wurde etwa ein digitaler Ampelassistent im Auto. Gespeist von Verkehrsdaten schickt er Autofahrern die Information ins Cockpit, welche Geschwindigkeit optimal ist, um die nächste Ampel bei Grün zu erreichen – und damit zeitraubendes und umweltschädliches Wiederanfahren zu verhindern. Wie weit das in ferner Zukunft gehen kann, skizziert ein Video auf der Homepage des Verkehrsministeriums: autonome Fahrzeuge, die ihre Geschwindigkeit so anpassen, dass sie nicht mehr anhalten müssen.

    Smartes Fahren wirft noch ungeklärte Fragen auf

    Erprobt wurde auch, wie Rettungsfahrzeuge sicherer und schneller ans Ziel kommen. Krankenwagen testeten etwa Funkmodule, mit denen sie alle Ampeln einer Kreuzung gleichzeitig auf Rot schalten können. Um zudem einen praktischen Abbiegeassistenten fortzuentwickeln, wurde eine städtische Kreuzung mit Kamerasensorik ausgestattet. Die Technik kann ein Warnsignal ins Wageninnere senden, wenn sich ein sogenannter „vulnerabler Verkehrsteilnehmer“ nähert, etwa ein Radfahrer oder eine Fußgängerin.

    Das Bundesverkehrsministerium förderte „Tempus“ mit knapp zwölf Millionen Euro. Aus dem Projekt ist ein Leitfaden für Kommunen entstanden. Die Forschenden listen Chancen und Risiken der potenziell bereits nutzbaren Technik auf. Auf der Pro-Seite: besserer Verkehrsfluss, weniger Unfälle durch menschliche Fehler am Steuer, reduzierter Energieverbrauch und mehr Umweltschutz durch ökonomisches Fahren. Auf der Contra-Seite: hoher Investitionsbedarf, ungeklärte Fragen beim Datenschutz der Verkehrsteilnehmer. Außerdem schreibt das Expertenteam: „Es ist noch nicht absehbar, welche Technologien sich langfristig durchsetzen werden. Dadurch entsteht möglicherweise ein Kostenrisiko, falls eine Kommune eine Technologie verbaut, die sich dann nicht durchsetzt.“

    Banner an den Testampeln weisen auf den „Länger Grün“-Versuch hin.
    Banner an den Testampeln weisen auf den „Länger Grün“-Versuch hin. Foto: Sarah Ritschel

    Für die intelligente Fußgängerampel nahe der Theresienwiese und ihre drei smarten Kolleginnen ist die Testphase gerade erst angelaufen. „Der Nutzerkreis ist derzeit noch relativ klein, weshalb wir kein repräsentatives Feedback weitergeben können“, sagt Franziska Hartmann, Pressesprecherin des Mobilitätsreferats. Konkrete Zahlen, wie viele körperlich eingeschränkte Münchnerinnen und Münchner die nötige App bereits nutzen, lägen bislang nicht vor. Mit Blick auf den Überweg Ganghoferstraße kann Hartmann aber eins schon berichten: „Die bisherigen Rückmeldungen waren durchweg positiv.“

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